Ulrich Kirstein, Börse München

Heiß, heißer Verlierer-Aktien

Für den Dax verlief die Woche, trotz einiger kleinerer Rückschläge, durchaus positiv, insgesamt legte er um mehr als 1.000 Punkte zu. Ob das Pfingstfest ausreichend Erleuchtung gibt und den Dax über die 25.000 Punkte hievt, bleibt jedoch abzuwarten.

Ulrich Kirstein, Börse München

Euphorie fürs All statt den Ball

Irgendwie sinken wir auf der internationalen Beliebtheitsskala langsam, aber stetig, da brauchen wir nicht einmal an den ESC erinnern. „Ausländische Investitionen in Deutschland deutlich gesunken“, meldet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nicht einmal mehr das Geld mag uns, da sollte unser nächster ESC-Titel in Erinnerung an einen Erfolgshit vor längerer Zeit „ein bisschen Knete“ lauten! Die können wir dringend brauchen, denn „Brüssel traut Deutschland nur noch ein Mini-Wachstum zu“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung ebenfalls schreibt. Dafür soll bei Subventionen gespart werden, zur Not mit dem Rasenmäher. Warum dann nicht gleich eine Neue starten? „Bis zu 6.000 Euro für den Kauf eines E-Autos“, schreibt Die Welt und „E-Autos: Die neuen Förder-Regeln“, stellt die Abendzeitung vor. Nicht einmal einen Wal können wir retten, aber das gehört vielleicht auch nicht zu unseren Kernkompetenzen: Sicher ist, dass Timmy tot ist. „Er war der bekannteste Wal Deutschlands“, schreibt der Münchner Merkur dazu, wobei wir auch wenig unbekannte Wale haben. Und weil wir auf der Erde vielleicht nicht so ganz erfolgreich sind, warum nicht nach Höherem streben? „SpaceX-IPO pusht auch Europas Euphorie fürs All“, hofft die Börsen-Zeitung. Bleiben wir noch kurz auf dem Boden, genauer auf dem Rasen: Auf in die USA, die WM live erleben, nachdem jetzt ein Alter wieder Neuer ist oder umgekehrt. Aber die Reiselust hält sich in Grenzen: „Flaute bei Buchungen: Warum deutsche Fans nicht zur Fußball-WM reisen wollen“, erklärt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Bei den Preisen könnte es bei vielen auch ein „nicht können“ sein!

Fallende Engel – Steigende Aktien

Assoziationen mit der gegenwärtigen Bundesregierung will Der Aktionär sicherlich nicht lostreten: „Kaufen Sie Verlierer“, heißt es fett auf der Titelseite. Und obwohl wir weiter lesen: „5 gefallene Engel zum Einstieg – verdreifachen Sie Ihr Geld“, wird uns kein Engel präsentiert, sondern eine heruntergefallene Goldmedaille mit einem Bullen darauf. Eine brennende Chili-Schote zeigt uns Börse Online, weil: „Heiß, heißer Emerging Markets“. Die „4 Highflyer-Märkte“ Brasilien, Warschau, Bangkok und Mexiko-Stadt werden im Heft genauer analysiert. Roboter und Mensch im Blickkontakt hält Focus Money fest: „Diese Aktien könnten jetzt die nächste Milliarden-Rally starten“, wenn schon, denn schon. Denn sie sind nicht weniger als „besser als Nvidia“. Während jedoch Börse Online bei den Emerging Markets von einem Potenzial von 50 Prozent ausgeht, sind es bei Focus Money „nur“ 49 Prozent, wo immer dieses eine Prozent auf der Strecke blieb.

Beam me up, Scotty

Ausgefallene Namen für militärische Projekte sind wir inzwischen gewohnt. So nennt Donald Trump seinen jüngsten Angriff auf den Iran Operation Epic Fury. Wie lange diese Tradition zurückreicht, entzieht sich unserer Kenntnis, das wäre vielleicht ein Forschungsdesiderat, wie es so schön heißt. Im Zweiten Weltkrieg wurde es jedenfalls bereits mehr oder weniger geistreich betrieben, man denke an Unternehmen Barbarossa für den Angriff auf Russland oder -unser Favorit - Unternehmen Knospe zur Einrichtung einer Wetterstation auf Spitzbergen. Eine Aktion, die ohne Verluste abgeschlossen werden konnte. Davor wurden Kriegszüge und Schlachten von Caesar bis Napoleon eher nach nahe gelegenen Orten oder den militärischen Führern benannt, man erinnere sich an die Drei-Kaiser-Schlacht oder an Waterloo, womit wir irgendwie wieder beim ESC gelandet wären und der Tatsache, dass es bei Schlachten wie Gesangswettbewerben Gewinner und Verlierer gibt. Doch nicht nur militärische Konflikte werden heutzutage hinter schlagenden Metaphern verborgen, schon Projekte fürs Militär erhalten beziehungsreiche Titel. So klärt uns die Börsen-Zeitung auf: „Helsing und OHB gründen Joint Venture Kirk für Bundeswehrauftrag Spock“. Klar, dass es dabei um ein Weltraumprojekt geht, und auch klar, dass es ein wenig länger dauern könnte, denn an Scotty und das Beamen hat man nicht gedacht.

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.