Nebenwerte ins Depot
Chaos
Einmal mehr beherrschen Zölle die Schlagzeilen. Das Urteil des Supreme Court gegen Trumps Zölle und seine Reaktion, einfach neue zu verhängen, verunsichert Unternehmer wie Anleger. „Chaos um Trumps Zölle“, meldet Die Welt. Und dann wären noch die Sorgen vor dem Iran-Konflikt und ob KI nicht doch mehr Jobs kostet, als bringt. Bundeskanzler Merz macht in China Werbung für deutsche Produkte und reist mit großer Wirtschaftsdelegation. Ob’s hilft? „Chinas Exporte im Fokus – Merz kämpft um Zugeständnisse“, berichtet das Handelsblatt. Auch interessant: Während das Haushaltsloch im Bund größer ist als angenommen, sparen die Deutschen umso eifriger: „Deutsche neigen zum Sparen wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr“, titelt Der Spiegel. Und zuletzt, unsere Schlagzeile der Woche liefert die Börsen-Zeitung: „Abflüsse sind kein Abgesang“. Und nein, es ist kein Werbeprospekt für Installateure.
Zündend
Ein riesiges, glimmendes Streichholz reckt sich bei Börse Online dem geneigten Leser entgegen. Die zündende Idee dahinter: „Nebenwerte zünden“. Detaillierter: „15 Top-Aktien der zweiten Reihe. 40 % Potenzial, 7 % Dividende“. Sogar die Börsen-Gurvi, der wahrscheinlich einzige deutsche weibliche Börsen-Guru, Beate Sander wird zitiert. Wenn wir schon beim Zündeln sind: Der Aktionär sieht rot diese Woche, denn in dieser Farbe leuchtet uns das Magazin entgegen: „Die besten Aktien für Ihr Depot“, werden versprochen, und gleich mit fünf Sternen bewertet, warum auch nicht. Focus Money macht mit Money auf, mit einem Bündel Euro-Scheinen: „Mit Dividenden zum zweiten Einkommen. So profitieren Sie vom Milliardenregen“, heißt es weiter. Regen kann ja eine schöne Sache sein, wir freuen uns trotzdem, dass gerade die Sonne scheint.
Verkehr(t)
Mal wieder streiken auch in München U-Bahn, Straßenbahn und Busse, der ÖPNV, wie es so eingängig heißt. Immerhin scheint die Sonne für die vielen zusätzlichen Radfahrer. Wie bei jedem Streik der Öffis soll „auf andere Verkehrsmittel ausgewichen, Fahrgemeinschaften gebildet oder Homeoffice eingeplant“ werden. Genial. Welche dieser drei Möglichkeiten Schüler in weiter entfernten Schulen nutzen sollen, bleibt das Geheimnis der MVG. „Jetzt bremsen sie uns wieder aus“, titelt die tz und die Süddeutsche Zeitung stellt klar: „Verdi legt Busse und Bahnen lahm“. Geradezu apokalyptisch lautet die Headline der Abendzeitung: „Zwei Tage! Nichts fährt mehr“. Ein Gutes haben die Streiks jedenfalls: Man weiß im Vorhinein, dass nichts richtig klappt und wird nicht von einer der dutzenden phantasiereichen Begründungen überrascht, warum eine U-Bahn gerade nicht so fahren kann, wie sie laut Fahrplan sollte. Immerhin, alles besser als was am Münchner Flughafen geschah, wo die Busse ebenfalls nicht gefahren sind und Passagiere deshalb im Flugzeug übernachten mussten. Konstruktive, pragmatische Lösungen scheinen uns mehr und mehr abhanden zu kommen… „Entschuldigung bei Passagieren für eine unzumutbare Situation“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Es ist offensichtlich einfacher, sich aufs Flugfeld zu kleben, als ein stehendes Flugzeug, das zum Standzeug wurde, zu verlassen.
Transport
Bleiben wir bei der Luftfahrt: Die Süddeutsche Zeitung bringt die Probleme des Lufttransportes größerer Musikinstrumente zu Papier: „Hier fliegt die Musik“. Denn die teure Geige von Stradivari oder das eher umfangreiche Cello passen nicht ins Handgepäck und die Musiker wollen ihre geliebten Instrumente nicht dem kalten Gepäckraum überlassen. Außerdem herrscht bei der Behandlung der Koffer im Frachtraum eher Heavy Metall als Pianissimo vor. Ab März dürfen jetzt bei der Lufthansa immerhin kleinere Instrumente – Violinen, Trompeten – ins Handgepäck, obwohl größer als das normal Übliche. Wir hätten da noch einen Vorschlag: Warum die Musiker nicht einfach im Flugzeug spielen lassen, das könnte auch, siehe oben, bei unangekündigten Übernachtungen beruhigend auf die eingesperrten Insassen wirken. Übrigens bekommt auch eine Schifffahrt den Instrumenten nicht immer, es sei an das berühmte Stradivari-Cello „Mara“ erinnert, das 1963 auf dem Rio de la Plata den Beweis antrat, dass ein Instrumentenkoffer weniger seetüchtig als ein Rettungsboot ist. Immerhin konnte es geborgen, getrocknet und wieder zusammengesetzt werden und klingt heute wieder so gut wie eh und je (sagt man). Wer will, kann die abenteuerliche Geschichte im Roman Mara von Wolf Wondratschek nachlesen…