Ineffizienzen im Anleihemarkt sprechen für aktives Management
Anleihemärkte sind komplex, dynamisch und voller Ineffizienzen, die aktive Manager gezielt nutzen können. Zugleich warnen wir davor, Anleihen ausschließlich als stabilisierenden Portfoliobaustein zu betrachten. Anleihemärkte reagieren sensibel auf Veränderungen der Zinsen, der Kreditzyklen und der geopolitischen Entwicklungen. Ein reiner Buy-and-hold-Ansatz kann dazu führen, dass Investoren Chancen ungenutzt lassen.
Indexstruktur begünstigt Verschuldung
Ein zentrales Argument für aktive Ansätze erkennen wir in der Konstruktion von Anleiheindizes. Diese gewichten Emittenten nämlich nach der Höhe ihrer ausstehenden Schulden. Das bedeutet, dass die größten Schuldner das höchste Gewicht erhalten – was nicht zwingend optimal für die Portfolioallokation ist.
Dadurch entstehen strukturelle Verzerrungen: Stark verschuldete Emittenten werden automatisch stärker gewichtet, während zahlreiche kleinere Anleihen im Index kaum berücksichtigt werden. Der globale Markt umfasst jedoch tausende Einzeltitel, die in passiven Strategien oft nur begrenzt abgebildet werden. Indizes bilden diese Vielfalt nur unzureichend ab – aktive Manager können hier gezielt selektieren und zusätzliche Chancen erschließen.
Flexibilität wird zum entscheidenden Faktor
Mit Blick auf das Marktumfeld betonen wir die Bedeutung von Flexibilität. Zins- und Kreditzyklen verlaufen nicht synchron und können sich schnell verändern. Flexibilität ist entscheidend, um auf Marktveränderungen reagieren und Portfolios entsprechend ausrichten zu können.
Aktive Manager können die Duration anpassen, entlang der Zinskurve agieren oder zwischen Sektoren rotieren. In früheren Marktphasen haben solche Anpassungen zusätzliche Ertragschancen eröffnet und gleichzeitig dabei geholfen, Risiken zu begrenzen.
Selektivität gewinnt an Bedeutung
Ein weiterer Vorteil aktiver Strategien liegt in der gezielten Emittentenauswahl. Der Anleihemarkt ist weniger transparent und stärker fragmentiert als der Aktienmarkt. Viele Titel werden nur eingeschränkt gehandelt.
Passive Strategien sind häufig gezwungen, Anleihen zu halten, nur weil sie im Index enthalten sind – nicht unbedingt, weil sie attraktiv bewertet sind.
Aktive Manager können dagegen Emittenten mit schwächeren Fundamentaldaten meiden und gezielt in sich verbessernde Kreditprofile investieren. Selektivität kann in einem sich wandelnden Marktumfeld ein entscheidender Performance-Treiber sein.
Komplexe Segmente bieten zusätzliche Chancen
Die Möglichkeiten aktiver Strategien sind besonders ausgeprägt in den Bereichen High Yield, Emerging Markets und strukturierte Anleihen. In diesen Marktsegmenten hängen die Ergebnisse stark von der Auswahl einzelner Emittenten ab. Während passive Strategien keine aktive Auswahl treffen, können aktive Ansätze Risiken gezielt steuern und Ausfallrisiken besser adressieren.
Auch in Schwellenländern spielen länderspezifische Faktoren und makroökonomische Entwicklungen eine zentrale Rolle. Hier sind tiefgehende Analysen entscheidend, um Chancen zu identifizieren und Risiken zu managen.
Unconstrained-Ansätze erweitern den Handlungsspielraum
Zusätzliche Flexibilität bieten „Unconstrained“-Strategien, die nicht an Benchmarks gebunden sind. Sie ermöglichen Investitionen über Regionen, Sektoren und Währungen hinweg. Solche Ansätze erlauben es, gezielt dort zu investieren, wo das Risiko-Rendite-Profil am attraktivsten ist. Gleichzeitig können weniger attraktive Marktsegmente bewusst gemieden werden.
Aktive Strategien bieten einen strukturellen Vorteil.
Für das aktive Management im Anleihebereich sprechen mehrere strukturelle Faktoren: Ineffizienzen, Indexverzerrungen, Fragmentierung und ein dynamisches Marktumfeld.
Hinzu kommt, dass sich die Kostenunterschiede zwischen aktiven und passiven Strategien verringert haben, während die Kosten der Indexreplikation in bestimmten Segmenten hoch bleiben können.
In einer sich stetig verändernden Anlageklasse kann es sich auszahlen, aktiv zu investieren, statt passiv einem Index zu folgen.