Geopolitik sorgt für Volatilität – die eigentliche Gefahr liegt bei Zinsen und Liquidität
Für Investoren ist deshalb weniger die Frage ‚Risk off oder Risk on?‘ zentral, sondern: Entsteht ein Zweitrundeneffekt, der die Notenbanken zu einer länger anhaltenden restriktiven Politik zwingt? In den ersten Handelstagen seit Kriegsbeginn sehen wir bei Unternehmensanleihen zwar einen Anstieg der Risikoprämien, aber (noch) keine systemische Kreditpanik. Das passt zu einem Muster, das häufig gilt: Geopolitik erzeugt Volatilität – nachhaltiger Druck auf Zinsen und Spreads entsteht jedoch über Inflation und Liquidität.
China als Stabilitätsfaktor?
Ein unterschätzter Stabilitätsfaktor ist ausgerechnet China. Peking ist nicht nur politischer Akteur, sondern vor allem auch ein großer Energieimporteur und dominanter Abnehmer iranischer Seelieferungen. Damit verfügt China über einen wirtschaftlichen Hebel, ohne militärisch eskalieren zu müssen. Dieses Eigeninteresse spricht dafür, dass hinter den Kulissen Druck entsteht, die Störung nicht in eine monatelange Blockade kippen zu lassen.
Signale beobachten
Was Anleger jetzt beobachten sollten, sind die Kriegsrisikoprämien in der Schiffsversicherung, die Entwicklung der LNG Flüsse sowie die Kreditfrühindikatoren (z. B. iTraxx). Wenn sich diese Signale stabilisieren, bleibt das Basisszenario intakt: höhere Schwankungen, aber keine dauerhafte Marktverwerfung. Sollten sie sich negativ entwickeln, wird es primär ein Zins und Liquiditätsthema – und erst in zweiter Linie ein Kreditproblem.
Risikofaktor Inflation
Das Inflationsthema dürfte unabhängig vom Irankonflikt ein wesentlicher Risikofaktor bleiben, der strukturell und global wirkt. Insbesondere in den USA ist derzeit ein deutlicher Anstieg der Produzentenpreise sowie der Kerninflation zu beobachten. Ein länger anhaltender Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge der Krise würde den bereits vorhandenen Aufwärtsdruck zusätzlich verstärken – mit entsprechenden Konsequenzen für die Konjunktur.