Kevin Net, LFDE

Japan rückt wieder in den Fokus globaler Anleger

Der japanische Aktienmarkt ist in eine neue Phase eingetreten und wird immer attraktiver. Im Jahr 2025 erreichten die Aktienrückkäufe mit 22.320 Milliarden Yen (120 Milliarden Euro) einen neuen Rekord. Dies ist ein starkes Signal für die Entschlossenheit japanischer Unternehmen, den Markt zu stützen und ihre Aktionäre zu belohnen. Gleichzeitig belegt der Rekord die Wirkungskraft der strukturellen Reformen, die 2022 von der Börse in Tokio angestoßen wurden.

Kevin Net, LFDE

Reformen verändern die Kapitalallokation

Die aktuelle Dynamik an den japanischen Aktienmärkten soll die Modernisierung der Wirtschaft des Landes beschleunigen. Dafür werden Unternehmen angeregt, ihre Geschäftsführungsstruktur weiterzuentwickeln und ihre Liquiditätsreserven zu optimieren. Gleichzeitig sollen die Unternehmen dazu ermutigt werden, ihre Kreuzbeteiligungen (historisch gewachsen aus den japanischen Konglomeraten „Keiretsu“) deutlich abzubauen und somit ihre Kapitalallokation anzupassen.

Unternehmen investieren wieder stärker in Zukunftsthemen

Über diese Aktienrückkaufprogramme hinaus haben japanische Unternehmen ihre traditionell niedrigen Dividendenausschüttungsquoten erhöht. Auch dies ist ein Ausdruck ihres festen Willens, eine ehrgeizigere Investitionspolitik zu verfolgen. Entsprechend erreichten die Investitionsausgaben im vierten Quartal 2025 mit 15,4 Billionen Yen (140 Milliarden Euro) einen neuen Rekordwert. Dies entspricht einem Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Positiv zu werten ist zudem, dass sich die Investitionen auf wichtige Sektoren wie KI-Infrastruktur, Energiesicherheit oder Verteidigung konzentrierten.

Das Investitionspotenzial ist folglich bei Weitem noch nicht erschöpft. Daher zählen diese Sektoren zu den strategischen Entwicklungsschwerpunkten der neuen Regierung unter Sanae Takaichi. Die im Oktober 2025 gewählte Premierministerin errang bei der Parlamentswahl im Februar 2026 einen klaren Wahlsieg. Dieser markierte den Beginn einer für das Land eher seltenen Phase politischer Stabilität.

Privatanleger und ausländische Investoren stützen die Märkte

Die Auswirkungen dieser neuen Phase sind auch an den Aktienmärkten spürbar. Trotz der starken Volatilität, die einerseits durch das internationale geopolitische Umfeld und andererseits durch die Zinsentwicklung in Japan bedingt ist, legte der breiter gefasste Topix-Index der Tokioter Börse seit Jahresanfang um 14 Prozent zu, während der Nikkei 225 um 27 Prozent nach oben schnellte. Dies führt zu einem verstärkten Interesse japanischer und ausländischer Anleger. Das tägliche Handelsvolumen am wichtigsten Markt der Tokioter Börse hat sich somit innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Inländische und ausländische Anleger kehren zurück

Die stark an ausländischen Märkten – allen voran in den USA – engagierten japanischen Privatanleger kehren verstärkt an ihren Heimatmarkt zurück. Wie Unternehmen haben auch Privathaushalte in den letzten Jahrzehnten tendenziell auf Sparprodukte gesetzt. Der erneute Inflationsanstieg mahnt jedoch zur Diversifizierung, insbesondere hin zu den Aktienmärkten mit ihren Renditeaussichten. Ausländische Anleger sind eine weitere wichtige Stütze für die Aktienmärkte. Nachdem sie diesen Markt lange Zeit vernachlässigt hatten, sind sie seit Jahresbeginn Nettokäufer.

Die asiatischen Märkte haben allgemein von der Konzentration auf Titel mit KI-Bezug profitiert. Der japanische Markt bietet daneben weitere, ergänzende Anlagethemen. Eine wichtige Rolle bei der jüngsten Beschleunigung der Dynamik spielt die KI-Wertschöpfungskette, auf die das Land stark ausgerichtet ist. Zu den Unternehmen, die Teil dieser Wertschöpfungskette sind, zählen unter anderem der führende Flash-Memory-Anbieter Kioxia, der Experte für Halbleiter-Produktionsanlagen Tokyo Electron und Advantest, das auf die Verifizierung und Validierung von Halbleitern spezialisiert ist. Darüber hinaus kann Japan mehrere Weltmarktführer in Sektoren wie Robotik (Fanuc und Keyence), Verteidigung (Mitsubishi Heavy Industries), Energiesicherheit (Hitachi) und Konsum (Fast Retailing, Asics) vorweisen. Diese Segmente erzielten in den vergangenen Monaten solide Wertentwicklungen an den Börsen.

Japanische Aktien gewinnen wieder an strategischer Bedeutung

Die Auswirkungen der Zinserhöhungen durch die Bank of Japan scheinen in den Kursen inzwischen weitgehend eingepreist zu sein. Gleichzeitig untermauern die soliden Fundamentaldaten der Unternehmen sowie die Governance-Reformen das langfristige Neubewertungspotenzial japanischer Aktien. Die wieder anziehende Investitionstätigkeit, eine effizientere Kapitalverwendung, die Ausrichtung auf zukunftsträchtige Anlagethemen sowie das wachsende Interesse in- und ausländischer Anleger unterstützen die japanischen Aktienmärkte. Dadurch spielen sie bei internationalen Allokationsstrategien erneut eine Rolle.

Kévin Net

Kévin Net ist Leiter des Bereichs Asien bei La Financière de l’Echiquier (LFDE). La Financière de l’Echiquier (LFDE) wurde 1991 gegründet, im Juli 2023 von LBP AM übernommen und ist eine der bedeutendsten und dynamischsten Fondsgesellschaften Frankreichs. LFDE verwaltet ein Vermögen von 12,2 Milliarden Euro (per 30.11.2023) und beschäftigt in ihren Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien, der Schweiz und den Benelux-Ländern über 140 Mitarbeiter.

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