Kaufen, reiten oder doch umschichten?
Volkseigene Veggie-Burger
Noch ein Tiefschlag für den klammen Bund: Auch dieses Jahr gibt es keine zusätzliche Finanzspritze: „Bundesbank macht Milliardenverlust – Bund geht leer aus“, stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung fest. Aber: Immerhin war dieser Verlust niedriger als im Vorjahr. Um sich nicht zu sehr von Gewinn oder Verlust leiten zu lassen, basteln Teile der Regierung an einer neuen Unternehmensform: „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen – SPD-Minister schlagen neue Form von Unternehmen vor“, klärt der Tagesspiegel auf. Aller Gewinn bleibt damit im Unternehmen, das so langfristig nachhaltig wirtschaften soll. Ein wenig erinnert das Konstrukt an ein früheres Modell, dessen Erfolg allerdings weder nachhaltig noch langfristig war: Statt GmgV hieß es damals jenseits der Mauer einfach VEB. Und zuletzt, der Veggie-Burger darf wieder Veggie-Burger heißen und wir Bürger müssen also weiterhin in der Lage sein, Scheuermilch von Kuhmilch zu unterscheiden, obwohl uns das nicht alle Politiker zutrauen: „Veggie-Burger-Verbot ist gescheitert“, klärt die Süddeutsche Zeitung auf.
Abrissbirne gegen Kanonen
Kriegerisch gibt sich diese Woche Der Aktionär: „Kaufen wenn die Kanonen donnern“, diesen Börsenspruch aus den Zeiten Napoleons legt das Magazin über das Schwarz-Weiß-Bild einer rauchenden Explosion in einer Stadt in Vogelperspektive. „Chancen bei Öl, Gold, Rüstung – so sind für Anleger 100 Prozent drin“, heißt es weiter. Mit einer eindrucksvollen Meereswelle macht Börse Online auf: „Rotation reiten“! Warum auch nicht, surfen statt traden, oder: „Aktien, Derivate, ETFs – 15 Top-Werte gegen den Tech-Blues“. In ein ähnliches Horn in anderer Ausführung stößt Focus Money mit einer Abrissbirne, bezeichnet mit KI: „Jetzt umschichten – KI-Schocks, neue Favoriten an der Börse: Wie Sie das Maximum für Ihr Depot herausholen“. Hoffentlich hat die Abrissbirne nicht ganze Arbeit geleistet im Depot…Schnörkellos gibt sich Euro am Sonntag: „Sicherheit mit Dividenden“.
Nachtanken
Nachdem die Spritpreise über 2 Euro gestiegen sind und nicht jeder im ländlichen Einfamilienhäuschen mit Solarpanel auf dem Dach und E-Auto im Edel-Carport lebt, diskutieren Regierung und Opposition über eine mögliche Ölpreisbremse: „Ökonomen warnen vor neuem Tankrabatt“, schreibt die Süddeutsche Zeitung dazu. Die Volkswirte verweisen darauf, dass knapper werdende Güter eben teurer werden und damit zum Sparen motivieren. Vielleicht fahren Pendler künftig nur die halbe Strecke und legen den Rest zu Fuß zurück? An den Tankstellen erleben wir ein bekannt vorauseilendes Gehabe, denn dort wird Treibstoff schon teurer, bevor er überhaupt knapp wird. Denn das Öl, das wir heute tanken, kann eigentlich schlecht in der Straße von Hormus feststecken?
Die Welle auf der Stelle
Nein, wir haben sie nicht vergessen und ja, wir behalten sie im Auge. In München ist Wahlkampf und selbstverständlich ist die Eisbach-Welle, beziehungsweise ihr Fehlen, beziehungsweise das Verbot, sie soweit wieder vorhanden, zu besurfen, ein wichtiges Wahlkampfthema. Wenn schon keine Wohnung, dann wenigstens Spaß auf dem Wasser. Alle wichtigen Kandidaten bekennen sich also unisono zur Welle und den Surfern. Die „Unperfekte Welle“ überschreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihren Artikel. Dem entnehmen wir den interessanten Satz: „Seit Langem, um nicht zu sagen, immer schon schlägt sich die Stadt mit dem Verdacht herum, nicht mehr so zu sein, wie sie wahrscheinlich nie war“. Auch wir schlagen uns mit diesem Verdacht herum, bezogen auf die Stadt, aber irgendwie auch auf die eigene Persönlichkeit. Jedenfalls hängt über der Eisbachwelle weiterhin ein „Surfen Verboten“ Schild. Der Hintergrund kurz zusammengefasst: Eine Surferin kam ums Leben, weil sich ihre Leine am Untergrund verfangen hatte. Woran, blieb ungeklärt. Der Eisbach wurde gründlich ausgekehrt mit dem Erfolg, dass die Welle weg war. Die Surfer haben sie mit Hausmitteln zurückgebastelt. Das wurde von offizieller Seite der Stadt untersagt und entfernt. Seitdem beraten Fachleute über einen Wiederbelebungsversuch, bilden Kommissionen, Beratungszirkel, Sitzkreise, Yogarunden und starten immer neue Versuche, Experimente, Konzepte. Ein Grundsatzproblem aber bleibt und scheint in Deutschland im Jahr 2026 nicht mehr lösbar zu sein: Wer haftet, wenn der Welle zur Welle nachgeholfen werden musste?