Gewinn mit Deutschland
Wohltemperierte Stärken
„Eskalation im Iran-Krieg treibt Ölpreis stark an“, benennt die Börsen-Zeitung die Wurzel des Übels der aktuellen Kurskorrekturen. Tröstliches vermittelt hingegen der KfW-Chef im Handelsblatt: „Wir haben Stärken, um die uns jedes Land beneidet“. Wir können sie nur gerade nicht finden, fürchten wir. Dafür gibt es jetzt ein „Millionenpaket gegen Bürokratie“, freut sich der Münchner Merkur. Dazu passt vielleicht: „Der Bundeskanzler gibt den wohltemperierten Optimisten“, dichtet Die Welt, während wir im Büro gut temperiert schwitzen. Und nach dem Zweitlisting von SK Hynix erfahren wir aus der Börsen-Zeitung: „Blackstone ruft 2026 zum ‚Jahr des Börsengangs‘ aus“. Wir haben es gehört, hoffentlich wird es auch erhört. Die Siemens-Tochter Siemens Energy will sich von ihrem Namen trennen. Omterra soll das neue Unternehmen heißen, wie wir aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erfahren. Müsste es nicht vielmehr Ohmterra heißen? Das hätte einerseits etwas Elektrisierendes und gleichzeitig Entspannendes? Der Grund für den Namenswechsel liegt wohl in den jährlichen Lizenzgebühren, die Siemens Energy berappen muss, aktuell immerhin etwa 300 Mio. Euro. Siemens müsste man heißen. Ansonsten ist trotz heftiger Gewitterschauer das Wasser knapp: „Niedrigwasser des Rheins trifft die deutsche Industrie“, stellt Die Welt fest, während in München der Wassernotstand ausgebrochen ist: „Wasser-Krise: Was Sie jetzt wissen müssen“, belehrt uns die tz und klärt weiter auf: „Die Wahrheit über unser Wasser“. Wurden wir bisher etwa belogen? Die Abendzeitung präzisiert, was zu tun, beziehungsweise lassen ist: „Gieß-Verbot! Pool-Verbot! Kärcher-Verbot!“ Ein Trost: Bierbrauen bleibt erlaubt.
Bundesadler im Rennwagen
Einmal mehr nähern sich die Titelbilder von Focus Money und Der Aktionär inhaltlich und – ein wenig – optisch an: Der Aktionär präsentiert vor lindgrünem Hintergrund einen stilisierten Bundesadler, dessen Flügelspitzen rot und gelb auslaufen und dem auch noch Hörner angesetzt werden: „Die besten deutschen Aktien“, lautet die einfache Erklärung. „100 Prozent sind hier drin“, außerdem werden noch „alle 40 DAX-Werte im Check“ vorgestellt, was auch immer da für Prozente drin sind. Focus Money wählt einen sanften Gelbton und setzt davor den Bundesadler in Szene. Hier dargestellt mit Victory-Zeichen in der einen und Euroscheinen in der anderen Flügelhand. Allerdings hinkt Focus Money in Sachen Rendite dem Aktionär etwas hinterher: „60 Prozent Gewinn mit Deutschland“, verspricht das Blatt. Es sind auch hier „die besten Aktien und Fonds“, die man „jetzt kaufen“ soll. Die (Kurs)Rakete erfreut sich nicht zuletzt seit dem spektakulären Börsengang von SpaceX großer Beliebtheit, Börse Online lässt sie auf dem Cover starten: „Gewinnraketen“, heißt es dazu kurz und bündig: „6 ertragsstarke Aktien“ und „40 Prozent Kurspotenzial“. Zwei Formel 1-Boliden von hinten zeigt uns Euro am Sonntag und falls Ihnen die Assoziation zur Börse fehlen sollte, klären wir gerne auf: „Diese Aktien verändert die Welt und bringen hohe Gewinne“. Allerdings, dass Rennwagen die Welt verändern, war uns bis dato neu, und wenn sich die Autos im Bruchteil einer Sekunde sehr stark verändern, sinkt der Gewinn eher…
Kein Adler ist gelandet
Das kann ja nicht klappen: Wenn ein Verkehrsminister mit der Bahn reisen und auch noch pünktlich zum Termin ankommen will. Versucht hat diesen heroischen Akt der tschechische Minister Ivan Bednárik, der seinen bayerischen Kollegen Christian Bernreiter in München besuchen wollte. „Tschechischer Minister strandet mit Alex“, meldet der Münchner Merkur. Wobei Alex kein guter Freund des Ministers in der abendlichen Hotelbar ist, sondern die von ihm frequentierte deutsche Regionalbahn. Diese nicht elektrifizierte Bahn benötigt für 100 Kilometer 120 Minuten, doch Minister Bedárik hängt auch noch in Regensburg wegen einer Stellwerksstörung. Solche Stellwerksstörungen sind für jeden Bahnfahrer in Deutschland eine altbekannte Sache, die den Zugverkehr regelmäßig stören, deshalb wohl die Namensgebung. Zurück zum tschechischen Minister: Er kam fast drei Stunden später an und trotz ausreichendem Puffer zu spät. Er mokierte sich, es gebe Reisezeiten wie im vergangenen Jahrhundert. Wir fürchten, dem Minister da widersprechen zu müssen – die Reisezeiten erinnern eher an das vorvergangene Jahrhundert: Die Bahnlinie München – Prag wurde unserer Recherche nach bereits 1835 mit der legendären Lokomotive Adler befahren und die brachte es auf etwa 28 km/h.