James Johnstone, Redwheel
Lateinamerikas Reformdividende – Marktfreundliche Politik als Treiber einer neuen Börsenstory
James Johnstone, Redwheel
- Dieser konservativere wirtschaftspolitische Kurs schafft Spielraum für sinkende Realzinsen. Die US Notenbank hat ihren Lockerungszyklus im Herbst 2025 wieder aufgenommen und die Zentralbanken Lateinamerikas können diesem Pfad folgen.
- Die brasilianische Zentralbank (Banco Central do Brasil) signalisiert, dass sie 2026 mit Senkungen ihres Leitzinses, dem SELIC, beginnen will. Aktuell liegt der Satz noch bei 15 Prozent, die Märkte erwarten einen Beginn der Lockerung ab März.
- Niedrigere Zinsen in Kombination mit fallender Inflation könnten einen positiven Kreislauf auslösen: höheres reales Wachstum, mehr Vertrauen der Anleger und tendenziell stärkere lokale Währungen gegenüber dem US Dollar.
Schwindendes Vertrauen in die USA
- Unter Präsident Trump verfolgt die US Regierung seit 2025 eine Politik, die einen schwächeren Dollar toleriert. Das schwindende Vertrauen in die USA und wachsende Zuversicht in Schwellenländer begünstigen Kapitalzuflüsse nach Lateinamerika und stützen die dortigen Währungen.
- Ein schwächerer Dollar treibt typischerweise die Rohstoffpreise: Der Bloomberg Commodity Index hat seit Ende 2025 eine kräftige Erholung begonnen. Er liegt aber noch rund 50 Prozent unter seinem Hoch von 2008, was weiteres Aufholpotenzial signalisiert.
- Da Energie und Rohstofftitel fast 30 Prozent der Free Float Marktkapitalisierung im MSCI Latin America Index ausmachen, profitieren Unternehmensgewinne stark vom Rohstoffaufschwung; die Gewinne haben sich seit Anfang 2025 von ihren Tiefstständen erholt.
Spiel nach oben
- Der MSCI Latin America Index ist seit seinem Tief im Januar 2025 um etwa 77 Prozent gestiegen, liegt aber immer noch rund 40 Prozent unter seinem Höchststand von 2008. Die aktuellen Bewertungen (12 Monats KGV um 12,5) entsprechen etwa dem langfristigen Durchschnitt und lassen noch Spielraum nach oben.
- Internationale Investoren reagieren bereits: Allein im Januar 2026 flossen lateinamerikanischen Aktien ETFs knapp 1,5 Milliarden US Dollar zu, womit die Mittelzuflüsse der letzten zwölf Monate die Summen der vorangegangenen fünf Jahre übertreffen – ein deutliches Zeichen für die Rückkehr Lateinamerikas in strategische Schwellenländer Allokationen.