Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

ifo Geschäftsklima: Stimmung hellt sich langsam auf

Die aktuelle Stimmungsaufhellung weckt zwar Hoffnung auf steigende Investitionen, sie ist jedoch noch zu fragil und zu langsam, um einen spürbaren Investitionsschub auszulösen. Zudem bleibt laut einer aktuellen IKB-Umfrage die Skepsis vieler Unternehmen gegenüber der Wirtschaftspolitik weiterhin deutlich zu hoch, um von einer nachhaltigen Zunahme der privaten Investitionsquote ausgehen zu können. Erforderlich wäre eine echte Aufbruchstimmung – nicht nur eine allmähliche Verbesserung der Erwartungen. Deshalb bleibt der politische Handlungsdruck trotz eines erwarteten Wachstums von rund 1 Prozent im Jahr 2026 und einer erkennbaren Erholung der Stimmung außerordentlich hoch.

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

Die Stimmung in Deutschland hellt sich auf – wenn auch langsam. So ist das ifo Geschäftsklima im Februar leicht um einen Zähler auf 88,6 Punkte gestiegen. Sowohl die aktuelle Lage und die Geschäftsperspektiven wurden etwas besser beurteilt. Damit sollte sich der ifo Index von seinem Tiefpunkt verabschiedet haben.

Diese zarte Aufhellung ist nicht überraschend. Denn Frühindikatoren wie die Auftragseingänge deuten nun schon länger auf eine Bodenbildung und am aktuellen Rand auf eine Belebung der Nachfrage hin. 

Die aktuelle Erholung ist das Ergebnis einer Stabilisierung bzw. konjunkturellen Erholung, die – unterstützt durch die Fiskalpolitik – zu einem Wachstum im Jahr 2026 von um die 1 Prozent führen dürfte. Auch in den kommenden Monaten sollte sich die Stimmung weiter aufhellen. Diese zyklische Aufhellung allein reicht jedoch nicht für einen dauerhaft höheren Wachstumspfad aus. Zum einen bleibt die Erholung fragil – nicht zuletzt vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen wie dem zunehmenden preislichen Wettbewerb aus Asien oder erneute Unsicherheiten über mögliche US-Zölle. Zum anderen stellt ein Wachstum von lediglich 1 Prozent keinen überzeugenden Beleg für einen Aufbruch der Wirtschaft am Standort Deutschland dar. Somit besteht die Gefahr, dass das ifo Geschäftsklima auch im Jahr 2026 primär nur eine Reflektion der Konjunkturerholung und kein Anzeichen einer unabhängigen Aufbruchstimmung sein wird.  

Privatsektor notwendig für nachhaltiges Wachstum

Doch genau diese ist notwendig, damit Investitionen in Deutschland zu einem eigenständigen Wachstumstreiber werden – unabhängig von fiskalischen Impulsen oder dem Konjunkturzyklus. Also: Die Stimmungsaufhellung sollte vor allem das Resultat von Angebotsreformen sein, nicht lediglich die Folge temporär steigender Auftragsbestände oder fiskalischer Stimulierung. Nur dann können staatliche Konjunkturimpulse tatsächlich zu höherem und vor allem nachhaltigem Wachstum führen. Dennoch ist die fiskalpolitische Stimulierung absolut notwendig, um die Wirtschaft kurzfristig in Gang zu bringen und einen beschleunigenden Rückgang des deutschen Kapitalstocks zu verhindern. Ein nachhaltiger Erfolg wird sich allerdings nur dann einstellen, wenn der Privatsektor die fiskalische Stimulierung deutlich unterstützt und eine eigene, kräftige und nachhaltige Eigendynamik entwickelt. Sonst ergibt sich nur eine höhere Staatsquote, und weder das Potenzialwachstum steigt noch wird sich die Wirtschaft erfolgreich transformieren können.

Starthilfe plus glaubwürdige Politik

Die Regierung hat den ersten notwendigen Schritt getan, indem sie der Wirtschaft eine Starthilfe gewährt. Doch diese muss von einer glaubwürdigen Politik begleitet werden, die die Investitionsbereitschaft deutlich erhöht und selbst bei einem Wachstum von nur 1  Prozent zu einer steigenden Investitionsquote führt. Diese Voraussetzung ist derzeit noch nicht erfüllt.

Wie eine aktuelle IKB-Umfrage unter Geschäftsführern und Entscheidungsträger des gehobenen Mittelstands zeigt, haben die bisherigen Maßnahmen der Regierung – sowohl konjunktureller als auch struktureller Art – die Skepsis unter den Unternehmen bislang nicht aufgelöst. Nur ein kleiner Teil der befragten Unternehmen erwartet einen deutlichen Schub durch die fiskalischen Impulse oder die bislang verabschiedeten wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Entsprechend gering ist der Anteil jener Firmen, die auf dieser Grundlage ihre Investitionen am Standort Deutschland spürbar ausweiten würden.

Der Staat muss jetzt handeln und seine Anstrengungen glaubwürdig und überzeugend vermitteln, damit der deutsche Mittelstand wieder seine Rolle als Wachstumsmotor einnehmen kann. Dafür sind weitere Schritte erforderlich, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken. Vor allem jedoch ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit: Sendet der Staat die klare Botschaft, dass die Wettbewerbsfähigkeit und die Rentabilität privater Investitionen in Deutschland höchste Priorität besitzen? Da Unternehmen für Investitionen langfristige Planungssicherheit benötigen, sollten nicht nur kurzfristige Maßnahmen im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem eine glaubwürdige Wirtschaftspolitik.

Klaus Bauknecht

Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen. Zudem kommentiert er regelmäßig konjunkturelle Entwicklungen in renommierten Wirtschaftsmedien und ist mit seinen pointierten Präsentationen häufiger Gast bei Verbänden und Unternehmen.  Zuvor arbeitete Klaus Bauknecht in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium.

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