Magisch zum Erfolg
Aufgeregte Influencer und Benzin-Wut
Thema Nummer 1 sind die Benzinpreise: „Auf Rekordhoch“, titelt die Abendzeitung und könnte täglich so weiter berichten (was sie auch tut). „Regierung will auf hohe Spritpreise reagieren“, erklärt Die Welt, fragt sich nur, wann und wie. „Koalition ringt weiter um Entlastung bei Spritpreisen“, meldet das Handelsblatt. Solange nur gerungen wird, herrscht wenigstens bei vielen Verbrauchern „Benzin-Wut“, so die tz. Die Fed erhöht nun ebenso wie die EZB die Zinsen, um der Inflation zu begegnen: „Fed erhöht Leitzins – Experten sehen Glaubwürdigkeit gewahrt, Trump tobt“, erläutert Die Welt. Die Zinserhöhung wirkt sich auf die Schuldenlast der Staaten aus: „Solide Finanzen sind existenziell“, zitiert das Handelsblatt deshalb Euro-Gruppen-Chef Pierrakakis. Was für Bürger und Unternehmen gilt, sollte auch von Staaten beherzigt werden. Aktuell wichtigstes Thema in München ist jedoch der Wiesn-Start am Wochenende: Die „Schaltzentrale der Wiesn“ wird genauso vorgestellt wie die „Drohnenabwehr über dem Festgelände“ (Abendzeitung). Und weiter: „netflix dreht im Schottenhamel“ und „Wohlfühltag für die Wiesn-Madln“ (tz). „Influencer in Aufregung: Wer von der Wiesn postet, muss zahlen“ (Süddeutsche Zeitung) – ein breitgefächertes Themenaufgebot also, am wichtigsten bleibt jedoch die Frage: „Was die Wiesn heuer kostet“ (Abendzeitung). Sie wird teurer, soviel steht fest, und wir vermuten, dass dies überdies individuell stark divergiert. Überregional stehen noch die Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an und bereits vorab wurde verkündet: „CDU-Ministerpräsidenten stellen sich überraschend hinter Merz – jetzt reagiert der Kanzler“, schreibt der Münchner Merkur. Da raten wir zur Vorsicht: Wer hinter einem steht, kann einem umso leichter in den Rücken fallen.
Schicksalswahl
Börse Online beschert uns in der aktuellen Ausgabe ein Adjektiv, das wir bisher mit Gewinnen nicht in Verbindung gebracht haben: „Gesunde Gewinne“, heißt es da, und gemeint sind „12 Biotech- und Pharma-Aktien mit bis zu 100 Prozent Potenzial“. Nun denn, bleibt zu hoffen, dass die Anleger ihre Gewinne auch tatsächlich gesund vertilgen. Betont schlicht gibt sich Focus Money: „Unsere 20 besten Aktien – Kurschancen von über 120 Prozent locken“. Wer würde da nicht locker lassen, wenn Flocken locken? Der Aktionär verbindet gleichsam „Gewinne“ und „Besten“ der beiden anderen Magazine und folgert: „Magische Gewinne – Lernen Sie von den Besten! 5 Aktien für Ihren Börsenerfolg“. Und während die beiden anderen Publikationen sich mit 100 und 120 Prozent Plus zufrieden geben, wird hier mit einer „270%-Chance“ gewunken. Gut, dass Kultautor Jack Schwager in der gleichen Ausgabe im Interview darauf hinweist, „Erfolg ist kein Glück“. Aber ist der Erfolgreiche auch glücklich? Euro am Sonntag erinnert an den Wahltag am Sonntag: „Schicksalswahl für Ihr Geld – Wie Sie in jedem Fall Gewinne machen“! Im Gegensatz zu wahrscheinlich einigen Parteioberen am Sonntagabend.
Mehr Arbeit statt Motivation
Angeblich arbeiten wir ja zu wenig, sind im Vergleich zu unproduktiv, machen ständig blau und hangeln uns nur von Urlaub zu Urlaub. Zu einem etwas anderen Ergebnis kommt hingegen die jüngste Personalleiterbefragung des ifo-Institutes und des Personaldienstleisters Randstad: Danach steigt die Arbeitsbelastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen an. Vor allem die mentale Belastung nimmt zu. Die Ursache: Die Betriebe sind zurückhaltender bei Neueinstellungen aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheit. Anders ausgedrückt: Diejenigen, die arbeiten, müssen mehr arbeiten, weil andere gar nicht arbeiten (können). Die Lösung ist jetzt nicht, Neueinstellungen zu tätigen, sondern vielmehr die gerechte Verteilung der anfallenden Mehrarbeit. So fragt die WirtschaftsWoche: „Warum immer dieselben Mitarbeiter Zusatzaufgaben bekommen“. Denn üblicherweise werden die Aufgaben an die Motivierten verteilt, nicht an diejenigen mit freien Kapazitäten, so das Ergebnis einer anderen Studie. Überraschend ist das eher nicht, Kollegen mit freien Kapazitäten weisen diese meist nicht ohne Grund auf. Das Ergebnis: Die Motivierten werden sukzessive demotiviert. Irgendwie ein Teufelskreis.