Hot-Deal statt zittern
Streikender Wal
Die Straße von Hormus bleibt der Dauerbrenner in den Medien, nachdem jetzt nicht nur der Iran, sondern auch die USA diesen wichtigen Seeweg blockieren wollen. „Showdown an der Straße von Hormus“, befürchtet die Süddeutsche Zeitung, „Blockade-Ankündigung erschüttert die Märkte“, erklärt die Abendzeitung die Lage. In München gewöhnt man sich langsam an zwei Dinge: Die Welle kommt nicht und die MVG fährt nicht. „Nächste Streikwelle trifft Bayern“, fasst der Münchner Merkur ungewollt beide Themen zusammen. „Streik kostet München Millionen“, rechnet die Abendzeitung. „Wann endet das endlich“, fragen wir uns mit der tz. Woher Münchner Eisbach-Surfer ihre Walexpertise nehmen, konnten wir nicht ermitteln, jedenfalls versuchte eine Surferin mangels Surfgelegenheit in der Heimat den in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal zu befreien. „Münchnerin will den Wal retten“, klärt uns darüber die Abendzeitung auf, geklappt hat es wenig überraschend nicht. Womit wir aber dem Wal genüge getan haben in dieser Presseschau. Die Börsen-Zeitung meldet „Altersgrenze für Social Media: Wenig effektiv, aber unaufhaltsam“. Wir würden sie gerne auf 66 Jahre setzen, ab dann haben wir uns eh vorgenommen, weniger aktiv auf Social Media zu sein, schließlich fängt da bekanntlich das Leben erst an.
Top-Chancen im Nebel
„5 heiße Power-Aktien“ stellt uns Der Aktionär in seiner aktuellen Ausgabe vor. „Kaufen statt zittern“, heißt es dazu, denn „diese Top-Chancen sollten Sie jetzt nutzen“. Außerdem hat Der Aktionär auch noch eine „Deutsche KI-Perle“ ausgegraben, also geht doch. Einen Bullen im Nebel (einen umnebelten Bullen?) präsentiert uns Börse Online und weist damit auf „Versteckte Kaufsignale“ hin. Beim Stochern im Nebel haben die Redakteure wenigstens „gesunde 60 Prozent mit dem Hot Deal“ ausgemacht. „Reich werden mit 5 Mega Trends“, verspricht hingegen Focus Money. Den Bildern auf dem Cover entnehmen wir, dass es sich um Drohnen, fossile Energie, Infrastruktur, autonomes Fahren und regenerative Energie handeln könnte – aber wir könnten uns auch irren. Jedenfalls gehört diesen „spannenden Aktien die Zukunft“, denn „der Krieg ändert alles“. Dem ist wenig hinzuzufügen.
Es tut weh
Die Bundesregierung will den gestressten Bürgern respektive Wählern Gutes tun und hat sich in der Berliner Villa Borsig eingeschlossen. Angesichts der hohen Spritpreise steht die Regierung unter Dampf, um an die Lokomotiven-Fabrik Borsig zu erinnern. Reformen sind angekündigt, oder sollen wir besser sagen angedroht, zum Beispiel im Gesundheitsbereich. Das Prinzip der Reformen ähnelt sich: Damit wir zumindest gleichbleibende Beiträge zahlen, bekommen wir (noch) weniger Leistungen oder müssen sie extra bezahlen. Die Einkommenssteuer wird – vielleicht – für viele gesenkt, damit sie sich mehr kaufen können, das dann aber teurer ist, weil die Mehrwertsteuer erhöht wird. Wir kennen das, linke Tasche, rechte Tasche und sind froh darüber, dass der Bund nicht noch mehr Taschen bei uns entdeckt. Hier wären die passenden Headlines dazu: „Sparplan trifft Patienten, Kassen und Ärzte“, wie das Handelsblatt feststellt, oder „“Wie weh wird die Gesundheitsreform tun?“, fragt die Süddeutsche Zeitung. Sichtlich bewegt entnehmen wir in der Abendzeitung: „Sie bewegen sich doch“, während im Handelsblatt, wie wir annehmen, eher gut alimentierte Wissenschaftler maulen: „Ökonomen kritisieren Entlastungspaket“.
An der Spitze: Heilbronn
Was verbinden wir mit Heilbronn? Ehrlicherweise eher wenig bis nichts. Irgendwo bei Stuttgart. Am Neckar. Laut Wikipedia gehört Heilbronn zur „Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart“. Das liest sich per se jetzt eher weniger spannend. Literaturfreunde erinnern sich an das „Käthchen von Heilbronn“, von Heinrich von Kleist auf die Theaterbühne gebracht. Ein anderer uns aus der Literatur bekannter Ritter war hier zeitweise eingekerkert: Götz von Berlichingen. Man darf annehmen, dass er seinen Aufenthalt eher weniger schätzte. Das bekannteste Unternehmen dürfte Knorr sein, das seine Instant-Suppen allerdings längst unter dem Mantel von Unilever veräußert. Aus Heilbronn stammten der Autopionier Wilhelm Maybach und die Schauspielerin Sibel Kekilli. Eine lange Einleitung dafür, dass Heilbronn im jüngsten Rating des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) dem Dauerbrenner Starnberg den Rang abgelaufen hat in der deutschlandweiten Kaufkrafttabelle. Die sich aber nicht nur aus den Einkommen, sondern auch aus den Ausgaben, beispielsweise für Immobilien, zusammensetzt. „Heilbronn löst Starnberg an der Spitze der Kaufkrafttabelle ab“, klärt Der Spiegel auf. Also nicht jeder Heilbronner dürfte einen Maibach fahren. Die Zahlen datieren allerdings aus dem Jahr 2023, neuere gibt es noch nicht. Auf Rang drei liegt im Übrigen der Landkreis Rhön-Grabfeld (in Bayern), gefolgt von Neuwied (Rheinland-Pfalz) und Miesbach (Bayern).