Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

ifo Geschäftsklima: Es bleibt ein Trauerspiel

Das ifo Geschäftsklima zeigt weiterhin bestenfalls Stabilisierungstendenzen. Nach wie vor fehlt es für eine nennenswerte Stimmungsaufhellung an spürbaren Impulsen – sowohl von der Konjunktur als auch von der Wirtschaftspolitik. Ob die stimulierende Fiskalpolitik im laufenden Jahr eine entscheidende Wende herbeibringen wird, ist anzuzweifeln. Denn es fehlt an einer Wirtschaftspolitik der großflächigen Bereitschaft für Veränderung. Einziger Lichtblick: Die sich festigende Stabilisierung des ifo Geschäftsklimas lässt eine Stabilisierung der Unternehmensinsolvenzen im laufenden Jahr erwarten.

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

Das ifo Geschäftsklima wird als einer der aussagekräftigsten Frühindikatoren für die deutsche Konjunktur angesehen. Deshalb werden jeden Monat die aktuellen Zahlen mit viel Spannung erwartet. Im Januar blieb der ifo Index gegenüber dem Vormonat unverändert bei 87,6 Punkten. Dabei hat sich die aktuelle Lage minimal verbessert, und die Geschäftserwartung für die nächsten sechs Monate trübten sich erneut etwas ein. Wird das ifo Geschäftsklima als grundsätzlicher Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft gesehen, lohnt es sich in die Geschichte zu schauen.

Seit 2018 ein grundsätzlich negativer Trend 

Seit 2018 weist das ifo Geschäftsklima einen grundsätzlich negativen Trend auf. Auch die seit 2024 erkennbare Stabilisierung reicht bislang nicht aus, um diesen Abwärtstrend substanziell zu durchbrechen. Überträgt man eine aus der Aktienanalyse bekannte technische „Chart-Analyse“ auf den Indikator, spricht vieles für einen langfristigen Rückgang des ifo‑Geschäftsklimas – sofern kein klarer positiver Impuls bzw. ein „Ausbruch“ aus dem Trend erfolgt. Ein solcher Impuls war im Zuge des erhofften „Herbst der Reformen“ erwartet worden. Anders als bei der Agenda2010 ist aber bislang kein Aufbruch im ifo‑Geschäftsklima erkennbar. 

Die globale Konjunktur könnte grundsätzlich zu einer Stimmungswende beitragen – wie dies in früheren Konjunkturzyklen der Fall war. Für das laufende Jahr werden von der Weltwirtschaft jedoch nur geringe Impulse erwartet. Vielmehr wird erneut von einem niedrigeren globalen Wachstum ausgegangen als im Vorjahr. Zudem deuten die globalen Risiken eher auf Abwärtsrisiken für die Prognosen hin. Auch von der Geldpolitik sind 2026 keine nennenswerten positiven Impulse zu erwarten. Im Gegenteil: Die Euro-Aufwertung sowie handelspolitische Maßnahmen wie Zölle sprechen eher für Zurückhaltung als für eine ausgeprägte Aufbruchstimmung.

Fiskalpolitik als Treiber der Prognosen

Damit bleibt vor allem die Fiskalpolitik. Sie ist derzeit der zentrale Treiber der Prognosen für das deutsche BIP‑Wachstum in den kommenden Jahren. In welchem Ausmaß sie – ohne flankierende Reformen zur Verbesserung der Standortattraktivität – zu einem Bruch des negativen Trends des ifo‑Geschäftsklimas beitragen kann, bleibt jedoch abzuwarten. Eines scheint allerdings klar: Die vielfach erhoffte und für private Investitionen dringend benötigte grundlegende Stimmungsaufhellung lässt weiterhin auf sich warten. Zwar wird nach einem BIP-Wachstum von 0,2 Prozent im Jahr 2025 für das laufende Jahr ein Plus von bis zu 1 Prozent erwartet. Ein Anstieg des langfristigen bzw. potenziellen Wachstums der deutschen Wirtschaft ist vor dem Hintergrund der Investitionszurückhaltung und der verhaltenen Stimmung der Unternehmen jedoch nicht erkennbar. Auch die Transformation der Wirtschaft hin zu den angestrebten Klimazielen dürfte angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen eher durch Verlagerung von Wertschöpfung ins Ausland als durch Erneuerung und Expansion am heimischen Standort erfolgen. 

So stabilisiert sich das ifo Geschäftsklima und zeigt hoffentlich im weiteren Verlauf von 2026 zyklische Erholungstendenzen. Dies ist jedoch eher der Konjunkturentwicklung zuzuschreiben – und ist weniger das Ergebnis einer selbstbestimmenden Wirtschaftspolitik. Die seit Jahren anhaltende Verschlechterung der Unternehmensstimmung, insbesondere mit Blick auf die aktuelle Geschäftslage, spiegelt sich auch in der Entwicklung der Insolvenzen wider. Zwar führte die regulatorische Aussetzung der Insolvenzantragspflicht während der Corona‑Pandemie kurzfristig zu einem deutlichen Rückgang der Insolvenzen. Tatsächlich hatten sich die Insolvenzzahlen jedoch bereits nach Jahren des Rückgangs im Jahr 2018 stabilisiert und sind seit dem Auslaufen des Insolvenzaussetzungsgesetzes kontinuierlich gestiegen.Die Entwicklung des ifo‑Geschäftsklimas seit 2024 reicht zwar nicht aus, um einen spürbaren Investitionsschub auszulösen. Die beobachtbare Stabilisierung der Stimmung – insbesondere in der Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage – sollte jedoch zumindest zu einer Stabilisierung der Insolvenzzahlen beitragen. Doch auch hier gilt: Ohne eine deutliche Verbesserung der wirtschaftspolitischen und strukturellen Rahmenbedingungen ist nicht mit einer nachhaltigen Trendwende zu rechnen.

Klaus Bauknecht

Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen. Zudem kommentiert er regelmäßig konjunkturelle Entwicklungen in renommierten Wirtschaftsmedien und ist mit seinen pointierten Präsentationen häufiger Gast bei Verbänden und Unternehmen.  Zuvor arbeitete Klaus Bauknecht in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium.

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