Ulrich Kirstein, Börse München

Kursraketen im Weltraum

Nachdem der Dax am Montag einen deutlichen Sprung über die 25.000 Punkte unternahm, kreist er ohne größere Ausbrüche im Wochenverlauf um diese Marke. Die Lage bleibt eben unübersichtlich.

Ulrich Kirstein, Börse München

Neue Ära trotz Energieschock

Der SpaceX-Börsengang und seine Folgen bewegen weiterhin die Medienwelt: „Börsendebut von SpaceX rüttelt Fondsmarkt durch“, erklärt die Börsen-Zeitung. Die Zeit hat eine ganz eigene Meinung zum Thema: „Nein, dieser Börsengang war kein Erfolg“, heißt es da, nur um zwei Tage später zu verkünden: „SpaceX legt Rekorddebüt an der Technologiebörse Nasdaq hin“. Erfolg ist offensichtlich Definitionssache. Der Frieden zwischen den USA und dem Iran, mal als Rahmenabkommen, mal als Absichtserklärung tituliert, bewegt ebenfalls die Märkte: „Trumps nächtlicher Coup im Schloss von Versailles“, titelt die Süddeutsche Zeiten. Das Blatt befasst sich auch mit den Folgen des Krieges: „Teurer Energieschock“, 400 Euro hätten die Preiserhöhungen jeden Bundesbürger im Schnitt gekostet. Das Handelsblatt bekräftigt: „Bundesbankpräsident Nagel sieht keine Entspannung bei Inflation“. Während die EZB die Zinsen leicht erhöht, belässt die US-Notenbank Fed zumindest den Zins gleich: „Neuer Fed-Chef startet Ära, mit der kaum jemand gerechnet hat“, schreibt das Handelsblatt. Das findet der Chef-Chef weniger gut: „Trump verärgert über Fed-Zinsentscheid“, meldet das manager magazin. „Zinsen in Japan steigen auf höchstes Niveau seit 1995“, wundert sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dieses höchste Niveau bewegt sich bei genau einem Prozent! Zum Schluss freut sich Die Zeit: „Müllaufkommen sinkt auf niedrigsten Stand seit 2009“. Wir sind ob des positiven Gehaltes dieser Meldung etwas zwiegespalten: Erstens, wo weniger produziert und konsumiert wird, fällt auch weniger Müll an. Zweitens, wird der viele Müll, der in den Städten auf öffentlichen Plätzen und Gehwegen herumliegt, überhaupt mitgezählt? Jetzt wirklich zuletzt: Die Bahn versucht sich an etwas Neuem. Nicht etwa Pünktlichkeit, sondern Kartoffelecken. Denn: „Deutsche Bahn streicht Pommes“, schreibt die tz. Wir haben schon die quengelnden Kids vom  Nebentisch im Ohr, die statt knuspriger Pommes labbrige Ecken serviert bekommen.

Abgehobene Rally mit Extrageld

Ein Geldbündel mit rotem Schleifchen präsentiert uns Focus Money auf der Titelseite. Tenor: „Ihr Weg zum zweiten Einkommen – Top-Strategien für Extra-Geld von der Börse – mit ETFs, Aktien, Zertifikaten, Dividenden“. Einen stark vergrößerten Chip bietet Börse Online auf und reimt passend zum aktuellen Trendthema: „Buy the Chip-Dip“ – 6 Zukunftsaktien unter 50 Euro“. Alles gut und schön, aber wo bleiben die Kursraketen nach dem IPO von SpaceX? Gemach. Der Aktionär zeigt eine startende SpaceX-Rakete, die über „100% Gewinn“ entschwebt. „SpaceX-IPO + Frieden in Nahost: Seien Sie bereit für die nächsten Kursraketen“, wird dazu erklärt. Sofern sie nicht früh verglühen, sind wir bereit. Und auch Börse am Sonntag greift zum naheliegenden Aufsteigenden, einer SpaceX-Raketenspitze: „Abgehobene Rally – hohe Gewinne mit den besten Weltraum-Aktien“. 

Schnitzel-Schnipsel

Im vergangenen Herbst gab es einen großen Aufschrei im Blätterwald, als die EU vorgeschlagen hatte, dass vegetarische Fleischalternativen nicht mehr „Schnitzel“ oder „Wurst“ genannt werden dürfen. In der rührenden Annahme der Politik, der europäische Durchschnittsbürger könne nicht zwischen Kuh- und Scheuermilch unterscheiden, sollte ihm die Last genommen werden, was sich hinter einem „vegetarischen Schnitzel“ verbergen könnte. Achtung, Verwechslungsgefahr, hieß es aus Brüssel. Wenn ein überzeugter Fleischesser plötzlich in eine Sojawurst beißt, könnte das zu schweren Komplikationen führen. Sei’s drum, das Europaparlament hat jetzt mit großer Mehrheit beschlossen, dass Fleischbegriffe auch für pflanzliche Alternativen gelten dürfen und der Veggie-Burger weiterhin verkauft, gekauft und als solcher gegessen werden darf. „Call it Schnitzel!“, freut sich die Süddeutsche Zeitung. Aber halt, alle Fleischbezeichnungen dürfen nicht vegetarisch genutzt werden, das wäre zu einfach: Verboten bleiben Begriffe wie zum Beispiel Bacon, Wings oder Steak und alle, die mit Tier direkt zu tun haben – die Liste ist drei Seiten lang, so die Süddeutsche Zeitung. In welche Kategorie wohl „Falscher Hase“ fällt? Dafür ein Trost für alle Vegetarier: Die Erdbeermarmelade darf jetzt Marmelade heißen und nicht mehr Konfitüre – bisher war dies Marmeladen aus Zitrusfrüchten vorbehalten. Vielleicht haben wir diese neue Lockerheit dem Brexit zu verdanken? 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.