Jetzt kaufen – ruhiger schlafen
Trockenen Auges
Die Börse bleibt abhängig vom Energiesektor, insbesondere vom Öl. Nachdem die Straße von Hormus noch immer verstopft ist und Iran weiter mit einer Art Wege(lagerer)zoll droht, erklärt die Börsen-Zeitung die Folgen: „Enorme Nervosität am Ölmarkt“. Und die zeigt sich für uns alle im Geldbeutel: „Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent“, schreibt Die Zeit. Es bleibt heiß und trocken, so dass die Süddeutsche Zeitung in ihrer feiertagsbedingt bereits am Freitag erscheinenden Wochenendausgabe mit der Headline aufmacht: „Wie weiterleben mit der Hitze“, allerdings ohne Fragezeichen. Eigentlich wollen wir schon weiterleben, und wenn nicht ohne, dann eben mit Hitze. Probleme gibt es eher beim Weiterfahren, und zwar für Schiffe. „Chemie auf dem Trockenen“, textet die Frankfurter Allgemeine Zeitung dazu. Wie wenig die 40 Dax-Konzerne mit der eher schwächelnden deutschen Wirtschaft zu tun haben, beweist eine Überschrift aus dem Handelsblatt: „Dax-Konzerne stehen 2026 vor einem Rekordgewinn“. Blöd nur, dass sie sich ihn teilen müssen. Finster zeigte sich die Sonne, aber nur kurz: „Alle Augen gen Himmel“, befiehlt die Süddeutsche Zeitung, während es in der Abendzeitung etwas bajuwarischer rüberkommt: „München im Sonnenfieber: Alle Sofinarrisch“.
Greifbarer Millionär
Mit einer Eier-Uhr, einem Mini-Tresor und einer weiblichen Roboter-Büste machen die Finanzmagazine die 34. Woche des Jahres auf. Die eiförmige Eier-Uhr von Der Aktionär steht genau auf 10 Minuten und 1 Mio. Euro, denn: „In zehn Minuten zum Millionär“, verspricht das Blatt. „Clever anlegen, Vermögen machen: So schafft es jeder“. Das tröstet uns gefühlten Jedermann, allerdings wird verschwiegen, wieviel Einsatz dazu nötig wäre. Einen wirklich winzigen Tresor setzt Focus Money neben große Lettern: „Jetzt kaufen! 10 Aktien, die in jedes Depot gehören“, schließlich sollen sie „mehr als 100 Prozent Rendite“ bringen. Außerdem: „Stars mit Potenzial: Hier lohnt der Einstieg noch“. „Greifbare KI-Gewinne“, verspricht Börse Online auf dem Titel und präzisiert weiter: „6 Mega-Chancen zum Anfassen“. Dabei gibt es doch längst keine Aktien aus Papier mehr, die haptisch zu erfassen wären. Einen deutlich größeren Safe zeigt die September-Ausgabe von der EURO. Das Magazin für Wirtschaft und Geld auf dem Cover: „Die sichersten ETFs der Welt“ verbergen sich im Blatt. Das Versprechen heißt: „Mitverdienen, wenn die Börse steigt. Ruhiger schlafen, wenn Kurse sinken“. Dabei schlafen wir auch besonders ruhig, wenn die Kurse steigen…
Kurze Hosen
Die Hitzewelle ist allgegenwärtig, die Flüsse weniger schiffbar, das Wasser knapp, die Bäder trotzdem voll, Schattenplätze gefragt, Eisdielen leer geschleckt. Wer allerdings weder am Strand noch in den Bergen Müßiggang pflegt, sondern im Büro Dienst absolviert, für den stellt sich die Frage: Was anziehen? „Ist das noch zulässig oder schon zu lässig?“, dichtet deshalb die Süddeutsche Zeitung neben dem Bild eines Mannes in kurzen Hosen. Doch während zum Beispiel Fußball-Millionäre ihren Dienst in solch kurzen Hosen absolvieren, gilt es als selbstverständlich, dass die Banker, die das Geld der Kurzbehosten verwalten, dies in Langarm-Hemd und langer Hose übernehmen. Gerecht? Laut Artikel in der SZ seien inzwischen Trägershirts (bei Frauen), kurze Hosen (bei Männern) und Schlappen (nicht geschlechtsspezifisch) bürotauglich, schließlich habe da bereits Corona und das Home Office vorgelegt. Erwähnt wird eine Studie mit Bürgern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich. Sie hat ergeben, dass die Deutschen am lockersten gekleidet ins Büro schlurfen. Wir hätten es fast vermutet und wollen „locker“ nicht weiter optisch vertiefen. Am konservativsten treten die Schweizer auf. Und während 38 Prozent der deutschen Männer in kurzen Hosen zur Arbeit gehen, sind es in Italien nur 16 Prozent. Wobei es dazu gar keiner Studie bedurft hätte, ein Blick in Italiens Straßen beim Corso genügt, um die Einheimischen (lange Hose) von den Touristen (kurze Hose), also ästhetisch betrachtet den Weizen vom Spreu zu unterscheiden.