Stimmen zum Zinsentscheid der EZB

Gelassenheit - Stimmen zum Zinsentscheid der EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 5. Februar entschieden, den Leitzins unverändert zu lassen. Der Einlagenzins bleibt damit bei 2,00 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,15 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Das war von den meisten auch so errwartet worden, wir haben einige Stimmen dazu gesammelt.

Zentrale der EZB in Frankfurt / Bild: EZB

Felix Schmidt: Währung stark, EZB gelassen

Angesichts des robusten Wachstums in der Eurozone und einer Inflationsrate, die sich in der Nähe des Zwei-Prozent-Ziels bewegt, gibt es für die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit keinen Grund, ihre Geldpolitik zu ändern.

Vergangene Woche stieg der Euro-Dollar-Wechselkurs zum ersten Mal seit Juni 2021 kurzzeitig über die Marke von 1,20. Ein stärkerer Euro verbilligt die Importe und wirkt sich daher dämpfend auf die Inflation in der Eurozone aus. Eine Aufwertung der Gemeinschaftswährung erhöht somit die Gefahr, dass die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent in diesem Jahr unterschreiten wird.  

Es gibt jedoch mehrere Punkte, die dafür sprechen, dass die EZB sich von der bisherigen Wechselkursbewegung nicht aus der Ruhe bringen lassen wird. Zum einen hat der Euro in den letzten Tagen bereits wieder deutlich an Stärke eingebüßt und notiert nun wieder nahezu auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn. Gegenüber den Währungen vieler anderer Handelspartner kam es sogar zu einer leichten Abwertung. Zum anderen ist weniger das absolute Niveau des Wechselkurses entscheidend als vielmehr die Geschwindigkeit seiner Veränderung. Zwar bezeichnete EZB-Vize Luis de Guindos im Sommer 2025 einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke, doch mittlerweile hat sich diese wohl etwas nach oben verschoben.  

Derzeit besteht für die EZB also kein Handlungsbedarf. Lediglich eine deutliche weitere Aufwertung des Euros in den kommenden Wochen könnte dazu führen, dass die EZB in ihrer März-Sitzung beginnt, über eine weitere Zinssenkung nachzudenken. Dafür gibt es derzeit aber keine Anzeichen.
 

Dr. Felix Schmidt, leitender Volkswirt bei Berenberg

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Florian Heider: Gute Geldpolitik vermeidet Überraschungen

Die EZB lässt den Leitzins zur ersten geldpolitischen Sitzung im Jahr 2026 unverändert. Gute Geldpolitik vermeidet Überraschungen. Sie gibt den Märkten Orientierung und schafft Stabilität.

In einem von geopolitischen Spannungen und handelspolitischen Unsicherheiten geprägten Umfeld hat die EZB diesen Kurs bislang überzeugend verfolgt. Umso wichtiger ist eine klare und konsistente Kommunikation der EZB, damit die Märkte ruhig bleiben.

Der jüngste Rückgang der Inflation unter zwei Prozent gibt derzeit keinen Anlass zu geldpolitischem Handeln. Er ist vor allem auf niedrige Energiepreise zurückzuführen, ein Effekt, der sich im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich nicht fortsetzt. Jedoch sollte der starke Euro aufmerksam beobachtet werden. Der datenabhängige Ansatz von Sitzung zu Sitzung bleibt daher der richtige Kurs.
 

Prof. Dr. Florian Heider ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE

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Vincent Lagger: Stabilität inmitten von Unsicherheit

Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut beschlossen, ihren Leitzins für Einlagen bei zwei Prozent zu belassen. Damit bekräftigt sie ihr Bekenntnis zu einer restriktiven Geldpolitik, die derzeit als nachhaltig erscheint. Diese Entscheidung unterstreicht eine vorsichtige „higher for longer“-Philosophie, da der EZB-Rat weiterhin wachsam gegenüber anhaltendem Preisdruck bleibt. Trotz des enttäuschend niedrigen Wachstums in den meisten Volkswirtschaften der Eurozone und der zunehmenden Unsicherheiten bei Geopolitik und Handel, bleibt der Hauptfokus der EZB auf ihrem Inflationsziel von zwei Prozent verankert.

Die stabile Zinsprognose wird durch die Widerstandsfähigkeit der Kerninflation, insbesondere im Dienstleistungssektor, gestützt, während die Gesamtinflation zurückgegangen ist. Die Entscheidungsträger sind besorgt, dass eine vorzeitige Lockerung die Fortschritte des vergangenen Jahres zunichtemachen könnte, und betrachten die derzeitige Geldpolitik weiterhin als angemessen. Darüber hinaus erfordert das anhaltend starke Lohnwachstum eine Beobachtungsphase, um sicherzustellen, dass inländische inflationäre Treiber vollständig eingedämmt werden.

Mit der Beibehaltung des Status quo verschafft sich die EZB effektiv Zeit, um die Auswirkungen des starken Euros und der Handelskonflikte auf die Realwirtschaft zu bewerten. Die Botschaft ist klar: Der Weg zur Normalisierung wird schrittweise, datenbasiert und ohne Hast erfolgen.
 

Vincent Lagger ist Senior Portfolio Manager Multi-Asset bei der Zürcher Kantonalbank/Swisscanto