Stimmen zum Zinsentscheid der EZB

Nichts Neues aus Frankfurt - Stimmen zum Zinsentscheid der EZB

Am Donnerstag, den 18. Dezember, hat die Bundesbank auf ihrer Sitzung den Zinssatz erneut und wie erwartet beibehalten. Der Einlagezins liegt damit auch am Jahresende bei 2,00 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,15 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Wir haben dazu die Einschätzungen einiger Volkswirte zusammengefasst.

Zentrale der EZB in Frankfurt / Bild: EZB

Dr. Klaus Bauknecht: Aus Frankfurt (noch) nichts neues

Die EZB-Prognosen deuten auf eine längere Phase neutraler und damit unveränderter Geldpolitik hin; dies wurde durch EZB-Kommentare bestätigt. Allerdings bleibt das Prognoserisiko erhöht. Wichtige Treiber der Inflationsentwicklung sind weiterhin die Importpreise, die dank China für deflationäre Impulse sorgen. Insgesamt erwartet die IKB 2026 eine neutrale geldpolitische Ausrichtung der EZB mit einem unveränderten Einlagenzins von 2 Prozent. 

Dr. Klaus Bauknecht ist Chefvolkswirt bei der IKB Deutsche Industriebank AG.

Nicolas Forest: Bestätigung statt Kurswechsel

Die heutige Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen unverändert zu belassen und den Einlagensatz bei 2 Prozent zu halten, bestätigt den bisherigen geldpolitischen Kurs, ohne ihn neu auszurichten. Festere Wachstumsaussichten dürften den Euro weiterhin gut unterstützen.

Nachdem die EZB zu Beginn des Jahres Zinssenkungen von insgesamt 100 Basispunkten vorgenommen hat, legt sie nun eine Pause ein, da sich das Wachstum im Euroraum als widerstandsfähiger als erwartet erwiesen hat und die Inflation nahe am Zielwert bleibt. Der Lockerungszyklus scheint abgeschlossen zu sein. Die Kreditvergabe zieht wieder an, die geldpolitische Transmission verläuft reibungslos, die Kommunikation wurde an ein volatileres Umfeld angepasst, und die zentralen Pfeiler des geldpolitischen Rahmens – ein symmetrisches Inflationsziel von 2 Prozent sowie ein flexibles Instrumentarium – bleiben intakt.

Mit Blick nach vorn dürften die Zinsen auch im kommenden Jahr unverändert bleiben. Neue Industrie- und Verteidigungsinitiativen sollten das Wachstum fördern, insbesondere in Deutschland, während die fiskalische Unterstützung in anderen Ländern moderat bleiben dürfte. Die Inflation in Europa sollte leicht nachgeben, da sich das Lohnwachstum abschwächt und chinesische Exporte weiterhin einen deflationären Impuls liefern.

Die Märkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent für eine Zinserhöhung der EZB bis Ende 2026 ein – ein Szenario, das verfrüht erscheint, sofern es nicht in der zweiten Jahreshälfte 2026 zu einer deutlichen positiven Wachstumsüberraschung kommt. Im Gegensatz dazu ist die US-Notenbank Federal Reserve wieder in eine Lockerungsphase eingetreten, wobei die Geldpolitik zunehmend von Entwicklungen am Arbeitsmarkt geprägt wird – eine Divergenz, die zu einem wichtigeren Treiber relativer Zins- und Währungsbewegungen werden könnte.“

Nicolas Forest ist CIO bei Candriam

Florian Heider: Die EZB hat sich nicht treiben lassen

Die EZB setzt ihre Zinspause wenig überraschend fort. Angesichts der um das Zweiprozentziel schwankenden Inflationsrate und der bisher verhaltenen Konjunktur war die Entscheidung erwartbar.

Im Rückblick auf das Jahr lässt sich sagen: Die geldpolitische Strategie war im Kern erfolgreich. Die Inflation ist im ersten Halbjahr spürbar gesunken und seitdem stabil.  Die EZB hat sich weder von Märkten noch von Stimmungen treiben lassen. In einem geopolitisch herausfordenden Umfeld hat die EZB hat vorsichtig und datenabhängig agiert.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich insgesamt robust, die Dienstleistungsinflation bleibt jedoch hartnäckig. Auch im Jahr 2026 wird die Gesamtwirtschaft mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert sein, on der Digitalisierung, dem Umgang mit Künstlicher Intelligenz bis hin zu expansiver Fiskalpolitik und hoher Staatsverschuldung. Die aktuelle geldpolitische Ruhe verschafft der EZB die Flexibilität, bei neuen Daten zügig zu reagieren.

Prof. Dr. Florian Heider ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE

Dominik Mayr: Was die EZB-Entscheidung zum Leitzins für Anleger bedeutet 

Für Anleger bedeutet die EZB-Entscheidung – aufgeteilt nach Anlageform: 

  • Aktien: Anleger sollten große Unternehmen mit stabilen Margen, stabilem Cashflow und moderater Verschuldung bevorzugen. Volatile Technologien und Unternehmen, die auf günstige Finanzierungen angewiesen sind, stehen unter Druck.
  • Währungen: Durch die Beibehaltung des Zinses ist der Euro anfällig für Dollar-Schwankungen. Deshalb sollten Anleger für eine Diversifizierung ihrer Währungen sorgen.
  • Anleihen: Hier ist der Outlook begrenzt. Bei einer über dem Ziel liegenden Inflation bleiben die Realrenditen moderat. Das Segment wird erst dann attraktiv, wenn sich die Spreads ausweiten.
  • Alternative Anlagen: Gold, Rohstoffe und Rohstoffwährungen könnten im Fall einer erhöhten Volatilität am Devisenmarkt Unterstützung erfahren.

Dominik Mayr ist Manager bei Freedom24 Germany