Ulrich Kirstein, Börse München

Goldenes Rekordhoch

Der Dax legt in der Woche eine Verschnaufpause ein, es fehlt an Impulsen und wahrscheinlich sind noch viele Marktakteure im Urlaub.

Ulrich Kirstein, Börse München

Gebremste Erholung im Aufschwung

Nach Hitze und Trockenheit folgt nun Regen und kühlere Luft, was manche Medien dazu verleitet zu hinterfragen, ob das normal ist für Sommer. Unserer Erinnerung nach: Ja! Nur die Flüsse erholen sich nicht so schnell und bleiben ein Menetekel für die deutsche Wirtschaft (als ob wir davon nicht ausreichend hätten – gut, dass die Mehrzahl von Menetekel einfach Menetekel lautet). „Niedrigwasser bremst Erholung deutlich“, schreibt die Börsen-Zeitung, wobei wir die Erholung irgendwie nicht mitbekommen haben. Wohl auch Capital nicht, denn es fragt in seiner September-Ausgabe: „Wird das ein Aufschwung?“. Eines gelingt Donald Trump in den USA herausragend: Schulden machen: „Staatsverschuldung der USA auf 40 Billionen Dollar gestiegen“, meldet Die Zeit. Innerhalb eines Jahres allein um 3 Billionen US-Dollar ist die Verschuldung gewachsen! Capital hat die Zahl einmal ausgeschrieben, sie erinnert eher an eine IBAN als an einen Staatshaushalt: „40.047.425.768.420,22 US-Dollar – So hoch liegen die US-Staatsschulden“. „Wirtschaftsweiser warnt vor globaler Staatsschuldenkrise“, trägt die Börsen-Zeitung wenig zu unserer Beruhigung bei. Haben wir noch eine positive Nachricht am Ende? „Wohnungsbau legt zu – stärkster Halbjahresanstieg seit 2016“, meldet das Handelsblatt. Das Problem: Der Vorjahreszeitraum an Baugenehmigungen war so grottenschlecht, dass ein starker prozentualer Anstieg leicht zu haben war…

Extreme Gewinne

Verlassen wir uns auf unsere Finanzmagazine, dann ist der oben noch gesuchte Aufschwung zumindest für die Depots kaum noch zu vermeiden: „Dax 30.000 – Börsen auf Rekordhoch – diese 6 Branchen starten jetzt durch“, so der Aufmacher von Der Aktionär. Ein Fragezeichen suchen wir vergebens, allerdings auch die 30.000 Punkte im Dax. „Goldene Chance“, verspricht uns hingegen Börse Online, „Top-Aktien, Fonds und Derivate für die Rally“. Focus Money legt nach mit „5 Aktien, die sich ver5fachen & 5 Aktien, die sicher 5 Prozent abwerfen“. Dann kann ja nichts schiefgehen. Für Euro am Sonntag sind die Temperaturen zumindest für Anleger positiv zu werten: „Extremes Wetter, extreme Gewinne – 100 Prozent und mehr mit diesen heißen Aktien“. 

Die Wut der anderen

Wer jeden Tag mit welchem Verkehrsmittel auch immer den Weg von daheim ins Büro zurücklegt, weiß, dass sich die Zeiten verändert haben: Es wird immer voller und dichter zumindest im städtischen Verkehr. Egal ob mit dem Auto oder Fahrrad, zu Fuß oder öffentlich, es ist eng auf den Straßen der Städte. So wundert es uns eher weniger, dass der Gesamtverband der Versicherer in einer Langzeitstudie feststellt, dass die Aggressivität im Straßenverkehr weiter zunimmt. „Woher kommt die Wut am Steuer?“, fragt der Münchner Merkur. Wobei die Studie weniger nach dem Woher als nach dem Wer fragt. Dafür ermittelt sie nicht weniger als 23 Werte für aggressives Verhalten – fast alle hätten sich verschlechtert, einige sogar deutlich. Noch weniger verwunderlich: Die Aggressivität nimmt auch bei Radfahrern zu. Und eine Erfahrung, die wir fast täglich machen dürfen: Die meisten sehen die Probleme bei den anderen, nicht bei sich selber! Eines jedoch macht uns ein wenig stutzig: Wie so oft wurde die Studie durch Befragungen erstellt. Könnte es sein, dass wir uns inzwischen leichter zu unserem aggressiven Verhalten bekennen? Aber wäre das ein Fortschritt?

Daheim ist auch nicht alles besser

Am Ende befassen wir uns mit wirklich wichtige Themen, bevor wir uns in die Sommerregenpause verabschieden: Dirk Schümer macht sich in Die Welt tiefgründige Gedanken darüber, dass wir schon immer Stimmung, Wetter und Essen im Urlaub im Ausland besser fanden als zuhause, daheim aber zumindest alles besser funktionierte. Das tröstete uns ein wenig über den tristen Alltagstrott hinweg. Jetzt ist es leider nicht umgekehrt, sondern die Stimmung und das Essen, beim Wetter sind wir nicht mehr so sicher, sind im Ausland weiterhin besser, aber dort funktioniert inzwischen vom Zugfahren bis zu den putzig ausgebauten Autobahnen auch noch alles besser als bei uns. „Im Urlaub gewesen. Über Deutschland geweint“, fasst es der hübsche Titel zusammen. Da hilft es zumindest uns Münchnern, dass wir das Oktoberfest haben. Und weil wir dazu auch noch einen neuen Oberbürgermeister wählten, übt der nun fleißig das Anzapfen: „Zwei Schläge: OB glänzt beim Anzapfkurs“, berichtet die tz. Da bewegt er sich in den Fußstapfen seines zumindest darin versierten Vorgängers. Schlangen bildeten sich außerdem vor dem Alten-Hackenhaus, da gabs Wiesntische zum Ordern. Außerdem haben die Leser der tz ihr Lieblingsbier gewählt: „Ein Traum mit Schaum“ listet so nicht weniger als 50 bayerische Biere auf. Unangefochten auf Platz eins der Platzhirsch Augustiner, gefolgt von Tegernseer, Giesinger und Ayinger. Die neben Augustiner auf der Wiesn ausgeschenkten Biere finden sich auf den Plätzen 7 (Paulaner von Schörghuber & Heineken), 14 (Hacker-Pschorr, Besitzer wie Paulaner), 19 (Spaten – Anheuser-Busch-InBev) und 22 (Hofbräu), sowie 28 (Löwenbräu – ebenfalls Anheuser-Busch-InBev). Na dann, ein Prosit der Gemütlichkeit!

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.