Dr. Ulrich Kater, Deka Bank

Krieg im Nahen Osten belastet die Märkte

An den Kapitalmärkten hat ein Umdenken über den nunmehr seit drei Wochen andauernden Irankrieg und seine wirtschaftlichen Folgen eingesetzt. Mehr und mehr setzt sich die Ansicht durch, dass der Konflikt und damit die Beeinträchtigung der Rohstofflieferungen aus dem Persischen Golf länger anhalten wird.

Dr. Ulrich Kater, Deka Bank

US-Präsident Donald Trump hat am vergangenen Wochenende gedroht, zeitnah die Energieinfrastruktur Irans anzugreifen, woraufhin der Iran ankündigte, mit verstärkten Angriffen auf die Energie- und Wasserinfrastruktur der Nachbarländer zu reagieren. Der Rohölpreis stieg inzwischen deutlich auf über 100 US-Dollar pro Fass. Je länger sich der Konflikt hinzieht, desto stärker spüren alle Wirtschaftsteilnehmer die Folgen im Alltag, und desto wahrscheinlicher werden auch gesamtwirtschaftliche Folgen, etwa eine Dämpfung der ohnehin nicht überschäumenden Konjunktur in Europa. Die ersten Konjunkturindikatoren drehten in der vergangenen Handelswoche bereits in den roten Bereich.

Zwickmühle für die Geldpolitik

Der Krieg und seine Folgen bringen die europäische Geldpolitik in eine Zwickmühle. Hinsichtlich stark steigender Energiepreise ist die Europäische Zentralbank (EZB) ein gebranntes Kind, weil sie die Inflation nach dem Ausbruch des Russland-Ukraine-Kriegs unterschätzt hatte. Umso mehr sollte man sich die Unterschiede zur heutigen Situation genau anschauen. Damals lag die Inflation bereits vor dem Energiepreisschock bei über 4 %, heute liegt sie unter 2 %. Bei einer länger anhaltenden Rohölblockade am Persischen Golf dürfte die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten auf 3-4 % steigen. Das ist zu hoch, aber weit entfernt von den in der Spitze erreichten über 10 % Ende 2022. Die EZB wird dann mit Leitzinserhöhungen reagieren, wenn sie in den kommenden Quartalen breit basierte Preisüberwälzungen oder hohe Lohnsteigerungen als Reaktion auf steigende Energiepreise feststellt. Um dies zu verhindern, kommuniziert sie schon jetzt klar, dass sie entschlossen handeln wird, wenn die Inflation in der Breite ins Laufen kommt. 

Ulrich Kater

Dr. Ulrich Kater ist seit 2004 Chef-Volkswirt der DekaBank. Er studierte an den Universitäten Göttingen und Köln Volkswirtschaftslehre und promovierte 1995 am Finanzwissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität zu Köln. Von 1995 bis 1999 war Dr. Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel.

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