Alberto Cuccu, Objectway

Neue Studie: Warum mehr Technologie die Komplexität im Banking nicht löst

Zunehmende Regulierung, steigende Kundenerwartungen und eine wachsende internationale Komplexität setzen Banken immer stärker unter Druck. Gleichzeitig werden die weltweiten Ausgaben für Technologie und operative Prozesse bis 2029 voraussichtlich auf rund 243 Milliarden Euro steigen. Eine gemeinsame Studie von Monitor Deloitte und Objectway zeigt nun, dass die Skalierungsfähigkeit eines Instituts weniger von der Höhe seiner Investitionen abhängt als davon, wie Technologie organisiert und betrieben wird – und welche Kompetenzen intern vorgehalten beziehungsweise extern bezogen werden.

Alberto Cuccu, Objectway

Banken, Vermögensverwalter und Asset Manager investieren mehr denn je in Technologie und operative Prozesse. Die weltweiten Ausgaben werden voraussichtlich von rund 173 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf etwa 243 Milliarden Euro im Jahr 2029 steigen. Dennoch ist es bislang nur etwa jedem vierten Institut gelungen, Wachstum von steigenden Kosten zu entkoppeln. Dieser Widerspruch steht im Mittelpunkt der gemeinsamen Studie Master complexity to unlock scale von Monitor Deloitte und Objectway. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Skalierung nicht durch einen Mangel an Investitionen begrenzt wird, sondern durch veraltete Technologie- und Betriebsmodelle, die zunehmend Schwierigkeiten haben, die wachsende regulatorische Komplexität, steigende Kundenerwartungen und die internationale Expansion zu bewältigen. 72 Prozent der befragten Finanzinstitute verfügen bislang noch nicht über ein Betriebsmodell, das nachhaltiges Wachstum ohne steigende Kosten ermöglicht. Gleichzeitig identifiziert die Studie einen klaren Trend: Immer mehr Institute setzen auf hybride As-a-Service-Modelle, um standardisierte technologische und operative Prozesse auszulagern und sich dadurch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren zu können. Dies markiert einen grundlegenden strategischen Wandel: Institute, die weiterhin alles selbst entwickeln und betreiben, werden mit zunehmender Komplexität mit immer höheren Kosten konfrontiert sein. Wer seine Betriebsmodelle intelligent orchestriert und standardisierte Leistungen als Service bezieht, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum

Warum die Sourcing-Strategie zur Priorität für die Führungsebene geworden ist 

Angesichts der zunehmenden Komplexität betrachten Finanzdienstleistungsunternehmen Sourcing nicht länger lediglich als Mittel zur Erweiterung von Kapazitäten oder zur Senkung von Kosten, sondern als strategisches Instrument zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und zur Erzielung von Skaleneffekten. Anstatt sich zwischen Eigenentwicklung und Outsourcing zu entscheiden, setzen Unternehmen zunehmend auf flexible As-a-Service-Modelle, die interne Kompetenzen mit den Fähigkeiten spezialisierter Partner verbinden, um Technologie und operative Prozesse effektiver bereitzustellen. Finanzinstitute können abhängig von ihrer Geschäftsstrategie zwischen verschiedenen Betriebsmodellen wählen. Diese reichen von Hybrid SaaS, bei dem ausgewählte Anwendungen weiterhin intern betrieben werden, bis hin zu Pure-SaaS- und SaaS-/BPaaS-Modellen, bei denen Technologie und operative Prozesse vollständig als Service bereitgestellt werden. Das gemeinsame Ziel sämtlicher Modelle besteht darin, Komplexität zu reduzieren, regulatorische Anforderungen effizienter umzusetzen und die organisatorische Flexibilität zu erhöhen. Dieser Trend dürfte sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen. Nach Einschätzung der befragten Institute wird der Anteil kleiner und mittelgroßer Finanzinstitute, die As-a-Service als ihr primäres Betriebsmodell einsetzen wollen, voraussichtlich von derzeit 8 Prozent auf 31 Prozent steigen. Bei größeren Instituten dürfte dieser Anteil von 23 Prozent auf 47 Prozent zunehmen.

