KI als Stresstest: Was 2026 auf dem M&A-Markt über Erfolg entscheidet
Politische Unsicherheiten, handelspolitische Spannungen und anhaltende geopolitische Konflikte haben den M&A-Markt 2025 spürbar ausgebremst. Investoren agierten vorsichtiger, Kapital wurde deutlich selektiver eingesetzt und viele Transaktionen aufgeschoben. Zurück blieb ein Markt mit hoher Unsicherheit und einer klaren Verschiebung der Prioritäten. Statt auf schnelle Gelegenheiten setzten Käufer auf Substanz, Belastbarkeit und Zukunftsfähigkeit. Wir sind überzeugt davon, dass genau dieser Filter nun den Übergang in das Jahr 2026 prägt. Denn während sich der Markt an das neue Umfeld gewöhnt, rücken drei Faktoren in den Vordergrund: Die Widerstandsfähigkeit von Geschäftsmodellen gegenüber technologischen Umbrüchen, allen voran durch Künstliche Intelligenz, eine stärkere regionale Ausrichtung von Small- und Mid-Cap-Deals sowie ein intensiver Wettbewerb um wenige, überzeugend aufgestellte Unternehmen.
KI ist der unangefochtene Prüfstein für Geschäftsmodelle
Eine entscheidende Bewertungsfrage gewinnt branchenübergreifend an Bedeutung: Wie stabil und zukunftsfähig sind Geschäftsmodelle im Umgang mit KI-getriebenen Veränderungen? Künstliche Intelligenz ist längst kein Add-on mehr, sondern ein Stresstest für Unternehmen. Käufer prüfen heute intensiver, wie angreifbar Wertschöpfung, Prozesse und Margen durch Automatisierung und datengetriebene Lösungen sind. Unternehmen mit klarer technologischer Positionierung, eigener Datenbasis und skalierbaren Strukturen gelten als deutlich robuster und stoßen dementsprechend auf höhere Aufmerksamkeit und Bewertungen. Geschäftsmodelle ohne erkennbare Differenzierung geraten dagegen schneller unter Druck.
Viel Kapital, aber wenig überzeugenden Targets: Der Wettbewerb um Qualität nimmt zu
Auf Investorenseite scheint die Ausgangslage für 2026 klar, denn die Liquidität ist hoch und der Anlagedruck steigt. Gleichzeitig ist das Angebot an hochwertigen, widerstandsfähigen Unternehmen begrenzt. In den vergangenen Monaten hat sich dadurch ein spürbarer „Deal-Stau“ aufgebaut: Wir sehen einen Markt, in dem viel Kapital verfügbar ist, während die wirtschaftliche Substanz vieler Unternehmen eher abnimmt. Wenn ein überzeugendes Konzept auf den Markt kommt, ist der Wettbewerb entsprechend intensiv. Investoren greifen also nicht mehr spontan zu. Sie wählen vielmehr gezielt aus und konkurrieren um wenige besonders attraktive Angebote. Wer kein klares Profil oder stabile Erträge vorweisen kann, hat es im Verkaufsprozess entsprechend schwer. Qualität wird damit zum zentralen Preistreiber und zum Engpassfaktor.
Strukturwandel als Chance: Technologie und Healthcare sind 2026 im Vorteil
Technologieunternehmen, B2B-Dienstleister, spezialisierte Nischenanbieter und ausgewählte Healthcare-Segmente stehen dieses Jahr im Fokus von Käufern. Getrieben wird diese Entwicklung weniger von kurzfristigen Trends als davon, dass diese Branchen strukturelle Veränderungen aktiv nutzen und davon profitieren: Digitalisierung und KI verändern Prozesse und Geschäftsmodelle, während Konsolidierung und strategische Zukäufe an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig verstärken der demografische Wandel und anstehende Nachfolgeregelungen den Verkaufsdruck in vielen mittelständischen Unternehmen. Hinzu kommen regulatorische Vorgaben, die den Markt ordnen und damit für klare Gewinner und Verlierer sorgen.
Günstige Bedingungen reichen nicht: Die richtige Vorbereitung ist 2026 entscheidend
Rückenwind kommt dieses Jahr von der Finanzierungsseite: Sinkende Zinsen und eine rückläufige Inflation verbessern die finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Übernahmen. Die Zahlungsbereitschaft auf Käuferseite steigt und Finanzierungen werden wieder planbarer. Doch das allein reicht nicht aus, um Deals einfacher abzuwickeln. Eine günstigere Finanzierung bedeutet aber nicht automatisch eine höhere Bewertung für alle. Sie verschärft vielmehr den Wettbewerb um jene Targets, die strategisch schon überzeugt haben und langfristig in bestehende Wachstumspläne passen. Käufer agieren also weiterhin vorsichtig und politische sowie wirtschaftliche Spannungen prägen das Marktumfeld und begleiten Investitionsentscheidungen. Das Ergebnis ist ein Markt, der 2026 zwar aktiver sein dürfte, zugleich aber deutlich selektiver bleibt. Für Unternehmerinnen und Unternehmer verdichtet sich damit eine klare Botschaft: Der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf bemisst sich nicht allein an der aktuellen Performance, sondern an der Visibilität der zukünftigen Entwicklung. Das Fazit der M&A-Experten fällt eindeutig aus: 2026 gewinnt im M&A nicht der Verkaufswille, sondern die gründliche und strukturierte Vorbereitung und die bewusste Wahl des richtigen Partners.