Garanten angeln
Gründergeist im Trainingsanzug
Vielleicht lockt erst eine Krise Mut und Gründergeist hervor, vielleicht bleibt vielen aber auch einfach gar nichts anderes übrig, weil sie sonst keinen Job bekommen. Sei es drum: „Startup-Gründungen steigen 2025 auf Rekordwert“, meldet die Börsen-Zeitung, die jetzt nach Jahrzehnten erstmals auch am Montag erscheint. Allerdings müssen sich die neuen Unternehmen erst noch behaupten, denn das vergangene Jahr bietet noch einen weiteren Rekord: „Firmeninsolvenzen 2025 auf höchstem Stand seit 20 Jahren“, weiß die WirtschaftsWoche. Dafür klettert der Dax über die zumindest psychologisch wichtige Wegmarke von 25.000 Punkten. Um der Euphorie nicht Tür und Tor zu öffnen, kontert die Frankfurter Allgemeine Zeitung prompt: „Was den Dax jetzt wieder ausbremsen kann“. Vieles. Die Festsetzung des venezolanischen Gewaltherrschers Maduro sorgt hingegen bereits für einen kleinen wirtschaftlichen Erfolg, allerdings nicht in Venezuela: Der von ihm getragene Trainingsanzug der Marke Nike war rasch ausverkauft. „Diktator-Style: Warum ist der Jogginganzug von Nicolàs Maduro plötzlich angesagt?“, fragt die Augsburger Allgemeine einigermaßen perplex, und die Süddeutsche Zeitung changiert zwischen subversiver Konsumkritik oder sinnfreiem Nonsens: „Der Diktator im Jogginganzug“. Der Sweater firmiert im Übrigen unter „Windrunner“. Vielleicht passt abschließend ein Zitat von Karl Lagerfeld: „Jogginghosen sind für Menschen, die die Hoffnung aufgegeben haben.“
Dividenden, Dividenden, Dividenden
Einen Leuchtturm in der Brandung zeigt uns Börse Online auf dem Titelbild, denn wie ein solcher sollen „Dividenden Garanten“ fürs Vermögen fungieren. „Bis zu 8% - starke Substanz – 50% Kurspotenzial“, so die Details. Einen kleinen Joke erlaubt sich das Magazin auch noch mit einem runden Button: „Dicke 30% mit Eli Lilly“. Die Abnehmspritzen sind eben der Renner, auch an der Börse, auch wenn Konkurrent Novo Nordisk jetzt auf eine Abnehmpille setzt. Mit Geldscheinen auf dem Titel macht Focus Money seinem Namen alle Ehre und lockt mit den „besten Dividenden Aktien 2026“, die nicht weniger als „das ganze Jahr über Cash aufs Konto“ häufen. Dollar-Röllchen präsentiert Der Aktionär. Mit „Kaufen, Halten, Kassieren“ sollen Anleger „bis zu 20% Rendite“ erzielen: „Angeln Sie sich jeden Monat Top-Dividenden“, so der Rat der Redakteure. Dem setzt Euro am Sonntag den „Siegeszug der ETFs“ entgegen, „so investieren Sie am besten“ – die Details gibt’s im Blatt.
Die vermisste Welle
Manche Leser dieser Zeilen vermissten schmerzlich neue Nachrichten über die – ebenfalls schmerzlich vermisste – Welle am Münchner Eisbach. Aber, zum einen will sie sich einfach nicht wieder einstellen, zum anderen sind mögliche Einbauten, um sie zum surfmäßigen Brechen zu bringen, äußerst „komplex“, um ein Kanzlerwort zu zitieren. Überdies kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass die Welle noch nie wirklich „natürlichen“ Ursprungs war, sondern immer schon mittels „Einbauten“ zumindest verstärkt wurde. Die Süddeutsche Zeitung fragt nun sogar im Feuilleton, ob diese Welle für den Zustand des ganzen Landes stehen darf – oder eher nicht. Wobei es viel Wirbel um Stillstand ja schon recht gut träfe als Beschreibung unserer Situation. „Auf der Empörungswelle“, war der Artikel von Jost Kaiser überschrieben. Was wir jedenfalls lernen ist vor allem, wer alles für so einen Bach mit und ohne Welle zuständig ist: Das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) ist z.B. für das Einhalten des Wasserrechtes verantwortlich, das Baureferat muss entscheiden, ob Haken an der Brücke angebracht werden dürfen, ohne diese zum Einsturz zu bringen, das staatliche Wasserwirtschaftsamt hat ebenfalls mitzureden und zum Schluss gibt es noch die sogenannte „Stadtspitze“, gebildet durch den Oberbürgermeister und seine Stellvertreterin, die sich als Nichtsurfer das Surfen zurückwünschen. Auf der Seite der Surfer ohne Welle, schließlich ist Deutschland ohne Verein undenkbar, stehen die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) e.V. und der Surf Club München e.V.