Kostengünstige Drohnenschwärme - neue Luftverteidigung
1. Das ukrainische Verteidigungsökosystem wird immer relevanter
Laut Berichten wurden alle bei dem Angriff eingesetzten Drohnen von ukrainischen Unternehmen im Inland hergestellt, darunter Fire Point. Seit Beginn des Krieges hat die Ukraine ihre Produktionskapazitäten für Drohnen massiv ausgebaut. Nun sucht das Land zunehmend nach internationalem Kapital und Exportmärkten, um die Produktion weiter auszubauen.
Fire Point selbst hat keine konkreten Pläne für einen bevorstehenden Börsengang veröffentlicht. Andere ukrainische Unternehmen, die im Bereich unbemannter Luftfahrzeuge tätig sind, wie Swarmer, haben jedoch bereits internationale Börsennotierungen genutzt, um Kapital aufzunehmen. Dies verweist auf einen breiteren Trend: Das ukrainische Verteidigungsökosystem entwickelt sich zunehmend von einem kriegsbedingten Improvisationsmodell zu einem investierbaren Defence-Tech-Ökosystem. Die Ukraine ist heute nicht mehr nur Abnehmer westlicher Verteidigungsausrüstung. Vielmehr wird sie zunehmend zu einem Entwickler, Tester und potenziellen Exporteur von Verteidigungstechnologien.
2. Zunehmende Verwundbarkeit selbst gut geschützter Standorte gegenüber Drohnenangriffen
Drohnenschwärme erzwingen ein Umdenken in der Luftverteidigung. Der Schutz wichtiger Ziele unterstreicht zugleich ein breiteres Risiko für alle Länder: Günstige, in großer Zahl produzierte Drohnenschwärme können selbst hochentwickelte Luftverteidigungssysteme erheblich unter Druck setzen. Diese wurden vor allem entwickelt, um Flugzeuge, Marschflugkörper und ballistische Raketen abzuwehren. In vielen Fällen bedeutet dies, dass teure Abfangraketen gegen vergleichsweise günstige Drohnen eingesetzt werden müssen. Werden Drohnen vermehrt in großer Zahl eingesetzt, entstehen zwei Probleme: hohe Kosten pro Abfangvorgang und begrenzte Munitionsbestände.
Der gemeinsame Nenner ist die Suche nach kostengünstigeren Möglichkeiten, Drohnen in großer Zahl abzuwehren:
| UNTERNEHMEN/SYSTEM | GEKAUFT / GGENUTZT VON | FUNKTIONSWEISE | GEMELDETE KOSTEN/EINSATZ |
| Rheinmetall - Skynex / Skyranger | Ukraine / EU / VAE | Geschützbasierte Luftverteidigung mit Sensoren, Feuerleitsystem und programmierbarer Airburst-Munition | ca. 4.000 US-Dollar / Einsatz |
| BAE Systems - APKWS | US-Streitkräfte / RAF | Lasergelenkte 70-mm-Rakete als kostengünstigerer Drohnenabwehr-Interceptor | ca. 25.000 US-Dollar / Munition |
| RTX - Coyote | US Army / US Navy | Abfangdrohne: Block 2 ist verbrauchbar; Block 3 ist wiederverwendbar und nutzt Mikrowellen zur Deaktivierung von Drohnen | ca. 100.000 - 200.000 US-Dollar / Interceptor, Block 3 wiederverwendbar |
| Thales - RFDEW | Erprobung britische Armee | Hochfrequenzgerichtete Energie stört die Elektronik von Drohnen | ca. 10 Pence / 13 Pence/ Schuss |
| AeroVironment - Freedom Eagle-1 | US Army | Kinetische Counter-UAS-Rakete der nächsten Generation / Langstrecken-Interceptor | Nicht öffentlich bekannt gegeben |
| MBDA /QINETIC / Leonardo - Dragonfire | Programm der Royal Navy | Laserwaffe gegen Drohnen und andere Bedrohungen aus der Luft | ca. 10 Pfund pro Schuss |
Quelle: Verschiedene Quellen; Hyperlinks wurden für jede Angabe zu den „gemeldeten Kosten pro Einsatz“ bereitgestellt.
Die Tabelle zeigt die wachsende Bandbreite an Drohnenabwehrlösungen, die derzeit entwickelt oder bereits eingesetzt werden. Drohnenkriegsführung ersetzt nicht den Bedarf an traditionellen Verteidigungsplattformen, ergänzt ihn jedoch um eine kostenintensive neue Ebene.