lobale Aktienmärkte: Chancen durch zu viel Pessimismus
In der Folge wurden die Wachstumsprognosen hochgesetzt. Anleger waren nicht mehr bereit, für defensivere, hochwertige Titel Aufschläge zu zahlen. An den Märkten floss Kapital aus Qualitäts- und Wachstumstiteln in wertorientierte oder zyklischere Segmente.
Wettlauf um die Gewinner und Verlierer der KI
Hinzu kam ein Ausmaß an KI-Investitionen, das alle Prognosen übertraf. Das zunehmende Vertrauen in Googles Gemini-Angebot führte zu einer raschen Neubewertung der Aktie. Im Bereich AI-Computing entwickelten sich die etablierten Marktführer wie Nvidia und Broadcom gut, wurden aber von zyklischeren Unternehmen übertroffen, die von Lieferengpässen und höheren Preisen profitierten: SK Hynix, Samsung Electronics und Micron Technology.
Steiler werdende Zinskurven
Die steilere Zinskurve in den USA war tendenziell günstig für breit aufgestellte Finanzinstitute. Allerdings wiederholte sich hier das Muster, dass Unternehmen mit höherer Qualität, die in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen erzielt und bei geringerem Wachstum Widerstandsfähigkeit nachgewiesen hatten, aggressiv herabgestuft wurden. Das war auch bei hochwertigen Versicherungen und diversifizierten Finanzdienstleistungen der Fall. In diesem Bereich sehen wir Zukunftspotenzial, da hochwertige Unternehmen jetzt mit einem Abschlag gehandelt werden.
Beim Thema KI hat der Markt begonnen, nicht nur den Umfang der investierten Mittel in Frage zu stellen, sondern auch die Fähigkeit bestimmter Plattformen, damit attraktive Renditen zu erzielen. Angesichts des Umfangs und der Dauer dieses Investitionszyklus sowie der Erwartung, dass die Ausgaben in diesem Wettrüsten nicht zurückgehen werden, hat sich das Risiko für die langfristigen Renditen der Aktionäre erhöht. Derweil profitieren Teile der Halbleiter-Lieferkette weiterhin vom Ausbau der KI, darunter ASM International, ein Spezialist für fortschrittliche Chipfertigungsanlagen.
Industrie-, Zyklik- und Finanzwerte
Im Investitionsgütersektor steigt nach Jahren der Unterinvestition die Nachfrage nach neuen Maschinen, da mehr in Rohstoffe und Infrastruktur investiert wird. Sandvik, ein Weltmarktführer für Minenausrüstung, verbindet hier starke Margen mit sich verbessernden Wachstumsaussichten und attraktiven Renditen.
Angesichts der steiler werdenden Zinskurven und besserer Konjunkturaussichten ist die spanischen CaixaBank in günstigem Umfeld gut positioniert, um weitere Marktanteile zu gewinnen und ihre Rentabilität zu verbessern. Solange das Wachstum in Europa durch fiskalische Impulse gestützt wird, dürfte die Qualität der Unternehmensanleihen stabil bleiben. Die Aktien werden mit einstelligen Gewinnmultiplikatoren gehandelt, bieten attraktive Dividendenrenditen und erzielen Eigenkapitalrenditen im mittleren Zehnerbereich.
„Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten“
Die Märkte versuchen zu ermitteln, welche Unternehmen am Ende von KI profitieren und welche zu kämpfen haben werden. Neubewertungen durch den Markt sind jedoch nicht immer rational. Ganze Gruppen von Aktien werden gemeinsam ver- oder gekauft, oft über ETFs und in einigen Fällen mit Hebelwirkung, anstatt zwischen einzelnen Geschäftsmodellen zu unterscheiden.
Pessimismus am konkreten Beispiel
In einigen Fällen ist der Markt möglicherweise zu pessimistisch, was die Anfälligkeit für KI angeht, obwohl das zugrunde liegende Geschäftsmodell robust bleibt.
Ein Beispiel: Die Compass Group ist ein globales Catering-Unternehmen, das in Krankenhäusern, Schulen, Sportstadien und Büros tätig ist. Der Aktienkurs ist gefallen, zum Teil weil das Unternehmen als KI-Verlierer wahrgenommen wird. Allerdings gibt es kaum Anhaltspunkte dafür, dass KI das Kerngeschäft des Unternehmens in naher Zukunft wesentlich beeinträchtigen wird. In Zeiten schneller thematischer Rotationen werden Unternehmen möglicherweise nicht aufgrund sich verschlechternder Fundamentaldaten verkauft, sondern weil Kapital anderweitig umgeschichtet wird. In einem solchen Umfeld können hochwertige, aber weniger angesagte Unternehmen unterschiedslos abgewertet werden. Es wäre nicht überraschend, wenn sich mit den nächsten Ergebnissen eine gewisse Umkehr einstellt.
Wir gehen davon aus, dass das zugrunde liegende Geschäftsmodell von Compass intakt bleibt. Damit wäre die jüngste Kursschwäche eine Gelegenheit, günstig zu investieren. Das Erkennen solcher Diskrepanzen, bei denen Preis und Langfristdaten voneinander abweichen, ist ein zentraler Bestandteil unseres aktiven Managements.
Wie geht es weiter?
Die breite Rotation weg von Qualitäts- und defensiven Unternehmen hin zu Bereichen mit tieferem Wert und stärkerer Zyklizität scheint abgeschlossen zu sein. Die traditionell mit Qualitäts- und Wachstumsunternehmen verbundenen Prämien sind weitgehend verschwunden. Im langfristigen Vergleich erscheinen diese Unternehmen nun wesentlich attraktiver. Der Einfluss der Stilrotation dürfte nachlassen und die Auswahl der Unternehmen und die Ausrichtung auf das vorherrschende wirtschaftliche Umfeld wieder wichtiger sein. Besonders wichtig ist es, zu unterscheiden zwischen Unternehmen, die stärker abgewertet werden, als es ihre Fundamentaldaten rechtfertigen, und anderen, die vor echten strukturellen Herausforderungen in einer von KI geprägten Welt stehen und langfristige Ertragseinbußen hinnehmen müssen.
Das aktuelle Umfeld schafft Voraussetzungen für attraktive langfristige Einstiegsmöglichkeiten. Wenn die Fundamentaldaten wieder die Richtung bestimmen, dürfte sich die Differenz zwischen echten Gewinnern und schwächeren Unternehmen deutlicher zeigen.