Marktreaktion auf die Zinspause: Wie glaubwürdig ist die Fed?
Die Zahl der abweichenden Stimmen (4) war die höchste seit 34 Jahren. Wie erwartet sprach sich ein Abweichler wieder für eine Zinssenkung aus. Drei andere Abweichler nahmen die lockere Ausrichtung der Fed ins Visier. Insgesamt verschieben die abweichenden Meinungen die Haltung der Notenbank leicht weg von einer lockeren Ausrichtung. Stattdessen scheint die Fed zu einem zweigleisigen „Higher-for-Longer“-Regime übergegangen zu sein, bei dem eine Lockerung nicht mehr die Basisprognose darstellt. Die Märkte spiegeln diese Verschiebung wider. Die Fed-Funds-Futures implizieren jetzt eine geringere Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen im laufenden und eine steigende Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen ab dem kommenden Jahr. US-Staatsanleihen gaben über alle Laufzeiten hinweg nach, angeführt steigenden Renditen am kurzen Ende. Der Bloomberg-Dollar-Spot-Index gab leicht nach.
Märkte spiegeln höhere Glaubwürdigkeit der Fed
Gegenüber dem Yen blieb der Dollar aufgrund der Yen-Schwäche im Aufwärtstrend. Vor dem Hintergrund erheblicher Unsicherheiten sowohl für die US- als auch für die japanische Wirtschaft lässt sich die Marktreaktion als Bestätigung der Glaubwürdigkeit der Fed gegenüber der Bank of Japan (BOJ) interpretieren. Womöglich haben die Märkte mehr Vertrauen in die Entschlossenheit der Fed zur Inflationsbekämpfung als in die der BOJ.
Märkte bauen weiterhin aufs Inflationsziel der Fed
Der Fed-Vorsitzende Powell interpretiert die Markterwartung, dass sich die Inflation letztendlich um das 2-Prozent-Ziel der Fed einpendeln wird, als Bestätigung der Kompetenz der Fed bei der Inflationsbekämpfung – trotz der Meinungsverschiedenheiten im Offenmarktausschuss. Der Inflationsverlauf mag ungewiss sein, aber die Märkte haben weiterhin Vertrauen in das Ziel.
Glaubwürdigkeit wird sich langfristig auszahlen
Überlegungen zur Glaubwürdigkeit der Zentralbank haben laut Powell seine Entscheidung beeinflusst, als Vorsitzender im FOMC zu verbleiben, im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger. Die Industrieländer schützen die Unabhängigkeit ihrer Zentralbanken vor kurzfristigem politischem Druck durch gewählte Amtsträger, um das langfristige Ziel des Schutzes der realen Haushaltseinkommen zu erreichen, so Powell.