Keine weitere Straffung: EZB hält Füße still

Zwei Zinserhöhungen bis Ende des Jahres – das ist der aktuelle Marktkonsens. Wir sehen das anders und erwarten in der kommenden Woche keine Kursveränderung durch die Europäische Zentralbank (EZB).

Roger Rüegg, Swisscanto/ZKB

Das Umfeld – insbesondere die Inflationsraten von über drei Prozent – würde zwar höhere Leitzinsen rechtfertigen. Doch eine straffere Geldpolitik könnte die deutsche und französische Konjunktur abwürgen. Sollte sich der Iran-Konflikt nicht drastisch zuspitzen, ist es unwahrscheinlich, dass es in den nächsten Monaten überhaupt eine Straffung geben wird. 

Schwächelt der Euro?

Belässt die EZB die Zinsen auf dem aktuellen Niveau von 2,25 Prozent, rechnen wir in der Folge mit einem schwächeren Euro – unter 1,10 zum US-Dollar. Dafür sprechen auch die Projektionen für die US-Zwischenwahlen im November: Laut Umfragen könnten dort die Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch eine Mehrheit im Senat gewinnen. Das würde das Prinzip der „Checks and Balances“ stärken und die Wirtschaftspolitik stabilisieren.

Die EZB im Zielkonflikt

„One size fits all“ ist der Anspruch der EZB. Damit befindet sie sich per Definition auf einer schwierigen Gratwanderung, bei der sie den Interessen aller EU-Länder gerecht werden muss. In der europäischen Schuldenkrise von 2013 musste sie sich nach den angeschlagenen Peripherieländern der Eurozone richten, denn diese waren aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung auf die Unterstützung der Notenbank angewiesen. Dazu wurden die Leitzinsen niedrig gehalten, Staatsanleihen gekauft und Banken langfristig refinanziert. Heute stehen jedoch die Kernländer unter Druck.

Roger Rüegg

Roger Rüegg ist Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/Zürcher Kantonalbank, der delegierten Asset Managerin von Swisscanto LU Fonds. Die Luxemburger Fondsleitung Swisscanto Asset Management International S.A. steht europaweit Kundinnen und Kunden mit Produkten und Dienstleistungen rund ums Anlegen zur Seite. Sie ist dabei bekannt als Vorreiterin für nachhaltige Anlagen, zu 100 Prozent in der Schweiz verwaltet durch das Asset Management der Zürcher Kantonalbank.