Korea nach dem KI-Crash: Ist jetzt der Zeitpunkt zum Einstieg?
Nach einem starken Boom bei Halbleitern und Künstlicher Intelligenz (KI) stürzte der koreanische Aktienmarkt ab. Allein am 28. Juli verlor der Leitindex Kospi knapp elf Prozent. Seit Ende Juli hat sich der Markt teilweise wieder erholt. Ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt – oder bieten sich anderswo attraktivere Chancen?
Bewertungen höher, als sie scheinen – Renditen bleiben unsicher
Auf den ersten Blick erscheint der koreanische Markt mit einem KGV von unter 5 günstig bewertet. Das ist jedoch mit Vorsicht zu interpretieren: Gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis ist Korea ähnlich bewertet wie andere Schwellenländer.
Gleichzeitig haben sich die Gewinnaussichten insbesondere für Unternehmen mit Bezug zum KI-Boom in den vergangenen Monaten sogar verbessert. Das gilt auch für die Indexschwergewichte Samsung Electronics und SK Hynix, die zusammen rund zwei Drittel des MSCI Korea ausmachen. Beide profitieren derzeit von einer sehr günstigen Angebots- und Nachfragesituation bei Speicherchips.
Dennoch bleibt offen, welche Renditen die enormen Investitionen in KI letztlich erwirtschaften werden – und wie nachhaltig die hohen Gewinne von Samsung Electronics und SK Hynix sind. Diese Unsicherheit sowie der zunehmende Wettbewerb aus China gehören zu den Faktoren, die die jüngste Korrektur am koreanischen Aktienmarkt ausgelöst haben.
KI und Elektrifizierung im Fokus, doch Vorsicht vor neuen Playern
Die steigende Stromnachfrage wird in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen erfordern, nicht zuletzt aufgrund teilweise veralteter oder unzureichender Infrastruktur. Der Ausbau von KI-Rechenzentren verstärkt diesen Trend zusätzlich.
Gleichzeitig werden die Modelle chinesischer Unternehmen zunehmend wettbewerbsfähiger und sind vor allem kostengünstiger als die Angebote US-amerikanischer Anbieter. Einige Unternehmen wie Moonshot AI sind noch nicht börsennotiert, während Konzerne wie Alibaba bereits leistungsfähige eigene KI-Modelle entwickeln. Bei Investments in diesem Bereich bleiben wir dennoch zurückhaltend: Wie gut sich diese Technologien monetarisieren lassen und welche Renditen die Investitionen erzielen werden, bleibt noch offen.
Wir sind nach wie vor überzeugt, dass sowohl die Elektrifizierung als auch die KI langfristige strukturelle Wachstumstrends darstellen. An den Aktienmärkten verlaufen solche Entwicklungen jedoch selten geradlinig. Nach der stark von Kleinanleger-Euphorie geprägten Rally in Korea haben wir unsere Positionierung daher ausgewogener gestaltet.