Florian Heider und Alexander Hillert, SAFE

Investitionszurückhaltung prägt die Aussagen börsennotierter Unternehmen

Firmen verschieben Investitionsentscheidungen, gleichzeitig melden andere Unternehmen Rekordumsätze. Dieses unterschiedliche Bild prägt derzeit die Aussagen der Führungskräfte börsennotierter Unternehmen in Deutschland.

Die geopolitische Unsicherheit durch den Krieg im Nahen Osten dämpft die Investitionsbereitschaft auftraggebender Unternehmen. Einige Unternehmen entwickeln sich dennoch robust. 

Der SAFE-Index, der auf der Analyse der Analystenkonferenzen und der Finanzberichte börsennotierter Unternehmen basiert, sinkt im Juli leicht von -0,04 Punkten auf -0,10 Punkte. Der leicht negative Wert deutet darauf hin, dass die Erwartungen der Chefetagen für die kommenden Monate verhalten bleiben.

Die Unternehmen beschreiben derzeit kein einheitliches Bild der Wirtschaft. Einige Branchen erleben, dass auf Kundenseite Investitionen und Projekte aufgeschoben werden, während sich andere Branchen weiterhin robust entwickeln.

Unterschiedliche Entwicklungen in den Branchen

Die Transkripte von Analystenkonferenzen, die in der Juli-Auswertung hinzugekommen sind, bestätigen die durchwachsene Entwicklung der vergangenen Monate. Eine Führungskraft aus der Maschinenbaubranche rechnet mit Blick auf die Jahre 2026 und 2027 mit „keiner spürbaren Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes“ und erwartet „anhaltend schwierige Bedingungen“. Eine andere Führungskraft aus dem Business-to-Customer-Segment betonte hingegen, das Unternehmen habe „den höchsten Quartalsumsatz in der Geschichte unseres Unternehmens verzeichnet“, wobei „der Mai der stärkste Monat aller Zeiten war“.

Seit Beginn des Iran-Kriegs sind Hinweise auf größere Zurückhaltung bei Investitionen erkennbar. Insbesondere im Business-to-Business-Segment verschieben Auftraggebende Investitionsentscheidungen. Wie sich diese Zurückhaltung sowie gestiegene Rohstoffpreise auf Umsatz und Gewinn auswirken, werden die Ergebnisse des zweiten Quartals zeigen.

Ab der zweiten Julihälfte veröffentlichen börsennotierte Unternehmen ihre Zahlen für das zweite Quartal. Die Quartalsberichte werden zeigen, ob sich die in den Analystenkonferenzen beschriebenen Entwicklungen bereits in den Geschäftszahlen niederschlagen. Das August-Update des SAFE-Index wird das zweite Quartal voll abbilden und die Entwicklungen einordnen.

 

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung

Der SAFE-Index zur Manager-Stimmung (SAFE Manager Sentiment Index) misst monatlich, wie optimistisch oder pessimistisch sich Führungskräfte von börsennotierten Unternehmen in Deutschland äußern. Entwickelt von Alexander Hillert und seinem Team am Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, basiert der Index auf einer automatisierten Textanalyse, die positive und negative Aussagen in Geschäftsberichten und Analystenkonferenzen auswertet. Der Index bietet Einblicke in die Investitionsbereitschaft sowie mögliche Trends bei Aktienrenditen. Der Index basiert auf einem rollierenden Dreimonatsfenster von Daten. 

Das Team misst außerdem seit Mai 2025 systematisch die in der Finanzmarktkommunikation geäußerte Unsicherheit der Unternehmen und verwendet dazu das Loughran and McDonald Dictionary of Uncertainty Words. Diese Analyse erfasst, wie oft Führungskräfte Unklarheit, Risiko oder Zweifel zum Ausdruck bringen und ermöglicht es, herauszufinden, worüber sich Manager:innen unsicher sind.
Veröffentlichungstermine

Die nächsten geplanten Veröffentlichungstermine sind:  

  • Dienstag, 11. August 2026
  • Donnerstag, 10. September 2026
  • Donnerstag, 8. Oktober 2026
  • Dienstag, 10. November 2026
  • Donnerstag, 10.Dezember 2026

Florian Heider

Florian Heider ist seit 1. Dezember 2022 Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE und Professor für Finance an der Goethe-Universität Frankfurt. In seiner Forschung befasst er sich vor allem mit Finanzintermediären, einschließlich ihrer Rolle für die Geldpolitik, sowie Marktdesign und Kapitalstruktur von Unternehmen. Seine akademischen Arbeiten sind in verschiedenen führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften erschienen. Nach wissenschaftlichen Stationen an der London School of Economics und der New York University Stern School of Business übernahm er ab 2004 verschiedene Positionen in den EZB-Generaldirektionen Forschung, Marktinfrastrukturen und Zahlungsverkehr sowie Geldpolitik. 

Alexander Hillert

Prof. Dr. Alexander Hillert ist Co-Direktor der Abteilung „Financial Intermediation“ und Professor für Finance und Data Science am Leibniz-Institut für Finanzforschung SAFE. Vor seiner Tätigkeit am SAFE hatte Hillert die Professur für Nachhaltiges Asset Management am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt inne. Er promovierte an der Graduate School of Economic and Social Sciences der Universität Mannheim. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen empirische Asset Pricing und empirische Unternehmensfinanzierung.