Ulrich Urbahn, Berenberg

Im Zeichen geo- und geldpolitischer Entscheidungen

Unsere zweiwöchentliche Publikation "Monitor" gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten. In der aktuellen Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem starken Abbau der US-Öllagerbestände und die Implikationen für den Ölpreis.

Ulrich Urbahn, Berenberg

Geldpolitische und geopolitische Entscheidungen

Die letzten zwei Wochen standen erneut im Zeichen vieler geldpolitischer und geopolitischer Ereignisse. Zum einen überraschte der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh die Märkte bei seiner ersten Notenbanktagung mit einer tendenziell falkenhaften Haltung: Neben der Tatsache, dass dieser nun keine Forward Guidance mehr geben wird und damit zum Ziel hat, den Märkten eine freiere Preisfindung auch abseits der Fed-Kommunikation zu erlauben, stellte er mehrmals das Mandat der Preisstabilität und das Inflationsziel von zwei Prozent in den Vordergrund. Geopolitisch war es zuletzt nicht weniger spannend: Die USA und der Iran konnten sich auf einen Rahmenvertrag einigen, welcher unter anderem die Öffnung der Straße von Hormus vorsah. Dennoch bleibt die Lage fragil, wie die Entwicklungen über das Wochenende erneut zeigen. Globale Aktien handelten unter Schwankungen überwiegend seitwärts, Staatsanleihen profitierten von Renditerückgängen, Gold litt unter einem festeren Dollar und steigenden Realrenditen, während der Ölpreis weiter spürbar unter Druck geriet. Die anhaltend fragile Lage am Persischen Golf sowie eine nun unterstützende Saisonalität dürften einem weiteren starken Preisverfall von Letzterem jedoch entgegenstehen. 

Kurzfristiger Ausblick 

Die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran erzeugte durch sinkende Ölpreise und damit auch wieder sinkenden Inflationserwartungen initial eine Erleichterung an den Märkten. Wenngleich die Entwicklung am Persischen Golf fragil bleibt, richtet sich der Blick nun langsam auch auf die bevorstehende Berichtssaison für das zweite Quartal. Morgen werden neben den chinesischen Einkaufsmanagerindizes (Jun.) auch die Verbraucherpreise aus Deutschland und Frankreich veröffentlicht (Jun.). Am Mittwoch folgen neben den Verbraucherpreisen für die Eurozone (Jun.) auch die finalen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe aus Spanien und Italien sowie der gesamten Eurozone (Jun.). Am Donnerstag wird die Arbeitslosenquote der Eurozone (Mai) und der USA (Jun.) veröffentlicht. Zudem folgen aus den USA die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung der Vorwoche. Am Freitag werden dann die Einkaufsmanagerindizes der Dienstleistung aus Frankreich, Spanien, Italien sowie der gesamten Eurozone veröffentlicht (Jun.). 

Der Berenberg-Monitor erscheint zweiwöchentlich und gibt mithilfe wiederkehrender Abbildungen und Daten einen strukturierten Überblick über die aktuellen Entwicklungen an den Kapitalmärkten und beleuchtet jeweils eine wichtige Entwicklung näher.

  • Die US-Öllagerbestände zeigen sich über die Sommermonate unter anderem aufgrund der „US-Driving Season“ typischerweise rückläufig.  
  • Derzeit belaufen sich die Lagerbestände jedoch deutlich unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre. Bedingt wurde dies dadurch, dass ausbleibende Öllieferungen aus dem Nahen Osten durch den Abbau von Reserven ausgeglichen wurden.  
  • Die nun niedrigen Öllagerbestände dürften das weitere Abwärtspotenzial von Rohöl zumindest begrenzen. 

Ausgewählte Asset-Klassen aus dem Märkte-Monitor

  • Mit Blick auf die vergangenen vier Wochen konnten sich REITs am stärksten behaupten – auch gestützt durch einen leichten Rücklauf der Anleiherenditen. 
  • Aktien der Industrienationen sowie der Schwellenländer tendieren auf Sicht der letzten vier Wochen und in Euro gerechnet hingegen größtenteils unverändert. 
  • Während der Preis für Brent weiter deutlich gefallen ist, setzte auch der Goldpreis seine Abwärtsbewegung fort.
  • Mit Blick auf die Aktienmärkte zeigten sich in den letzten vier Wochen neben US Small Caps vor allem Werte aus Europa und der Eurozone stark. 
  • Gleichzeitig bilden jedoch insbesondere deutsche Aktien sowie europäische Werte ohne UK Small Caps das Schlusslicht im Performance-Ranking. 
  • Lateinamerikanische Aktien konnten sich zuletzt wieder etwas gegenüber asiatischen Schwellenländeraktien fangen und schlossen marginal besser ab. 
  • In den vergangenen vier Wochen zeigten sich alle Anleihesegmente positiv. Größter Gewinner waren dabei in Euro gerechnet US-Staatsanleihen. 
  • Ebenfalls positiv zeigten sich sowohl USD als auch EUR Hochzinsanleihen, wobei erstere ebenfalls stärker von einem festeren Dollar profitierten. 
  • Derweil bilden italienische Staatsanleihen das Schlusslicht auf Sicht der letzten vier Wochen.

Ulrich Urbahn

Ulrich Urbahn ist Leiter Multi Asset Strategy & Research bei Berenberg Wealth and Asset Management. Berenberg wurde 1590 gegründet und gehört heute mit den Geschäftsbereichen Wealth and Asset Management, Investmentbank und Corporate Banking zu den führenden europäischen Privatbanken. Das Bankhaus mit Sitz in Hamburg wird von persönlich haftenden Gesellschaftern geführt und hat eine starke Präsenz in den Finanzzentren Frankfurt, London und New York.

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Datum 29.06.2026