Dr. Ulrich Kater, Deka Bank

Gut gefülltes Sommerloch

Der NATO-Gipfel in Ankara hat in der vergangenen Woche das potenzielle Sommerloch an den Märkten gut ausgefüllt. Allen diplomatischen Vorbereitungen zum Trotz nutzte US-Präsident Trump die große Bühne, um zu Beginn sämtliche Wunden im Bündnis und vor allem gegenüber den europäischen Partnern aufzureißen.

Dr. Ulrich Kater, Deka Bank

Die verbal brüske Absage an das Rahmenabkommen und die Gespräche mit dem Iran sowie die erneuten militärische Angriffe erwischten die Märkte auf dem falschen Fuß. Der Rohölpreis legte aufgrund neuer Sorgen um den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu, Inflationsskepsis ließ die Märkte höhere Leitzinsanhebungen einpreisen, und die Renditen für längere Laufzeiten stiegen spürbar an. Die Aktienmärkte reagierten dagegen nur mit moderaten Kursabschlägen auf die Risiken im Nahen Osten. Am Ende des NATO-Gipfels lag aus amerikanischer Sicht wieder „Liebe in der Luft“. Letztendlich wurde jedoch unterstrichen, dass die Weltpolitik erratisch ist und wohl auch bleiben wird.

Erfreuliches für Deutschland

Vor dem NATO-Gipfel hatte der deutsche Aktienindex DAX noch ein Rekordhoch von knapp unter 26.000 Punkten erreicht. Sowohl das deutsche Reformpaket als auch die deutlich gesunkenen Rohölpreise dürften hierzu beigetragen haben. Zudem wurden für Deutschland fast durch die Bank erfreuliche Konjunkturindikatoren veröffentlicht: bei den Unternehmen Anstiege bei Auftragseingängen und Produktion, positive Signale vom Konsum und Aufwärtssignale vom Außenhandel. Angesichts dieser Zahlen dürfte hierzulande das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal gestiegen sein, was angesichts der strukturellen Schwäche der deutschen Wirtschaft und des Krieges im Nahen Osten eine gute Nachricht ist.  

Ulrich Kater

Dr. Ulrich Kater ist seit 2004 Chef-Volkswirt der DekaBank. Er studierte an den Universitäten Göttingen und Köln Volkswirtschaftslehre und promovierte 1995 am Finanzwissenschaftlichen Lehrstuhl der Universität zu Köln. Von 1995 bis 1999 war Dr. Kater im Stab der „fünf Wirtschaftsweisen“ für die Themen Geldpolitik und Kapitalmarkt verantwortlich. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu den Themen Geldpolitik, Währungspolitik, internationale Kapitalmärkte, Finanzpolitik, Alterssicherungssysteme und internationaler Dienstleistungshandel.

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