Karl im Brahm, Objectway

Innovationen: Deutschlands Banken verlieren den Anschluss

Europas Banken investieren 2026 massiv in KI, während deutsche Institute ihren Fokus weiter auf Effizienzprogramme legen und damit international zurückfallen. Nur 13 Prozent der deutschen Finanzdienstleister betrachten Innovation als wichtigsten IT-Treiber – in Frankreich sind es 63 Prozent, in Großbritannien 50 Prozent.

Karl im Brahm, Objectway

Gleichzeitig wird KI in ganz Europa zum Standard: Drei Viertel der Vermögensverwalter experimentieren bereits aktiv mit generativer KI. Wer sich jetzt ausschließlich auf Optimierung konzentriert, statt in neue digitale Angebote zu investieren, verliert im globalen Wettbewerb an Relevanz. Deutsche Banken stehen damit 2026 an einem strategischen Scheideweg.

Vor gerade einmal zwei Jahren war Deutschland der Bankenstandort mit dem am schnellsten wachsenden IT-Budget in Europa. Heute scheint die Investitionsbereitschaft abzuflachen. Während die europäische Konkurrenz Jahr für Jahr weiter zulegt, fällt Deutschland immer weiter zurück. Laut aktuellen Prognosen werden die IT-Budgets in Europa auch 2026 weiter wachsen, wie in den vergangenen Jahren. Doch in Deutschland liegt der Anstieg mit 5,9 Prozent nur noch knapp über dem Durchschnitt. Gleichzeitig werden die IT-Ausgaben in Großbritannien im nächsten Jahr um 6,6 Prozent und in Frankreich sogar um 7,0 Prozent steigen. Wir empfehlen den Banken, diese Entwicklung im Auge zu behalten: Wer jetzt zu viel einspart, könnte langfristig zurückfallen.

Effizienz reicht nicht mehr: Deutschland bei Innovation weit hinter internationaler Konkurrenz

Banken weltweit haben durch die Fortschritte neuer Technologien ihre Prioritäten neu ausgerichtet und konzentrieren sich vermehrt auf künstliche Intelligenz. Wir kennen die aktuellen Zahlen und stellen einen deutlichen Unterschied fest: In Großbritannien, dem größten Markt für Vermögensverwaltung in Europa, sehen 50 Prozent der Wealth Manager Innovation als wichtigsten Treiber ihrer IT-Ausgaben, in Frankreich sind es sogar 63 Prozent. In Deutschland hingegen sind es nur 13 Prozent der Anbieter. Stattdessen setzen die Institute hierzulande vor allem auf Kostensenkung. Rund 63 Prozent der deutschen Entscheider geben an, Effizienzsteigerung sei der primäre Treiber ihrer IT-Strategie. Hier spielen vor allem digitale Plattformen eine zentrale Rolle, die Prozesse automatisieren, Datenflüsse vereinheitlichen und Entscheidungswege beschleunigen. Dieser Fokus auf Effizienz statt auf Innovation birgt jedoch strategische Risiken: Deutschland optimiert seine bestehende IT, während andere Märkte bereits in die nächste Generation digitaler Lösungen investieren. Der Markt entwickelt sich schneller, als viele Entscheider realisieren. Wer jetzt mutig handelt, kann sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil sichern.

Bis zu 20 Prozent Ersparnis – KI scheint die neue Priorität der Vermögensverwalter zu sein

Während Nachhaltigkeit und ESG in profitablen Jahren breit diskutiert wurden, rücken diese Themen zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen gewinnt die Entwicklung KI-gestützter Lösungen an Priorität. Nur 16 Prozent der Investmentmanager wollen sich im kommenden Jahr vorrangig auf ESG konzentrieren, während 37 Prozent die Implementierung von KI als wichtigste Aufgabe für 2026 sehen. Die Technologie ermöglicht es Finanzinstituten bereits, enorme Datenmengen auszuwerten, Risikoanalysen zu erstellen und Angebote zu personalisieren. Sie erhöht die Geschwindigkeit dieser Kernprozesse und senkt damit die Kosten. McKinsey schätzt das Einsparpotenzial in zentralen Funktionen auf 15 bis 20 Prozent. Nutzungszahlen unterstreichen diesen Trend: Im Jahr 2025 haben knapp drei Viertel der europäischen Wealth Manager generative KI-Anwendungen getestet oder eingesetzt. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 60 Prozent im Vorjahr. Weitere 13 Prozent planen, die Technologie im neuen Jahr zu integrieren. Künstliche Intelligenz verlässt endgültig das Experimentierstadium und wird zum Standard in der Finanzbranche.

Altlasten und Regulatorik bremsen deutsche Banken

Hierzulande fließt ein großer Teil der IT-Budgets in die Verbesserung bestehender Geschäftsmodelle. In diesem Bereich investieren deutsche Banken sogar mehr als die internationale Konkurrenz wie beispielsweise Frankreich. Dies bewerteem wir durchaus positiv: Deutsche Banken sind im Allgemeinen weniger risikoaffin als ihre Wettbewerber und stecken daher mehr Geld in die Aufarbeitung von Schwachstellen. Dieser Ansatz ist sinnvoll, da die Institute hierzulande seit Jahren mit komplexen, schwer zu modernisierenden Kernbanksystemen und gleichzeitig hohem regulatorischem Druck zu kämpfen haben. Diese Faktoren halten die Banken beschäftigt und sorgen für hohe Ausgaben, mit wenig Raum für Innovation. Dennoch sollte immer auch ein Blick nach links und rechts geworfen werden, um die Konkurrenz nicht aus den Augen zu verlieren. Deutsche Banken müssen im neuen Jahr einen Balanceakt meistern: sicherstellen, dass bestehende Systeme effizient betrieben werden und gleichzeitig ihre Weiterentwicklung durch neue Technologien voranzutreiben.

Karl im Brahm

Karl im Brahm ist DACH-CEO bei Objectway. Seit mehr als 30 Jahren baut Objectway erfolgreiche Partnerschaften mit Banken, Vermögensverwaltern und Asset Managern auf, um deren Geschäft zu stärken und zu skalieren und dabei ein übergeordnetes gesellschaftliches Ziel zu verfolgen: Kapitalerhalt und Verbesserung des finanziellen Wohlergehens ihrer Kunden. Objectway bietet eine führende As-a-Service-Wachstumsplattform für Banken, Vermögens- und Asset-Manager und deren Investoren. Als ein globaler TOP-100-FinTech-Anbieter (IDC FinTech Rankings) verwaltet Objectway über 1 Billion Euro an Vermögenswerten und unterstützt mehr als 100.000 Anlageexperten (Finanzberater, Privatbankiers, Kundenbetreuer) bei der Verwaltung von über 700 Milliarden Euro AUM für mehr als 5 Millionen Anleger. Objectway verfügt über eine globale Organisation mit über 800 Geschäfts- und Technologieexperten, die von Niederlassungen in Italien, Großbritannien, Belgien, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Irland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kanada aus arbeiten.