Ulrich Kirstein, Börse München

Monster Angst

Der Beginn der Woche war geprägt von einer rasanten Korrektur bei Gold und Silber, beide Edelmetalle verloren dabei ein Gutteil von den Zugewinnen der vergangenen Rallye. Sei’s drum, danach ging es wieder munter aufwärts und die Gold- und Silbermedaillen bei den Olympischen Spielen behalten ihren Wert.

Ulrich Kirstein, Börse München

Talfahrt 

Die wichtigsten Nachrichten aus der Wirtschaft befassen sich mit den Gründen für den Kursrückgang bei Gold uns Silber. Die Welt lüftet deshalb „das Geheimnis hinter der Unruhe an den Börsen“, während die Frankfurter Allgemeine Zeitung nüchtern konstatiert: „Preise für Gold und Silber brechen ein“. Solidarisch mit den Edelmetallen zeigt sich Krypto: „Bitcoin-Talfahrt geht weiter – Kurs fällt unter 70.000 Dollar“, klärt die Börsen-Zeitung auf. Daneben weckt die Ratssitzung der Europäischen Zentralbank das Interesse der Medien: „EZB geht mit stabilen Leitzinsen in ein unsicheres Jahr“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Das kann man positiv sehen, weniger schön ist, was das Handelsblatt über Deutschland berichtet: „Großinsolvenzen stiegen 2025 auf Negativrekord an“, nämlich 94 Unternehmen. Noch schlimmer trifft es jedoch Bayern, wenn wir der tz Glauben schenken wollen (und warum auch nicht): „Bayern geht der Durst aus – Bierkrise“!

Crash und Drama

Auf die negativen Kursbewegungen nimmt Der Aktionär Bezug: Vor dunklem Hintergrund erscheint die knallgelbe Headline: „Plötzlich Angst“, präzisiert mit „Silber-Crash, Zinssorgen, Krypto-Drama – und jetzt?“ Ja was? Warum nicht „100 Prozent mit 5 Aktien die JETZT laufen“? Das Titelblatt von Börse Online macht uns einigermaßen ratlos, hier rast ein moderner Hochgeschwindigkeitszug aus dem Bild, unterschrieben mit „Momentum Monster“. Die Deutsche Bahn kann nicht gemeint sein, denn da ist die Wartezeit deutlich länger als ein Moment! Nun gut, wahrscheinlich sollen wir auf den fahrenden Zug aufspringen, denn „10 Aktien, 12 Monate, mindestens 30 Prozent Plus“ erwarten uns dann. Fragt sich nur, wo das Monster bleibt. Der Pfeil geht bei Focus Money eindeutig nach oben, denn: „Die besten ETF-Strategien – so vermehren Sie Ihr Vermögen“, heißt es da, was will man mehr, bekommt man damit doch „das resiliente Depot“. 

Auf den Zahn gefühlt

Die Regierung scheint sich eingeschossen zu haben auf die arbeitende und steuerzahlende Bevölkerung – ob das klug ist? Jedenfalls sollen jetzt auch noch die Zahnarztkosten selbst getragen werden, um die Gesundheitskosten nach unten zu schrauben. Die Reaktionen sind eindeutig: „Zorn über Zahnarzt-Plan“, schreibt der Münchner Merkur und die tz zählt „Die Fettnäpfchen der CDU“ auf. Tatsächlich ist das deutsche Gesundheitssystem mit das teuerste der Welt, aber trotzdem steigt unsere Lebenserwartung sehr viel weniger an als im restlichen Europa. Könnte der Ärger über die Regierung Lebenszeit kosten? Wobei eines sicher scheint: Auch diese „Reform“ wird nicht kommen, oder wie das Handelsblatt schreibt, sie ist „zum Scheitern verurteilt“. 

Versalzen

Wir sind verwirrt. Berlin spielt uns einmal mehr eine typische Provinzposse vor. Nicht bittersüß, sondern salzig. Nachdem endlich der eigentlich verbotene Einsatz von Streusalz für Privatpersonen per Allgemeinverfügung genehmigt worden war, hob ein Gericht diese wieder auf und aus dem Gebot wurde wieder ein Verbot. Deshalb soll auf den Gehwegen wieder gerutscht und gefallen werden, während die Straßen von der Berliner Stadtreinigung weiterhin besalzt werden dürfen. Geklagt hatte der NABU der Bäume wegen, denen der Unterschied zwischen Straßenbelag und Fußweg sicher bewusst ist. Laut NABU wäre nämlich ein „gefährlicher Präzedenzfall“ entstanden, während so nur ein gefährlicher Fall von Bürgern auf glattem Eis erfolgen kann. „Gericht in Berlin stoppt privaten Einsatz von Streusalz“, textet Die Zeit. Alles in allem schert sich einer weder um das Urteil noch um das Salz: Der Winter, denn der bleibt standhaft und legt sogar noch nach. In Cortina d’Ampezzo finden im Übrigen gerade die Curling-Wettbewerbe statt, ein norwegischer Sportler hat sich über die Eisqualität beschwert – vielleicht sollte man über eine Verlegung des Wettbewerbs nach Berlin nachdenken?

Drehscheibe

Vielleicht ein kleiner Nachtrag in Sachen Europa und Bürokratie und wie komplex das Leben ist: Parkscheiben aus Österreich und Deutschland entsprechen sich in Farbe, Form und Größe und erfüllen damit die Norm der deutschen Straßenverkehrsordnung. Wehe dem, sie ist nicht blau, sondern gar rosa: „Ordnungsamt sieht rot bei Pink: Worauf Sie bei einer Parkscheibe achten müssen“, klärt uns der Münchener Merkur auf. Bleibt die Frage im Parkraum, ob die österreichische Parkscheibe in Deutschland und die deutsche in Österreich gilt? Selbstverständlich nicht. Denn die Skalierung zeigt in Österreich Viertelstunden, in Deutschland nur halbe Stunden. Es kostet 20 Euro, eine Parkscheibe mit so einer falschen Skalierung hinter die Windschutzscheibe zu legen. Es lohnt sich also, eine europäische Sammlung an Parkscheiben anzulegen. Auskunft gibt auto motor und sport

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.