Irankrieg ein Schock für die Märkte – mit Ablaufdatum
Der Konflikt im Iran dürfte die zarten Knospen des Wachstums in der Eurozone welken lassen, bevor sie eine Chance bekommen zu erblühen. Kaum eine Region leidet so stark unter den gestiegenen Energiepreisen. Wir rechnen mit kurzfristig spürbaren, aber letztlich mittelfristig überschaubaren Auswirkungen des Konflikts und nach dem Ende des Krieges sogar mit deutlich fallenden Ölpreisen.
Kurzfristig werden die Headline-Inflationsraten natürlich einen merklichen „Iran-Effekt“ aufweisen. Als Faustregel gilt, dass ein anhaltender Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar zu einem Anstieg der globalen Inflationsrate um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte führt. Die Auswirkungen auf die Kerninflationsrate sollten sich jedoch im Rahmen halten.
Wachstumssorgen spielen bislang noch keine große Rolle. Das Wachstum wird kurzfristig jedoch ebenfalls leiden – allerdings regional höchst unterschiedlich. In den USA wird der Effekt marginal sein, Europa wird hingegen überproportional in Mitleidenschaft gezogen.
Zentralbanken: Neubewertung übertrieben
Wieder einmal müssen Zentralbanken rund um den Globus mit einem stagflationären Schock fertig werden. Für gewöhnlich schauen Zentralbanken durch Angebotsschocks hindurch. Wenn deren Frequenz allerdings immer höher wird und die Erinnerung an eine Phase hoher Inflation auf Seiten der Marktteilnehmer noch sehr frisch ist, stellt sich die Frage, ob man tatsächlich nach Lehrbuchvorgabe entscheiden kann. Klar dürfte sein: Zinssenkungen, die bis vor kurzem noch eingepreist waren, werden wir in den USA und der Eurozone so schnell wohl nicht sehen. Allerdings spricht aus unserer Sicht auch wenig für eine umfangreichere Straffung der Geldpolitik.
Durch den Iran-Krieg und die gestiegenen Energiepreise hat eine „hawkishe“ Neubepreisung der Zinserwartungen stattgefunden. Vor Ausbruch des Konflikts erwartete der Markt noch mehr als 2 Zinssenkungen in den USA und 0,5 in der Eurozone. Stand heute sind in der Eurozone 3,5 und in den USA 0,5 Zinsanhebungen eingepreist. Wenngleich die Marktreaktion nachvollziehbar ist, halten wir dieses Repricing für übertrieben.
Für die Eurozone gilt: Um die Wirtschaft ist es nicht gut bestellt, sodass die Gefahr von Zweitrundeneffekten derzeit geringer ist als im Durchschnitt der letzten Jahre. Die Europäische Zentralbank dürfte die Zinsen bis zum Jahresende daher nicht so stark anheben, wie der Markt es aktuell preist. In den USA ist die Lage nach wie vor eine etwas andere. Die Inflation ist dort einerseits mit knapp 3 Prozent immer noch höher als in der Eurozone, was vor allem auf den Zolleffekt zurückzuführen ist. Andererseits wird der Iran-Krieg – da die USA Ölexporteur sind – in Bezug auf den Inflationseffekt im Land eine geringere Rolle spielen als in Europa. Zinsanhebungen sind in den USA vor allem aufgrund dieses letzten Punktes unwahrscheinlicher als in der Eurozone. Es spricht einiges für ein Stillhalten der Federal Reserve bis sich der Nebel, der durch den Iran-Konflikt erzeugt wurde, gelichtet hat.
Renten: attraktive Spreads bei Euro-Banken- und Unternehmensanleihen
So ehrlich muss man manchmal sein: Es gibt Marktphasen, da hat man aus den falschen Gründen Recht mit seiner Prognose. Wir hatten Anfang 2026 einen weiteren Renditeanstieg bei zehnjährigen Bundesanleihen in Richtung und über 3,00 Prozent im Laufe des Jahres erwartet – allerdings vor allem wegen steigender Realrenditen unter anderem aufgrund des Fiskalpakets. Tatsächlich wurde unser mittelfristiges Renditeziel nun wegen des unerwarteten Iran-Krieges und der gestiegenen Inflationserwartungen erreicht. Mit Blick nach vorne rechnen wir bei längeren Bund-Laufzeiten grundsätzlich weiterhin mit höheren Renditen. Eine Beruhigung des Konfliktes hätte das Potenzial, vor allem die Renditen kürzerer Laufzeiten zu drücken. Als attraktiv erachten wir die aktuellen Spread-Niveaus bei Euro-Banken- und Unternehmensanleihen.
Kurzfristig könnte es bei einer Beruhigung des Konflikts zu einer Gegenbewegung bei den Bundzinsen kommen. Gerade bei den kurzen Laufzeiten sehen wir Potenzial für fallende Renditen, wenn die Zinsanhebungserwartungen an die EZB nach unten korrigiert werden. Mittelfristig rechnen wir weiterhin mit strukturellem Aufwärtsdruck, zuvorderst bei den Bundrenditen am langen Ende. Ursache hierfür weiterhin: Angebotsknappheiten – vor allem am Arbeitsmarkt – sowie die steigende Verschuldung des Bundes und eine wachsende Laufzeitenprämie.
Konkret bedeutet dies für uns: Kurzfristig Duration in den Portfolios taktisch leicht erhöhen, mittelfristig wieder reduzieren.
Vergleicht man die Entwicklungen an Zins- und Credit-Märkten in den letzten Wochen, fällt auf, dass letztere besser abschneiden. Das deutet darauf hin, dass der Markt zwar besorgt über die Inflations- und Zinsaussichten ist, aber hinsichtlich des Wachstums weiterhin zuversichtlicher bleibt – sogar in Europa. Wir nutzen die Spread-Ausweitungen für Zukäufe.
Aktien: gesunde Marktbereinigung in Europa
Am Aktienmarkt liegen seit Jahresbeginn Value-Aktien sowie defensive Werte klar vorne. Das ist nachvollziehbar: Befeuert durch den Konflikt im Iran haben Anleger ihre Portfolios deutlich risikoärmer aufgestellt und tendenziell ihr Aktienexposure reduziert. Während sich die Gewinnerwartungen in den letzten Wochen jedoch erstaunlich gut gehalten haben, war der Kursrückgang bei Aktien vor allem auf sinkende Kurs-Gewinn-Verhältnisse zurückzuführen. In Bezug auf Europa, wo die Kursgewinne der letzten zwei Jahre bei sehr geringem Gewinnwachstum vor allem dank einem Anstieg der Multiples stattgefunden haben, kann dies als eine gesunde Bereinigung interpretiert werden.
In Europa sind die Positionierungen nach den Entwicklungen seit Anfang März inzwischen nun jedoch so defensiv bzw. in puncto Aktiengewichtung so gering wie zuletzt nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine. Das allein ist ein durchaus starkes Kaufsignal. Hinzu kommt, dass negative geopolitische Schlagzeilen in der Vergangenheit in der Regel etwa zwei Wochen nach Beginn eines Ereignisses ihren Höhepunkt erreichten. Auch saisonal steht uns nun eine eher starke Phase ins Haus.
Diese Argumente werden natürlich nicht ausreichen, sollte der Konflikt im Iran die Märkte deutlich länger beschäftigen als von uns gedacht.
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