Gemischte Gefühle unter dem Eindruck steigender Ölpreise
Rückblick: Anleihe-Renditen und Öl hoch, Aktien runter
Die Kurse an den deutschen Aktienmärkten sind in der vergangenen Woche deutlich gesunken. Belastet wurden sie vor allem durch den wieder aufflammenden Iran-Konflikt. Dadurch stieg der Ölpreis deutlich an; und dies verstärkte wiederum die Inflationssorgen und sorgte gleichzeitig auch für weiter steigende Renditen am Anleihemarkt, was wiederum die Kurse an den Aktienmärkten zusätzlich belastete. Zum Wochenausklang am Freitag erholten sich die Notierungen allerdings wieder etwas. Dies war vor allem auch auf zumindest an diesem Tag nachgebende Anleihe-Renditen zurückzuführen, die auf Zinshoffnungen in den USA fußten, nachdem Christopher Waller, Mitglied des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed, erklärt hatte, dass er erste „desinflationäre Zeichen“ sehe und er eine Zinspause im September unterstütze, falls die Inflationsdaten für August die jüngsten Fortschritte im Juni und im Juli bestätigen sollten.
Trotz dieser Erholung verlor der Deutsche Aktienindex im Wochenvergleich allerdings 1,9 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 26.046,40 Punkten. Auch der MDax gab um 1,9 Prozent nach. Sein Freitags-Schlussstand lag bei 32.355,32 Zählern. Der Tech-Dax verlor 2,2 Prozent auf 4.022,75 Punkte. Der m:access All Share gab 1,0 Prozent auf 967,24 Zähler ab.
Größter Verlierer im Dax waren die Aktien von Rheinmetall. Sie gaben um 10,1 Prozent nach. Händler führten dies insbesondere auf jüngste Berichte über Qualitätsmängel und Lieferverzögerungen zurück. Insgesamt haben die Papiere damit seit Jahresanfang ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Ebenfalls deutlich unter Druck standen Siemens, die um 5,7 Prozent abrutschten. Auf der Gewinnerseite überragten dagegen VW Vorzüge mit einem Plus von 5,6 Prozent. Dies war eine unmittelbare Reaktion darauf, dass der VW-Aufsichtsrat das tiefgreifende Sanierungskonzept des Vorstands überraschend einstimmig gebilligt hat.
Anleihemärkte zum Wochenende erholt
Auch die deutschen Anleihebörsen haben eine relativ schlechte Woche hinter sich, konnten sich aber – ähnlich wie die Aktienmärkte – zumindest am Freitag etwas erholen. Einer der Gründe für den letztlich anhaltenden Anstieg der Renditen waren die anziehenden Ölpreise und die nach wie vor bestehenden großen Inflationssorgen. So kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 7 Hundertstel auf 3,34 Prozent. Zur Wochenmitte wurde sie zwischenzeitlich sogar mit 3,39 Prozent errechnet. Die Umlaufrendite stieg um 12 Basispunkte auf 3,35 Prozent.
US-Börsen zeigen sich stabil
Im Gegensatz zu den deutschen Aktienmärkten haben sich die US-Börsen in der vergangenen Woche stabil präsentiert. Dies führten Marktteilnehmer vor allem auf die Hoffnungen zurück, dass die US-Notenbank Fed auf ihrer nächsten Offenmarktausschuss-Sitzung die Leitzinsen unverändert lässt und nicht – wie von der überwiegenden Mehrheit der Marktteilnehmer noch vor kurzem erwartet – erhöht. Nach den erheblich besser als prognostiziert ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten am Freitag drehte sich die Stimmung allerdings und die Kurse gaben etwas nach. Unter dem Strich errechnete sich für den marktbreiten S&P-500-Index noch ein kleiner Wochengewinn von 0,1 Prozent. Er beendete den Handel am Freitag bei 7.718,60 Punkten. Der tech-lastige Nasdaq-Composite-Index gewann 0,4 Prozent auf 26.506,99 Zähler. Der Dow-Jones-Index verlor im Wochenvergleich dagegen 0,3 Prozent auf 53.414,25 Punkte.
