Ulrich Kirstein, Börse München

Friedenshoffnungen und Wirtschaftsrealität

Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche uneinheitlich tendiert. Dabei schwankten die Börsianer einmal mehr zwischen Hoffen und Bangen. So beeinflussten Nachrichten über Fortschritte bei den Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran die Märkte positiv, während Ängste, dass der Krieg doch weiter andauert und die Straße von Hormus dadurch noch länger geschlossen bleibt, die Notierungen belasteten.

Rückblick: Schwächelnde Wirtschaft - Rückenwind aus USA

Letzteres gilt auch für einige schwächere allgemeine Wirtschaftsdaten, die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurden. Dem wiederum standen etliche gute Unternehmenszahlen im Rahmen der laufenden Quartalsberichtssaison sowie Rückenwind durch die US-Börsen gegenüber.   

Der Deutschen Aktienindex (Dax) notierte zum Handelsende am Freitag bei 24.338,63 Punkten. Unter dem Strich lag er damit um 0,2 Prozent über seinem Vorwochen-Schlussstand. Der MDax entwickelte sich mit einem Wochenplus von 1,9 Prozent auf 31.181,06 Zähler deutlich besser – ebenso wie der TecDax. Dieser kam um 2,2 Prozent auf 3.779,72 Punkte voran. Der m:access All Share wurde zuletzt mit 1.179,72 Punkten ermittelt. Dies waren 1,2 Prozent mehr als eine Woche zuvor.

Einige Dax-Gewinner

Zu den großen Gewinnern unter den Dax-Werten zählten einmal mehr Infineon. Die Papiere des Chip-Herstellers setzten nach zwar durchmischten Quartalszahlen, aber nach positiven Analystenkommentaren, ihre Rallye fort und verbesserten sich im Wochenverlauf um 8,6 Prozent. Auch bei BMW (+4,6 Prozent) und Continental (+10,4 Prozent) reagierten die Börsianer positiv auf die 3-Monats-Berichte. Sie honorierten zudem auch die Quartalszahlen von Henkel. Die Vorzugsaktien des Chemiekonzerns machten 4,0 Prozent gut.

Rheinmetall gaben dagegen nach unter den Erwartungen liegenden Quartalszahlen, trotz positiver Analystenkommentare und obwohl das Unternehmen seine Jahresprognose bestätigte, um 10,6 Prozent nach. Die schwache Performance beeinflusste auch die Notierungen anderer Rüstungswerte negativ. 

Infineon war der Gewinner im Dax / Bild: Quantum-Wafer/Infineon

Anleihen: Etwas fester als in der Vorwoche

Die deutschen Anleihemärkte haben in der vergangenen Woche etwas fester tendiert. Mit verantwortlich dafür waren neue, schwache Konjunkturdaten, wie z. B. die Tatsache, dass die Fertigung im verarbeitenden Gewerbe im März gesunken ist. Auch die Angst vor drohenden Rohstoffengpässen, für den Fall, dass die Straße von Hormus noch länger geschlossen bleibt, habe die Kursentwicklung beeinflusst, hieß es am Markt. So warf die richtungsweisende zehnjährige Bundesanleihe im späten Handel am Freitag eine Rendite von 3,01 Prozent ab. Diese lag damit um 2 Basispunkte unter ihrem vergleichbaren Vorwochenwert. Die Umlaufrendite gab im Wochenvergleich um 10 Hundertstel auf 2,98 Prozent nach.

USA: Die Rekordjagd geht weiter

Die US-Börsen wiederum haben in der vergangenen Woche ihre Rekordjagd fortgesetzt. Getrieben wurde der Markt dabei vor allem von Gewinnen bei Tech-Aktien, von Hoffnungen auf ein Ende des Kriegs zwischen den USA und dem Iran sowie – am Freitag – von besser als erwartet ausgefallenen Arbeitsmarkt-Daten. Dies alles trieb den S&P-500-Index am Freitag auf einen Schlussstand von 7.398,93 Punkten. Damit ging er 2,3 Prozent höher aus dem Markt als eine Woche zuvor und verzeichnete zudem ein All-Time-High. Der Nasdaq-Composite-Index wiederum legte sogar um 4,5 Prozent auf das Rekordhoch von 26.247,08 Zählern zu. Der Dow-Jones-Index blieb demgegenüber mit 49.609,16 Zählern – und damit mit einem Wochenplus von 0,2 Prozent – deutlich hinter der Entwicklung der beiden anderen Indizes zurück.

Ausblick: Reale Konjunkturdaten im Fokus

Viele Marktbeobachter erwarten, dass sich in der neuen Woche das gleiche Bild an den Aktienmärkten bietet, wie in den vergangenen fünf Handelstagen. Sollte sich die Hoffnung auf einen Frieden im Iran-Krieg verstärken, würde das die Investoren zu Käufen animieren. Sollte es dagegen keine Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran geben, würde dies die Kurse drücken. Unabhängig von der Entwicklung in dem Konflikt rücken langsam aber sicher auch die realen Konjunkturdaten wieder etwas stärker in den Fokus der Anleger. Dabei stehen bereits am heutigen Montag mit der Entwicklung des Verbraucherpreisindex sowie mit den ZEW-Konjunkturerwartungen zwei wichtige Barometer zur Veröffentlichung an. Am Dienstag folgen unter anderem Zahlen zur Industrieproduktion und zum Bruttoinlandsprodukt in der Eurozone. Und am Mittwoch steht der HCOB EMI Gesamtindex für Deutschland im Wirtschaftskalender.

Überhitzung in den USA?

Einige Marktbeobachter verweisen zudem darauf, dass sich in den USA mittlerweile die Stimmen mehren, die vor einer Überhitzung der dortigen Aktienkurse warnen. Diese hätten sich von den realen Gegebenheiten abgekoppelt und würden die Gefahren für die Wirtschaft ignorieren, kommentieren sie – und folgern: Sollte sich der Trend an den US-Börsen umkehren und es zu deutlichen Kurzverlusten kommen, würde eine wichtige Triebfeder für den deutschen Markt wegfallen.

Dax-Werte im Berichts-Modus

Wieder andere konzentrieren sich vor allem auf die laufende Quartalsberichtssaison. Der Unternehmenskalender ist in diesem Zusammenhang in der neuen Woche stark gefüllt. So öffnen beispielsweise am Dienstag Bayer, die Münchener Rück, Siemens Energy und ThyssenKrupp ihre Bücher. Und am Mittwoch folgen die Allianz, E.ON, Merck, RWE, Siemens und die Telekom aus der ersten und z. B. Ceconomy, Bilfinger und ProSiebenSat1 aus der zweiten Reihe.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

  • Montag, 11.05: Verbraucherpreisindex für China; Verbraucherpreisindex für Deutschland; ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone; Verbraucherpreisindex für die USA.
  • Dienstag, 12.05:Großhandelspreisindex für Deutschland; Beschäftigungsänderung und Industrieproduktion in der Eurozone; Bruttoinlandsprodukt der Eurozone; Erzeugerpreisindex für die USA. 
  • Mittwoch, 13.05: HCOB EMI Gesamtindex und HCOB EMI Dienstleistungsindex für Deutschland; Erzeugerpreisindex für die Eurozone; ADP Beschäftigungsänderungen in den USA.
  • Donnerstag, 14.05: Einzelhandelsumsätze in den USA.
  • Freitag, 15.05: NY Empire-State Produktionsindex; Entwicklung der Industrieproduktion in den USA.
     

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.