Cathal Gaffney, Mediolanum International Funds

Japans Geldpolitik: Straffer, als erwartet?

Die laufende geldpolitische Sitzung der Bank of Japan (BoJ) könnte spannend werden – jedoch nicht so, wie viele meinen. Langfristig stehen die Zeichen auf Straffung.

Cathal Gaffney, Mediolanum International Funds

Zum einen stieg Japans Kerninflation im Juni um 1,6 Prozent im Jahresvergleich – der erste Anstieg seit drei Monaten. Außerdem ist der japanische Yen vor Kurzem auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gefallen, was das Risiko eines Inflationsanstiegs weiter verstärkt. Die Märkte preisen derzeit etwa einen Zinsschritt alle sechs Monate ein, mit der Erwartung einer Zinserhöhung im Dezember. Doch sie könnten sich irren.

Nächster Zinsschritt vor Dezember

Wir erwarten für die aktuelle Sitzung zwar ebenfalls keine Veränderung der Zinsen – zu groß sind die Unsicherheiten aufgrund der Spannungen im Nahen Osten. Doch unserer Meinung nach unterschätzen die Märkte die Geschwindigkeit der Straffung. Die fundamentalen Rahmenbedingungen könnten die BoJ zu weiteren Zinsschritten bewegen – und zwar in einem aggressiveren Tempo, als viele erwarten. Berichten zufolge ist die Bank of Japan bereit, die Zinsen schneller anzuheben, als es die aktuellen Markterwartungen nahelegen. Das gilt insbesondere, falls die Inflation höher ausfallen sollte und die Yen-Schwäche anhält. Wir gehen daher davon aus, dass die Bank of Japan zu einer eher restriktiven Linie tendiert, und rechnen mit einer möglichen Zinsanhebung bereits vor dem Dezember. 

Auch wenn die BoJ diesmal keinen Zinsschritt beschließt, dürfte die Pressekonferenz im Anschluss der Sitzung aufschlussreich sein. Marktteilnehmer sollten daher genau hinhören: Gouverneur Kazuo Ueda könnte Hinweise darauf geben, wie schnell und wie weit die Zinsen steigen werden.

Anleihen: Das lange Ende bleibt im Fokus

Für Anleger in japanische Anleihen bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Die Kombination aus einem schwachen Yen und hartnäckiger Inflation sowie ein steiler werdendes langes Ende der Zinskurve setzen den Markt unter Druck. Nicht unterschätzt werden sollte der Plan der japanischen Regierung, die Investments japanischer Haushalte und Pensionsfonds stärker in inländische Vermögenswerte zu lenken. Das wäre ein potenziell wichtiger Schritt, um das lange Ende der Zinsstrukturkurve japanischer Staatsanleihen zu stabilisieren, wo die langfristigen Zinsen in letzter Zeit deutlich gestiegen sind. 

Cathal Gaffney

Cathal Gaffney ist Portfolio Manager bei Mediolanum International Funds. Mediolanum International Funds Limited (MIFL) ist eine irische Vermögensverwaltungsgesellschaft, zugelassen von der irischen Zentralbank zur Verwaltung von OGAW- und Nicht-OGAW-Fonds. Es handelt sich um das Zentrum für Research und Entwicklung (R&D) und Produktinnovation (MedLab®) der Mediolanum Banking Group, die mit Stand vom Dezember 2025 70 Fonds mit einem Gesamtvermögen von über 76,9 Mrd. Euro verwaltet.