Mehr Zurückhaltung nach Rekordwoche
Rückblick: Neues Rekordhoch im Dax
Nachdem der Deutsche Aktienindex (Dax) am Mittwoch dabei sogar auf ein neues Rekordhoch von 26.573,60 Punkten gestiegen war, gab er danach wieder etwas nach, hielt sich letztlich aber in der Gewinnzone. Gestützt wurden die Kurse dabei vor allem von robusten Unternehmensgewinnen im Rahmen der langsam auslaufenden Quartalsberichtssaison, teils erfreulichen Konjunkturdaten in Deutschland und der Hoffnung auf eine Zinspause in den USA. Marktteilnehmer verwiesen zudem darauf, dass die Märkte die festgefahrene Situation im Krieg zwischen den USA und dem Iran – und die damit weiter schwindende Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus – weitgehend ausgeblendet hatten. Dazu trug auch bei, dass der Ölpreis in der vergangenen Woche relativ stabil geblieben und letztlich kaum gestiegen ist.
Rekordhoch mit Minus
Der Dax verbesserte sich im Wochenvergleich um 0,5 Prozent auf 26.440,31 Punkte. Dies ist gleichzeitig ein Minus von 0,5 Prozent gegenüber seinem Rekordhoch vom Mittwoch. Der MDax machte 0,2 Prozent auf 32.464,39 Zähler gut, und beim Tech-Dax errechnete sich ein Wochenplus von 0,9 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 4.105,87 Punkten. Der m:access All Share rutschte dagegen um 0,8 Prozent auf 981,80 Zähler ab.
RWE und Rüstung liegen vorne
Gut aufgenommen wurden am Markt die neuesten Quartalszahlen von RWE. Der Titel verbesserte sich um 4,6 Prozent und war damit einer der großen Gewinner im Dax. Auch Rheinmetall waren mit einem Plus von 4,9 Prozent stark gesucht. Die Aktien profitierten sowohl vom Kursanstieg anderer Rüstungswerte als auch von der Nachricht, dass die Dänischen Streitkräfte das Unternehmen mit der Lieferung eines Täuschkörpersystems beauftragt haben. Im MDax kam das Rüstungsunternehmen TKMS allerdings noch deutlich stärker voran. Die Aktien machten 19 Prozent gut.
Zu den großen Verlierern im Dax zählten dagegen E.ON und Brenntag. Ihre Kurse gaben um 6,9 bzw. um 4,2 Prozent nach. Beide Unternehmen hatten am Mittwoch neue Quartalszahlen bekanntgegeben.
Anleihen: Überwiegend seitwärts
Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche überwiegend seitwärts tendiert, zum Wochenausklang aber deutlich nachgegeben. Grund dafür waren Inflationssorgen aufgrund der hohen Rohölpreise. Nachlassende Zinssorgen in den USA aufgrund schwacher Konjunkturdaten stützten die Kurse dagegen nicht. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe stieg im Wochenvergleich um 6 Hundertstel auf 3,19 Prozent. Die Umlaufrendite legte um zwei Basispunkte auf 3,13 Prozent zu.
USA: Rekorde nur unter der Woche
Ähnlich wie die deutschen Aktienmärkte haben sich auch die US-Aktienbörsen in der Vorwoche stabil präsentiert und dabei teilweise neue Rekordstände erreicht, konnten diese aber wie auch der Dax nicht über die Ziellinie retten. Getrieben wurden die Kurse dabei unter anderem von Zinshoffnungen aufgrund unerwartet schlechter Konsum-Indikatoren sowie teilweise auch aufgrund einer Erholung bei Software-Aktien. Der marktbreite S&P-500-Index verbesserte sich im Wochenverlauf insgesamt um 0,4 Prozent auf 7.785,76 Punkte. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index machte letztlich 0,1 Prozent auf 26.729,16 Zähler gut. Der Dow-Jones-Index gab dagegen um 0,6 Prozent auf 53.732,41 Punkte nach.
Ausblick: Widerstandsfähiger Aktienmarkt
Nachdem sich der Aktienmarkt in der vergangenen Woche sehr robust gezeigt hat, spricht nach Auffassung der meisten Analysten einiges dafür, dass er sich auch in den kommenden Handelstagen widerstandsfähig zeigt. Ausgehend davon erwarten sie überwiegend ein vergleichsweise ruhiges Geschäft. Dies ist unter anderem auch darauf zurückzuführen, dass relativ wenige aktuelle Konjunkturdaten zur Veröffentlichung anstehen und die Quartalsberichtssaison so gut wie beendet ist. Entsprechend dürfte es zumindest von Unternehmensseite relativ wenige Impulse für die Börse geben.
Augenmerk wieder auf dem Irankonflikt
Umso mehr könnte sich nach allgemeiner Auffassung der Krieg zwischen den USA und dem Iran wieder in den Vordergrund schieben. Denn zum einen endet an diesem Montag die zweimonatige Waffenstillstandsfrist, die ursprünglich für Verhandlungen über die Beendigung des Kriegs vereinbart worden war. Und zum anderen stellt sich angesichts der Tatsache, dass die Wiederöffnung der Straße von Hormus noch immer nicht erfolgt ist, natürlich verstärkt die Frage, wie sich der Ölpreis mittelfristig entwickeln wird.
In diesem Zusammenhang verweisen US-Medien inzwischen bereits auf die stark gesunkenen strategischen Ölreserven der USA. Alleine dies könnte mittelfristig die Ölpreise wieder nach oben treiben und die Inflationsgefahren erhöhen. Dem stehen andererseits aber die Hoffnungen auf einen Zinspause in den USA gegenüber – und diese hatten zuletzt die Kurse merklich stabilisiert. Ob die Hoffnungen weiter gestärkt werden, dürften einige Konjunkturdaten zeigen, die vor allem Ende der Woche veröffentlicht werden. Dazu zählen vor allem die Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung – sie werden am Donnerstag bekannt gegeben – und der S&P Global Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und für Dienstleistungen. Sie stehen für Freitag im Kalender. Darüber hinaus könnte das Thema auch indirekt über die Quartalsberichte von zwei „Konsum“-Nachzüglern relevant werden. Denn am Dienstag veröffentlicht die Baumarktkette Home Depot ihre neuesten Zahlen – und am Donnerstag der Einzelhandels-Riese Walmart .
Konjunkturerwartungen in Deutschland
In Deutschland wiederum, dürfte sich der Blick der Marktteilnehmer am Dienstag vor allem auf die ZEW-Konjunkturerwartungen richten. Auch sie gelten als wesentlicher Stimmungsindikator. Das Thema Inflation wiederum wird am Donnerstag vom Erzeugerpreisindex abgedeckt, während am Freitag der HCOB-Einkaufsmanagerindex wieder Einblicke in das reale Wirtschafts- und Konjunkturgeschehen geben dürfte.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
- Montag, 17.08: Entwicklung der Industrieproduktion und der Einzelhandelsumsätze in China.
- Dienstag, 18.08: ZEW-Konjunkturerwartungen und aktuelle Lage; ADP-Beschäftigungsänderung in den USA; Entwicklung der Industrieproduktion in den USA, Entwicklung der Baugenehmigungen in den USA.
- Mittwoch, 19.08: Verbraucherpreisindex für die Eurozone; FOMC-Protokoll.
- Donnerstag, 20.08: Erzeugerpreisindex für Deutschland; Bundesbank-Monatsbericht; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA.
- Freitag, 21.08: HCOB Einkaufsmanagerindex für Deutschland und die Eurozone; Entwicklung des Verbrauchervertrauens in der Eurozone; S&P Global Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe und für Dienstleistungen in den USA.