Kurssprung der Stunde
Bär ante portas
Die Eskalation im Nahostkrieg hat Folgen für die Märkte: „Trump provoziert Ölpreissprung“ und „Trump verschreckt Aktienanleger“, listet die Börsen-Zeitung auf. Trump beherrscht einmal mehr die Medien, auch ohne Telefonate mit Infantino: „Trump will alle ‚Handelsbeziehungen mit Spanien‘ abbrechen“, berichtet das Handelsblatt. „Trumps Wut erschüttert die NATO“, meldet die Süddeutsche Zeitung – dabei waren es doch die Belgier, die die USA aus der WM geworfen haben. „Heute sind wir alle Belgier“, gibt die Börsen-Zeitung ihr Statement dazu ab. Geholfen hat es ja augenscheinlich, aber sollen wir jetzt Belgier bleiben? Blicken wir ins Inland: „Zahl der Firmenpleiten so hoch wie seit 21 Jahren nicht mehr“, verkündet das Handelsblatt eine weitere Horrornachricht. Nicht schön und besonders bedenklich: „Insolvenzen von Bäckereien steigen um 40 Prozent“, warnt der Münchener Merkur. Müssen wir bald weite Reisen in Kauf nehmen für die morgendliche Brezn? Trotz oder wegen WM-Aus und heißen Temperaturen: Wir trinken weniger Bier, zumindest mit Alkohol. „Brauereien steigern Produktion von alkoholfreiem Bier“, berichtet Der Spiegel. Das sei inzwischen auch „genießbar“, heißt es dort weiter, was uns einigermaßen beruhigt. Angesichts der Nachrichtenlage wundert uns die zunehmende Alkoholabstinenz ein wenig. Und zuletzt noch eine Schlagzeile, die vielleicht auch die jüngsten Kursrückgänge erklärt: „Bärenalarm an der Grenze“, lesen wir im Münchener Merkur und bleiben am Wochenende doch besser zuhause, denn ob Bären sich an Grenzen halten?
Kaufen oder verlieben
Ein silberner Bulle schnellt auf einer Feder aus einer grünen Kiste, von 100-Euro-Scheine umflattert. Was damit gemeint ist? „Kurssprung“, meldet Börse Online. Vollziehen sollen den „heiße Aktien für die Berichtssaison“. Ein eher winziger Mann schreitet auf einem steil nach oben zeigenden, roten Pfeil auf der Titelseite von Focus Money. Versprochen werden uns „die Aktien der Stunde“, das heißt im Klartext: „Jetzt kaufen!“ In einer „exklusiven Analyse“ bietet das Magazin „die Gewinner der nächsten Monate“ an. Knallrot, wenn nicht gar verknallt, gibt sich Der Aktionär, dabei ist gar nicht Valentinstag: „Verlieben Sie sich nie in eine Aktie“, heißt es nach einem bekannten Börsenspruch – doch hier ist das „nie“ durchgestrichen. In welche Aktien wir uns verlieben sollen? In – ausgerechnet – 6 Titel, denn mit denen ist bis zu „100 Prozent Gewinn“ drin. Euro am Sonntag legt uns noch eine Aktie dazu: „Die sieben neuen Top-Aktien“ werden uns hier versprochen.
Auf den Hund gekommen
Verblüfft nehmen wir einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung zur Kenntnis: „Wir müssen leider draußen bleiben“. Was gerne vor Metzgereien für Hunde und andere Vierbeiner auf Schildern prangt, soll jetzt in Restaurants für Kinder gelten. So zumindest wünschen es sich immer mehr Bürger dieses Landes. Nach einer Befragung präferieren 61 Prozent „Adult-only-Grastronomie“. Wobei die ältere Generation – die der Omas und Opas wohl – sich deutlich kinderfreundlicher zeigt, als die der potenziellen künftigen Eltern. Mit 60 Prozent fast genauso viel der Jüngeren empfinden hingegen Hunde als kein Problem beim Restaurantbesuch. Auch Wirte halten Hunde für besser erzogen als Kinder. Wir stellen uns kurz vor: Statt Kinder- gibt es Hundeteller, selbstverständlich auf Wunsch vegan, aber immer Bio. Statt plärrender Babys, quengelnder Kleinkinder und lustloser Pubertiere also Vierbeiner, die um die Tische tollen, gerne bellend – was die meisten Rassen allerdings nicht überzeugend, sondern nur krächzend hinbekommen. Und warum nicht am ein- oder anderen Stuhlbein schnell seine Duftmarke setzen? Der Trend zum Hund statt Kind scheint sich auszudehnen, auch beispielsweise in der Hotellerie. Wir warten darauf, wann die erste Ostseegemeinde neben dem Hunde- und FKK- den Erwachsenenstrand beschildert und vielleicht bleibt noch ein Fleckchen für Familien übrig? Noch – die Zahlen stammen von 2023 – gibt es mit 14,3 Mio. Kindern unter 18 Jahren mehr Kinder als Hunde in diesem Land, die es auf etwa 10,5 bis 10,6 Mio. Exemplare bringen. In Anbetracht der Geburtenrate (bei Menschen) könnte sich das ändern…