Goldnachfrage steigt, die größten Minenproduzenten fahren Rekordergebnisse ein
Fazit:
- Die starke Goldnachfrage hält an, getragen von Käufen der Zentralbanken und einer robusten physischen Anlagenachfrage.
- Inflationserwartungen und Realzinsen bleiben zentrale Treiber für den Goldpreisausblick.
- Goldminenaktien zeigen starke Ergebnisse und Cashflows, wobei die Bewertungen vergleichsweise niedrig bleiben.
- Die vergangene Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.
Goldmarktperformance und Nachfragetrends
Der Goldpreis schloss am 30. April bei 4.617,85 US-Dollar pro Unze und gab im Monatsverlauf um 50,21 US-Dollar pro Unze bzw. 1,08 Prozent nach. Goldminenaktien spiegelten ihre übliche Sensitivität gegenüber dem Goldpreis wider. Sie outperformten in der ersten Aprilhälfte, als Gold ein Monatshoch von 4.841,75 US-Dollar erreichte, und blieben zurück, als die Preise gegen Monatsende nachgaben.
Der MarketVector Global Gold Miners Index (MVGDXTR) gab um 3,01 Prozent nach, während der MVIS Global Junior Gold Miners (MVGDXJTR) um 1,69 Prozent zurückging.
Laut dem Gold Demand Trends Report des World Gold Council belief sich die globale Goldnachfrage im 1. Quartal 2026 auf insgesamt 1.231 Tonnen und legte damit im mengenmäßig um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Höhere Goldpreise trugen zu einer Steigerung des Dollarwerts der Nachfrage um 74 Prozent bei, der im Quartal rund 193 Milliarden US-Dollar erreichte.
Die Goldperformance der vergangenen zwei Jahre spiegelt das Zusammenspiel zweier struktureller Faktoren wider: anhaltende Käufe der Zentralbanken und eine robuste Investmentnachfrage aus Barren, Münzen und ETF-Produkten.
Nachfrage der Zentralbanken und Investoren
Die Zentralbanken blieben Nettokäufer und stockten im Quartal um 244 Tonnen auf, ein Plus von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies geschah trotz einer erhöhten gemeldeten Verkaufstätigkeit, einschließlich Transaktionen der Türkei, des aserbaidschanischen SOFAZ und der russischen Zentralbank.
Die Nettonachfrage blieb positiv, mit Käufen aus Ländern wie Polen, Usbekistan und China sowie aus neueren Teilnehmerländern wie Guatemala, Kambodscha, Malaysia, Serbien und den VAE.
Dieses Muster könnte darauf hindeuten, dass die Goldnachfrage der Zentralbanken weiterhin widerstandsfähig bleibt. Anhaltende geopolitische Entwicklungen, darunter Spannungen im Nahen Osten, gingen mit einem fortgesetzten Interesse an Gold als Reserveaktivum einher. Ein Teil der Verkaufsaktivitäten scheint kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse widerzuspiegeln und nicht eine Verschiebung langfristiger Reservestrategien.
Die Nachfrage nach goldbesicherten ETFs lag im 1. Quartal bei 62 Tonnen und damit unter dem Mittelzufluss von 230 Tonnen im Vorjahreszeitraum, da US-Fonds im März Abflüsse verzeichneten. Insgesamt wurde die Investmentnachfrage jedoch von einer starken Barren- und Münznachfrage gestützt, die im Vorjahresvergleich um 42 Prozent auf 474 Tonnen sprang. Dies gehört zu den höchsten jemals gemessenen Quartalswerten und wurde überwiegend von asiatischen Anlegern getragen.
Seit Ausbruch des Konflikts mit dem Iran notierte Gold durchschnittlich bei 4.780 US-Dollar pro Unze. Starke, regional diversifizierte Käufe der Zentralbanken und eine widerstandsfähige Anlagenachfrage aus Asien stützen die Nachfrage weiterhin auf diesen Niveaus. Eine Rückkehr der westlichen Anlegerbeteiligung könnte zusätzliche Unterstützung liefern und zu weiterem Aufwärtspotenzial am Goldmarkt beitragen.
Was bedeutet das makroökonomische Umfeld für den Goldausblick?
