ifo Geschäftsklima: Von den Umständen getrieben
Stimmung scheint sich zu fangen, …
Die Stimmung zeigt erste zarte Stabilisierungs- bzw. Erholungstendenzen. So hat sich der PMI für die Eurozone leicht verbessert, bleibt allerdings auch im Juni unter der kritischen Marke von 50 Punkten. In Deutschland ist der PMI hingegen weiter zurückgegangen, angetrieben von einem Stimmungsrückgang im Dienstleistungsgewerbe. Die Stimmung in der Industrie konnte hingegen erneut zulegen und sich im Juni über der Marke von 50 Punkten behaupten.
Auch das ifo Geschäftsklima zeigt erste Erholungstendenzen. Der Index ist zwar in Folge des Irankonflikts zurückgegangen. Doch wie der Aktienmarkt, hat sich die Stimmung der Unternehmen als robuster erwiesen als anfänglich befürchtet, sie erholte sich mit ersten Zeichen einer Beendigung des Konflikts. So fiel vor allem die Einschätzung der aktuellen Lage besser aus, aber auch die Geschäftserwartungen hellten sich erneut etwas auf. Noch befindet sich die Stimmung unter dem Niveau vor Beginn des Irankonflikts, sollte sich aber mit einer dauernden, wenn auch hinziehenden Normalisierung des Ölmarkts weiter erholen.
… doch sie bleibt fremdbestimmt
Die aktuelle Entwicklung sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin eine hohe Unsicherheit bei den Unternehmen besteht. So zeigt der ifo-Index nun schon seit vielen Jahren einen negativen Trend. Die bisherigen Reformanstrengungen der Bundesregierung führten zu keiner entscheidenden Wende. Eine Erholung scheint daher nach wie vor maßgeblich von globalen und lokalen Konjunkturentwicklungen bestimmt zu sein. Dies macht den weiteren Verlauf und vor allem das Ausmaß eines Aufschwungs des ifo-Geschäftsklimas eher unsicher.
Zwar wird von einer Konjunkturbelebung ab der zweiten Hälfte von 2026 und im Jahr 2027 ausgegangen. Eine belastbare und für höhere private Investitionen ausreichende Stimmungsaufhellung mag dies dennoch nicht bedeuten – vor allem angesichts möglicher weiterer Disruptionen für die Weltwirtschaft. Auch bleibt mangels lokaler Angebotsreformen die Stimmung vor allem von globalen Umständen getrieben, und damit fremdbestimmt.
Zwar wird das Sondervermögen und damit einhergehende höhere Staatsausgaben die Stimmung in der Industrie stützen – nicht zuletzt auch wegen hoher Verteidigungsausgaben. Doch ohne eine grundsätzlich positivere Einschätzung zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschlands bleibt es schwierig, eine grundsätzliche und robuste Stimmungsaufhellung unabhängig von globalen Entwicklungen zu erwarten.
Aktuelle Prognosen geben Hoffnung, …
Eine erwartete Konjunkturerholung in der zweiten Hälfte von 2026 und vor allem im Jahr 2027 sollte der Stimmung zumindest zyklischen Auftrieb geben. Getrieben von der Fiskalpolitik aber auch mit globalem Rückenwind sollte das deutsche BIP im Jahr 2026 mit 0,7 Prozent und im Jahr 2027 mit über 1 Prozent zulegen.
eher überschaubar ausfallen könnte und Chinas Wachstum weiterhin als fragil eingeschätzt wird. Die Bandbreite möglicher Entwicklungen bleibt außerordentlich breit.
… doch das Potenzialwachstum belastet
Die erwartete Stimmungsaufhellung bleibt fragil und alle andere als resilient. Denn sie ist weiterhin eher von globalen Entwicklungen als lokalen Reformen getrieben und die aktuellen Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen am Standort Deutschland lassen keine spürbare private Investitionsoffensive zu.
Diese wäre aber notwendig, nicht nur um das Potenzialwachstum zu stützen, sondern auch um die Klimaziele durch Transformation und nicht durch Abwanderung der Industrie zu erreichen. Angesichts globaler Disruptionen und Unsicherheiten ist es mehr denn je entscheidend, dass wirtschaftspolitisches Handeln ein Anker für Stabilität und Planungssicherheit für Unternehmen am Standort Deutschland wird.
Eine aktuelle Analyse der Bundesbank, die den Schwerpunkt auf den demografischen Einfluss auf das Wachstum legt
deutet auf ein Potenzialwachstum in den nächste zehn Jahren von nur noch 0,3 Prozent hin. In den Jahren 2016 bis 2020 lag der Wert laut Schätzungen noch bei 1,3 % Prozent. Innerhalb von fünf Jahren ist in Folge des demografischen Effekts eine dramatische Verschlechterung erkennbar. Schon seit Jahrzehnten wird vom demografischen Wandel gesprochen – doch gerade die Entwicklung der letzten und kommenden fünf Jahre geben eine Indikation, wie dramatisch sich die Lage für die Wirtschaft entwickelt hat und entwickeln wird.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gestellt, das Potenzialwachstum auf rd. 1 Prozent durch Reformen zu erhöhen. Doch laut Bundesbankszenarien würden selbst eine längere Arbeitszeit, eine höhere Erwerbsbeteiligung sowie eine hohe Zuwanderung nicht ausreichen, um solch ein Wachstum sicherzustellen. Also selbst mit günstigen Annahmen deuten Bundesbank Szenarien auf ein Potenzialwachstum von unter 0,8 Prozent hin.
Entscheidend bleibt deshalb die effiziente Verwendung von Kapital (s. Folge 34: Investitionen und Reformen - Ist mehr immer besser?) – gerade vor dem Hintergrund der zurückhaltenden Investitionsbereitschaft aufgrund unzureichender Reformen. Effiziente Investitionen werden allerdings durch die Klimaziele erschwert, da der Fokus für Investitionen eher auf Substitution und Transformation als auf höhere Produktivität und stärkeres Wachstum gelegt wird. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen für Investitionen eine fatale Entwicklung: Denn so besteht die Gefahr dass weder ein nachhaltig höheres Wachstum noch die Klimaziele umgesetzt werden (s. Klimaziele brauchen dringend Wirtschaftsreformen). Vor diesem Hintergrund ergibt sich das Risiko, dass durch das Sondervermögen vor allem die Staatquote und nicht das Potenzialwachstum steigen wird.
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