Tom Bailey, HANetf

Kostengünstige Drohnenschwärme - neue Luftverteidigung

Berichten zufolge hat die Ukraine die bislang größte Welle von Drohnenangriffen auf Moskau seit Beginn des Krieges gestartet. Das Ausmaß des Angriffs scheint die Luftverteidigung der russischen Hauptstadt überfordert zu haben. Dieser Angriff verdeutlicht zwei miteinander verbundene Trends, die für Anleger in diesem Sektor von Bedeutung sind: Das lokale Verteidigungsökosystem der Ukraine gewinnt an Priorität und die jüngsten Angriffe auf Moskau zeigen die zunehmende Verwundbarkeit selbst gut geschützter Standorte gegenüber Drohnenangriffen.

Tom Bailey, HANetf

1. Das ukrainische Verteidigungsökosystem wird immer relevanter

Laut Berichten wurden alle bei dem Angriff eingesetzten Drohnen von ukrainischen Unternehmen im Inland hergestellt, darunter Fire Point. Seit Beginn des Krieges hat die Ukraine ihre Produktionskapazitäten für Drohnen massiv ausgebaut. Nun sucht das Land zunehmend nach internationalem Kapital und Exportmärkten, um die Produktion weiter auszubauen.

Fire Point selbst hat keine konkreten Pläne für einen bevorstehenden Börsengang veröffentlicht. Andere ukrainische Unternehmen, die im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge tätig sind, wie Swarmer, haben jedoch bereits internationale Börsennotierungen genutzt, um Kapital aufzunehmen. Dies verweist auf einen breiteren Trend: Das ukrainische Verteidigungsökosystem entwickelt sich zunehmend von einem kriegsbedingten Improvisationsmodell zu einem investierbaren Defence-Tech-Ökosystem. Die Ukraine ist heute nicht mehr nur Abnehmer westlicher Verteidigungsausrüstung. Vielmehr wird sie zunehmend zu einem Entwickler, Tester und potenziellen Exporteur von Verteidigungstechnologien.

2. Zunehmende Verwundbarkeit selbst gut geschützter Standorte gegenüber Drohnenangriffen

Drohnenschwärme erzwingen ein Umdenken in der Luftverteidigung. Der Schutz wichtiger Ziele unterstreicht zugleich ein breiteres Risiko für alle Länder: Günstige, in großer Zahl produzierte Drohnenschwärme können selbst hochentwickelte Luftverteidigungssysteme erheblich unter Druck setzen. Diese wurden vor allem entwickelt, um Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen abzuwehren. In vielen Fällen bedeutet dies, dass teure Abfangraketen gegen vergleichsweise günstige Drohnen eingesetzt werden müssen. Werden Drohnen vermehrt in großer Zahl eingesetzt, entstehen zwei Probleme: hohe Kosten pro Abfangvorgang und begrenzte Munitionsbestände.

Der gemeinsame Nenner ist die Suche nach kostengünstigeren Möglichkeiten, Drohnen in großer Zahl abzuwehren:

UNTERNEHMEN/SYSTEMGEKAUFT / GGENUTZT VONFUNKTIONSWEISEGEMELDETE KOSTEN/EINSATZ
Rheinmetall - Skynex / SkyrangerUkraine / EU / VAEGeschützbasierte Luftverteidigung mit Sensoren, Feuerleitsystem und programmierbarer Airburst-Munitionca. 4.000 US-Dollar / Einsatz
BAE Systems - APKWSUS-Streitkräfte / RAFLasergelenkte 70-mm-Rakete als kostengünstigerer Drohnenabwehr-Interceptorca. 25.000 US-Dollar / Munition
RTX - CoyoteUS Army / US NavyAbfangdrohne: Block 2 ist verbrauchbar; Block 3 ist wiederverwendbar und nutzt Mikrowellen zur Deaktivierung von Drohnenca. 100.000 - 200.000 US-Dollar / Interceptor, Block 3 wiederverwendbar
Thales - RFDEWErprobung britische ArmeeHochfrequenzgerichtete Energie stört die Elektronik von Drohnenca. 10 Pence / 13 Pence/ Schuss
AeroVironment - Freedom Eagle-1US ArmyKinetische Counter-UAS-Rakete der nächsten Generation / Langstrecken-InterceptorNicht öffentlich bekannt gegeben
MBDA /QINETIC / Leonardo - DragonfireProgramm der Royal NavyLaserwaffe gegen Drohnen und andere Bedrohungen aus der Luftca. 10 Pfund pro Schuss

Quelle: Verschiedene Quellen; Hyperlinks wurden für jede Angabe zu den „gemeldeten Kosten pro Einsatz“ bereitgestellt.

Die Tabelle zeigt die wachsende Bandbreite an Drohnenabwehrlösungen, die derzeit entwickelt oder bereits eingesetzt werden. Drohnenkriegsführung ersetzt nicht den Bedarf an traditionellen Verteidigungsplattformen, ergänzt ihn jedoch um eine kostenintensive neue Ebene.

Tom Bailey

Tom Bailey ist Head of Research bei HANetf. HANetf ist Europas größter Anbieter von White-Label-ETFs und -ETCs und bietet Vermögensverwaltern in der ganzen Welt eine vollständige White-Label-Lösung für den Betrieb, die Regulierung, den Vertrieb und das Marketing, um UCITS-ETFs und -ETCs erfolgreich aufzulegen und zu verwalten.