Ausblick
Politik, Inflation und die Zinsen dürften in der aktuellen Woche nach Auffassung der meisten Marktteilnehmer die drei zentralen Themen an den Börsen sein. Der wesentliche Termin ist dabei zweifelsohne die für Mittwoch und Donnerstag angesetzte Sitzung des Zentralbankrats der EZB und die letztlich für Donnerstag anstehende Zinsentscheidung der Zentralbank. Die meisten Auguren rechnen in diesem Zusammenhang damit, dass die EZB die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben wird. Dies sei inzwischen am Markt eingepreist.
Die Begleitmusik zur EZB-Sitzung wird derweil von politischer Seite gespielt. Die zentrale Frage dabei ist, wie und ob sich das sehr deutliche Ergebnis bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt zumindest zu Beginn dieser Woche auf die Kursentwicklung auswirken wird. Auch die Haushaltswoche im Deutschen Bundestag, die am Dienstag beginnt, wird mit Sicherheit die Landtagswahlen nochmals in den Mittelpunkt rücken.
Nach der neuerlichen Eskalation im Krieg zwischen dem Iran und den USA dürfte sich der Blick der Marktteilnehmer zudem noch stärker als bislang schon, auf den Ölpreis richten – und auch auf die Frage, wie sich dessen Entwicklung zuletzt auf die Inflationsdaten, die Anleihemärkte und insgesamt auf die Konjunkturentwicklung ausgewirkt hat. Hinweise darauf könnten die neuesten Daten zur Industrieproduktion sowie die Sentix-Konjunkturerwartungen für Deutschland geben. Beide werden am heutigen Montag veröffentlicht. Dabei agieren die hiesigen Börsen unabhängig von den USA, denn dort bleiben die Märkte aufgrund des Labor Days geschlossen.
Spätestens ab Mittwoch dürften US-Termine dann die Entwicklung an den hiesigen Märkten mit beeinflussen. Das gilt sowohl für konjunkturelle als auch für Unternehmensdaten. Dass das Thema Leitzinsen dabei eine zentrale Bedeutung hat, versteht sich dabei aufgrund der für die nächste Woche terminierte Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed von selbst. Wesentliche Daten sind in diesem Zusammenhang z. B. am Donnerstag der Erzeugerpreisindex und am Freitag sowohl der Verbraucherpreisindex als auch der Verbraucher-Stimmungsindex, der von der Uni Michigan erhoben wird.
Ergänzt wird dies am Mittwoch durch das „Special Event“ von Apple, bei dem der Konzern seine neuen Produkte vorstellt. Eine wesentliche Frage dabei wird sein, wieweit das Unternehmen beim Thema Preise auf die Entwicklungen der vergangenen Monate reagiert. Am Donnerstag legen dann mit Oracle und Adobe zwei High-Tech-Schwergewichte ihre neuesten Quartalszahlen vor. Dabei geht es vor allem bei Oracle darum, wie das Unternehmen bei seinem aggressiven Expansionskurs der Cloudsparte vorankommt.
Bei weitem nicht die Bedeutung von Apple und Oracle hat Fraport. Die Verkehrszahlen für August, die der Flughafenbetreiber am Freitag vorlegt, könnten unabhängig von den Passagierzahlen beim Thema Luftfracht aber zumindest einen Hinweis auf die Entwicklung der hiesigen Konjunktur geben.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
Montag, 6.9: Industrieproduktion Deutschland; Sentix-Konjunkturerwartungen für Deutschland; Beschäftigungsänderung in der Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone (3. Veröffentlichung); US-Börsen aufgrund des Labor Days geschlossen.
Dienstag, 7.9: Deutsche Handelsbilanz; Beginn Haushaltswoche im Bundestag; ADP-Beschäftigungsänderung USA.
Mittwoch, 8.9: Fortsetzung Haushaltswoche im Bundestag.
Donnerstag, 9.9: EZB-Zinsentscheid; Verbraucherpreisindex für Deutschland (endgültige Zahlen); Erzeugerpreisindex für die USA; Erstanträge zur Arbeitslosenunterstützung in den USA; Wiederverkäufe von Häusern in den USA.
Freitag, 10.9: Leistungsbilanz Deutschland; Verbraucherpreisindex für die USA; Uni Michigan Verbraucher-Stimmungsindex.