Keine weitere Straffung: EZB hält Füße still
Das Umfeld – insbesondere die Inflationsraten von über drei Prozent – würde zwar höhere Leitzinsen rechtfertigen. Doch eine straffere Geldpolitik könnte die deutsche und französische Konjunktur abwürgen. Sollte sich der Iran-Konflikt nicht drastisch zuspitzen, ist es unwahrscheinlich, dass es in den nächsten Monaten überhaupt eine Straffung geben wird.
Schwächelt der Euro?
Belässt die EZB die Zinsen auf dem aktuellen Niveau von 2,25 Prozent, rechnen wir in der Folge mit einem schwächeren Euro – unter 1,10 zum US-Dollar. Dafür sprechen auch die Projektionen für die US-Zwischenwahlen im November: Laut Umfragen könnten dort die Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch eine Mehrheit im Senat gewinnen. Das würde das Prinzip der „Checks and Balances“ stärken und die Wirtschaftspolitik stabilisieren.
Die EZB im Zielkonflikt
„One size fits all“ ist der Anspruch der EZB. Damit befindet sie sich per Definition auf einer schwierigen Gratwanderung, bei der sie den Interessen aller EU-Länder gerecht werden muss. In der europäischen Schuldenkrise von 2013 musste sie sich nach den angeschlagenen Peripherieländern der Eurozone richten, denn diese waren aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung auf die Unterstützung der Notenbank angewiesen. Dazu wurden die Leitzinsen niedrig gehalten, Staatsanleihen gekauft und Banken langfristig refinanziert. Heute stehen jedoch die Kernländer unter Druck.