Die jüngste Marktvolatilität mag für Anleger beunruhigend sein, doch nach unserer Einschätzung ist es wichtig, sich nicht vom kurzfristigen Marktlärm leiten zu lassen. Das vorherrschende makroökonomische Bild im April war selbstverstärkend: Höhere Ölpreise halten die Inflationserwartungen hoch; hohe Inflationserwartungen halten die Fed in Wartestellung; eine pausierende Fed hält die Realrenditen hoch; und hohe Realrenditen setzen Gold unter Druck. Vor diesem Hintergrund könnte der Anstieg des S&P 500 um 10,5 Prozent im April4 auf ein Maß an Optimismus hindeuten, das auf die Probe gestellt werden könnte. Aus unserer Sicht sollten Anleger die Risiken erhöhter geopolitischer Spannungen und eines potenziell länger anhaltenden Konflikts im Nahen Osten neu bewerten, einschließlich der Folgewirkungen auf die Weltwirtschaft und — was wichtig ist — auf die Inflation.
Inflationserwartungen und Realzinsen
Ein zentraler Aspekt für Gold ist, wie die Inflationserwartungen über verschiedene Kennzahlen hinweg abgebildet werden. Die April-Umfrage der University of Michigan zeigte einjährige und fünfjährige Verbraucher-Inflationserwartungen von 4,7 Prozent bzw. 3,5 Prozent. Im Gegensatz dazu liegt die 5-Jahres-TIPSBreakeven-Rate als marktbasierte Messgröße bei rund 2,7 Prozent, was die Realzinsen vorerst komfortabel positiv hält.
Sollten die Anleihemärkte beginnen, diese Lücke zu schließen und etwas näher an dem zu liegen, was die Verbraucher bereits erwarten, könnte eine pausierende Fed schnell in nahezu null oder negative Realzinsen münden — ein Umfeld, das historisch zu den günstigsten für Gold gehört. In einem solchen Szenario hat Gold historisch eine prominente Rolle als Diversifikator und potenzieller Hedge für Anleger gespielt, die nach Absicherung und Portfoliodiversifikation suchen. Goldminen können aus unserer Sicht als Teil einer diversifizierten Allokation in Betracht gezogen werden.
Warum sind Goldminenaktien trotz Rekordgewinnen unterbewertet?
Goldminenaktien haben in einem Umfeld steigender Goldpreise historisch das Metall selbst übertroffen. Anleger müssen jedoch möglicherweise nicht auf die nächste Aufwärtsbewegung warten, um ihr Position auszubauen. Bei den aktuellen Goldpreisen generieren diese Unternehmen bereits Rekord-Cashflows, und die Ergebnisse für das 1. Quartal 2026 machen dies mehr als deutlich.
Newmont und Agnico Eagle, die beiden weltweit größten Goldproduzenten, meldeten beide Rekord-Quartalsgewinne. Agnico erzielte Rekord-Betriebsmargen, gestützt auf einen realisierten Goldpreis von 4.861 US-Dollar pro Unze gegenüber All-in-Sustaining-Costs von 1.483 US-Dollar pro Unze. Newmont meldete einen Rekord-Free-Cashflow von 3,1 Milliarden US-Dollar. Beide Unternehmen erfüllten oder übertrafen die Produktions- und Kostenerwartungen und bestätigten ihre Gesamtjahresprognose für 2026.
Die Rekordrentabilität finanziert ausgeweitete Explorationsprogramme und Wachstumspipelines und lässt gleichzeitig ausreichend Spielraum, die Aktionäre über nachhaltige Dividendenpolitiken und die Fortsetzung umfangreicher Aktienrückkaufprogramme zu beteiligen. Beide Unternehmen beendeten das Quartal mit rund 3 Milliarden US-Dollar Nettocash und starken Liquiditätspositionen.
Kurz gesagt: Der Sektor scheint sich nach historischen Maßstäben in robuster finanzieller und operativer Verfassung zu befinden. Trotz dieser Fundamentaldaten bleiben die Bewertungen im Goldminensektor vergleichsweise niedrig gegenüber historischen Niveaus. Die aktuellen Aktienkurse spiegeln offenbar konservativere Annahmen wider, als es die vorherrschenden Goldpreise nahelegen würden. Dies könnte ein Potenzial für ein Re-Rating andeuten, sofern die Marktbedingungen unterstützend bleiben, wenngleich die Ergebnisse von breiteren Marktfaktoren abhängen.
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