Steven Williams, Amova AM

Green Bonds fördern KI-Wachstum und erneuerbare Energien

Künstliche Intelligenz lässt den weltweiten Strombedarf steigen. Stromerzeugung und Netzinfrastruktur kommen an ihre Grenzen. Erneuerbare Energien bieten die schnellste und wirtschaftlichste Lösung. Grüne Anleihen werden dabei als Kapitalquelle für die Finanzierung des Energiewandels immer wichtiger.

Wind und Sonne leisten Energie für die KI / Bild: Siemens Energy

Mehr als eine Milliarde Menschen nutzen in irgendeiner Form KI-gestützte Plattformen. Dieser Boom hat zu einer enormen Nachfrage nach Chips und Rechenleistung geführt. Der größte Engpass für die rapide Expansion der KI-Modelle ist jedoch die Stromerzeugung. Prognosen zufolge könnte der weltweite Stromverbrauch in den nächsten zehn Jahren um mehr als 40 Prozent steigen, wobei Rechenzentren einen wachsenden Anteil daran haben werden. Dieser Bedarf lässt sich nur mit erheblichen Investitionen in neue Übertragungsleitungen und Netzausbauten decken.

Energiebedarf von Rechenzentren steigt rapide

Der rasante Anstieg beim Bau von Rechenzentren in den USA zeigt, wie schnell KI die Energielandschaft verändert. Hyperscaler konkurrieren um Grundstücke, Netzanschlüsse und Stromversorgung. Eine Analyse der durchschnittlichen Energiekosten zeigt, dass erneuerbare Energien unter den richtigen Bedingungen gegenüber der konventionellen Stromerzeugung wettbewerbsfähig bleiben. In Regionen mit starker Sonneneinstrahlung oder beständigen Windverhältnissen sind erneuerbare Energien oft die kostengünstigste neue Stromquelle. Ihre Kapazität lässt sich zudem schnell skalieren – ein entscheidender Faktor angesichts des Nachfragezuwachses durch KI, Elektrifizierung und neue Formen der Industrieproduktion.

Analysten schätzen, dass KI-Unternehmen allein zur Finanzierung der Rechenkapazität einen gemeinsamen Jahresumsatz von rund 2 Billionen US-Dollar benötigen. So viel kann nur investiert werden, wenn die verwendete Energie billiger, sauberer und in größerer Menge verfügbar wird. Dies spricht für erneuerbare Energien. Doch um Potenzial in Kapazität umzuwandeln, ist enorm viel Kapital und ein Finanzsystem erforderlich, das dieses in groß angelegte Projekte lenkt.

Green Bonds finanzieren den Übergang

Der Kapitalbedarf geht weit über traditionelle Finanzierungsquellen hinaus. Green Bonds sind zu einem der wichtigsten Instrumente für die Finanzierung des Übergangs zu saubereren und widerstandsfähigeren Energiesystemen geworden. Das Emissionsvolumen erreichte 2021 unter der Führung Europas seinen Höhepunkt und nähert sich nun wieder diesem Niveau. Die zunehmende Ablehnung von ESG-Kriterien hat den Markt reifen lassen – es gibt klarere Standards, eine strengere Offenlegungspflicht und eine stärkere Beteiligung institutioneller Anleger.

Europas Fortschritte bei der digitalen Infrastruktur folgen einem ähnlichen Weg. Nach Angaben der European Data Centre Association sollen bis 2030 mehr als 100 Milliarden Euro in Rechenzentren investiert werden. Diese Anlagen werden zu etwa 94 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben. Damit ist Europa der weltweit umweltfreundlichste Markt für Rechenzentren. Saubere Energie und digitale Expansion gehen Hand in Hand.

Grüne Anleihen bieten die Möglichkeit, Kapital in Infrastruktur zu lenken, die sowohl die KI als auch die Dekarbonisierung untermauert. Sie bieten Anlegern Klarheit über die Verwendung der Erlöse, helfen Emittenten, ihre Finanzierungskosten zu senken, und unterstützen den Ausbau der Kapazitäten für erneuerbare Energien, den die globalen Stromversorgungssysteme dringend benötigen. Versorgungsunternehmen sind mit ihren niedrigen Ausfallraten und ihrer langfristigen Ertragssicherheit gut geeignet für die Finanzierung großer Projekte im Bereich erneuerbarer Energien durch Green Bonds. So erhalten Anleger ein Engagement in essenzieller Infrastruktur mit vorhersehbaren Cashflows.

Verschiedene Regionen in Europa leisten unterschiedliche Beiträge zum Ausbau erneuerbarer Energien. Die nordischen Länder verfügen über reichlich Wind- und Wasserkraft und leisten damit Stromeinspeisungen, die zu den stabilsten und kohlenstoffärmsten weltweit gehören. Die Solarressourcen Südeuropas ermöglichen einen schnellen und kosteneffizienten Ausbau, während traditionelle Knotenpunkte wie Frankfurt und Dublin stärker auf Batteriespeicher und Netzflexibilität setzen.

In der gesamten Region beschleunigen Investitionen in intelligente Netze den Ausbau. Neue Ansätze helfen dabei, die Anschlussfristen in einigen Märkten von sieben bis zehn Jahren auf etwa ein Jahr zu verkürzen und so Kapazitäten freizusetzen, während längerfristige Modernisierungen abgeschlossen werden. Diese Verbesserungen können dazu beitragen, ein saubereres und widerstandsfähigeres Stromnetz zu schaffen, das den steigenden Bedarf durch KI und digitale Dienste deckt.

Der Fokus der EU auf digitale Souveränität hat die Argumente für den Aufbau lokaler Rechenkapazitäten gestärkt. Europäische Institutionen und Unternehmen werden dazu ermutigt, Daten innerhalb der Region zu generieren und zu speichern. In ganz Europa wurden Anträge auf den Anschluss von Rechenzentren mit einer Gesamtleistung von rund 170 GW eingereicht – das ist fast ein Drittel des Spitzenstrombedarfs des Kontinents. Dies unterstreicht sowohl die Geschwindigkeit der digitalen Expansion als auch das Ausmaß der Chancen für Investoren.

Steven Williams

Steven Williams ist Head of EMEA Global Fixed Income von Amova Asset Management. Amova AM ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200 Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 2744,3 Milliarden US-Dollar (konsolidert). Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.