KI erhöht den Druck auf veraltete Betriebsmodelle 

Für viele Institute wird dieser Wandel insbesondere durch den zunehmenden Einsatz Künstlicher Intelligenz sichtbar. KI kann ihr volles Potenzial nur dann entfalten, wenn Daten, Prozesse und Governance-Strukturen nahtlos ineinandergreifen. Genau hier stoßen veraltete Betriebsmodelle zunehmend an ihre Grenzen. As-a-Service-Modelle können die Grundlage dafür schaffen, KI schneller, in größerem Maßstab und regulatorisch konform in bestehende Betriebsabläufe zu integrieren. Rund 85 Prozent der Unternehmen entwickeln derzeit spezifische KI-Rahmenwerke. Dies spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass Governance eine unverzichtbare Voraussetzung für die Industrialisierung von KI ist.

Gleichzeitig signalisiert der Aufstieg agentischer KI, deren Einsatz in den kommenden zwölf Monaten voraussichtlich um mehr als das 2,3-Fache zunehmen wird, eine Verlagerung hin zu unternehmensweiten Anwendungen. Die Institute, denen eine erfolgreiche Skalierung gelingt, sind nicht zwangsläufig diejenigen mit den ambitioniertesten Technologie-Roadmaps. Die eigentliche Herausforderung besteht heute darin, KI in eine ergebnisorientierte, orchestrierte Lösung zu integrieren, anstatt sie lediglich auf bestehende Modelle aufzusetzen. Der Mehrwert entsteht durch die richtige Reihenfolge: Zunächst müssen die gewünschten Ergebnisse definiert werden. Anschließend sind die Anwendungsfälle mit dem größten Skalierungspotenzial zu priorisieren. Im nächsten Schritt werden die Agenten und Workflows orchestriert. Abschließend muss die Technologie so konzipiert werden, dass sie skalierbar ist.

Über die Studie
Die Studie Master complexity to unlock scale: the as-a-service imperative for Wealth, Banking and Asset Management wurde gemeinsam von Monitor Deloitte und Objectway entwickelt. Sie basiert auf einer mehrstufigen Methodik, die proprietäre Marktgrößen- und Benchmarking-Analysen, Erkenntnisse aus der FT-Longitude-/Objectway-Studie 2026 sowie ausgewählte Fallstudien zu Transformationsprojekten aus der Beratungserfahrung von Monitor Deloitte und Objectway miteinander verbindet

Alberto Cuccu

Alberto Cuccu ist Chief Operating Officer von Objectway. Seit mehr als 30 Jahren baut Objectway erfolgreiche Partnerschaften mit Banken, Vermögensverwaltern und Asset Managern auf, um deren Geschäft zu stärken und zu skalieren und dabei ein übergeordnetes gesellschaftliches Ziel zu verfolgen: Kapitalerhalt und Verbesserung des finanziellen Wohlergehens ihrer Kunden. Als ein globaler TOP-100-FinTech-Anbieter (IDC FinTech Rankings) verwaltet Objectway über 1 Billion Euro an Vermögenswerten und unterstützt mehr als 100.000 Anlageexperten (Finanzberater, Privatbankiers, Kundenbetreuer) bei der Verwaltung von über 700 Milliarden Euro AUM für mehr als 5 Millionen Anleger. Zu den Kunden zählen mehr als 200 führende Banken, Vermögensverwalter, Asset Manager und Versicherer in der gesamten EMEA-Region. Objectway verfügt über eine globale Organisation mit über 800 Geschäfts- und Technologieexperten, die von Niederlassungen in Italien, Großbritannien, Belgien, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Irland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kanada aus arbeiten.