Eric Winograd, AllianceBernstein

Fed vs. Trump: Schlagabtausch mit hohem Einsatz

Der Geldpolitische-Kurs der US-Notenbank für diese Woche ist gesetzt. Wichtiger sind in diesen Wochen zwei Fragen: Wie unabhängig bleibt die Federal Reserve (Fed) und wer folgt auf den scheidenden US-Notenbankchef Jerome Powell? Die Angriffe Trumps auf hohe Entscheidungsträger wie Gouverneurin Lisa Cook zeigen, wie viel auf dem Spiel steht. Wir ordnen hier diese politischen Entwicklungen ein und klären, warum Jerome Powell auch nach seiner Amtszeit eine zentrale Rolle bei der Verteidigung der Unabhängigkeit der Fed einnehmen könnte.

Eric Winograd, AllianceBernstein

Wie unabhängig bleibt die Fed und wer folgt auf den scheidenden US-Notenbankchef Jerome Powell? Zwei grundlegende Fragen, die 2026 rund um die Geldpolitik im Fokus stehen werden. Erst vergangene Woche startete die Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof im Fall Trump gegen Cook. Dabei geht es darum, ob Gouverneurin Lisa Cook in ihrem Amt bleiben darf. Zuvor wollte Trump von seinem Recht Gebrauch machen und Cook wegen angeblichen Hypothekenbetrugs aus der Zeit vor ihrem Amtsantritt als Gouverneurin zu entlassen. Rechtsanalysten, die den Fall beobachten haben, gehen davon aus, dass die Richter Gouverneurin Cook in ihrem Amt belassen werden. In einem zweiten Fall „Trump gegen Slaughter“, steht die Frage im Raum, ob der Präsident das Recht hat, Beamte unabhängiger Behörden, die vom Kongress geschaffen wurden, zu entlassen – oder ob der Oberste Gerichtshof eine Ausnahme für die Fed schaffen wird.

Fed vs. US-Regierung

Gleichzeitig scheint die Regierung zu versuchen, Fed-Chef Jerome Powell wegen angeblicher Straftaten im Zusammenhang mit Kostenüberschreitungen bei der Renovierung von Fed-Gebäuden anzuklagen. Offensichtlich ist dies eine weitere Eskalation der Angriffe der Regierung auf die institutionelle Unabhängigkeit der Fed. Inzwischen hat die US-Notenbank mit einer eigenen Erklärung reagiert. Dieser außergewöhnliche Schlagabtausch macht deutlich, wie hoch der Einsatz ist.

Wo steht die Fed nun? Zunächst wird das FOMC diese Woche zusammentreten und voraussichtlich die Zinsen unverändert lassen. Angesichts des stabilen Arbeitsmarktes, der hartnäckigen Inflation, die über dem Zielwert liegt, sowie des starken Wachstums und der starken Finanzmärkte gibt es keinen Grund für eine Zinssenkung in diesem Monat. Der Leitzins liegt aktuell wieder im Bereich der neutralen Schätzungen. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass das Komitee im Verlauf des Jahres weiterer Zinssenkungen vornehmen wird. Eine Abschwächung des Arbeitsmarktes ist absehbar. Für weitere Zinsschritte benötigen die US-Währungshüter jedoch weitere Belege – aktuell pausiert das Komitee aus rein wirtschaftlichen und nicht aus politischen Gründen. 

Nachfolgeplanung mit Herausforderungen

Das nächste wichtige Thema nach dieser Sitzung ist die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell, dessen reguläre Amtszeit im Mai zu Ende geht. Klar ist, dass Präsident Trump nicht beabsichtigt, ihn erneut als Vorsitzenden zu ernennen. Die Eskalation der Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed hat die Nachfolgediskussion jedoch in zweierlei Hinsicht kompliziert gemacht.

  • Zum einen haben einige Senatoren, die jeden Kandidaten bestätigen müssen, bereits erklärt, dass sie dies nicht tun werden, solange das Gerichtsverfahren gegen Jerome Powell nicht abgeschlossen ist. Ich gehe davon aus, dass diese Frage entweder dadurch geklärt werden kann, dass die Regierung die Ermittlungen einstellt, oder dass die Senatoren nachgeben, wie es der Kongress im vergangenen Jahr bereits bei mehreren anderen Themen getan hat. Wenn der Senat nicht handelt, würde der Vorsitzende Powell wahrscheinlich bis zur Bestätigung seines Nachfolgers im Amt bleiben.
  • Der zweite Grund ist, dass Powell sich dafür entscheiden könnte, auch nach seiner Ablösung als Vorsitzender Gouverneur zu bleiben. Seine Amtszeit als Gouverneur läuft erst am 21. Januar 2028 aus. Frühere Vorsitzende sind unter ähnlichen Umständen zurückgetreten. Persönlich habe ich lange erwartet, dass Powell denselben Weg wählen wird. Wenn er jedoch zu dem Schluss kommt, dass sein Verbleib dazu beiträgt, die Unabhängigkeit der Fed zu schützen, könnte die Regierung nicht viel dagegen unternehmen.

Aufgrund dieser Unsicherheit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Regierung den nächsten Fed-Vorsitzenden ernennen wird, um den derzeit offenen Sitz im Vorstand zu besetzen, der vorübergehend von Gouverneur Stephen Miran gehalten wird. Der Hintergrund: jeder externe Kandidat muss vor seinem Amtsantritt zum Gouverneur ernannt werden. Wenn Powell nicht zurücktritt, wäre sein Sitz als Gouverneur nicht verfügbar. Angesichts der Mechanismen der Bestätigung durch den Senat muss die Ernennung jedoch in den nächsten Wochen erfolgen. Die Kandidaten von außerhalb der Fed, die diskutiert werden, sind Kevin Hassett, Kevin Warsh und Rick Rieder. Basierend auf den öffentlichen Überlegungen von Präsident Trump, schwanken die Wettmärkte zwischen den einzelnen Kandidaten. Einziger interner Kandidat ist der amtierende Gouverneur Christopher Waller.

In der Zwischenzeit scheint die Richtung der Geldpolitik vorerst festgelegt zu sein, sodass wir sowohl die Schlagzeilen als auch die Daten beobachten müssen.

Eric Winograd

Eric Winograd ist Director - Developed Market Economic Research und Chef-Volkswirt USA bei AllianceBernstein. AllianceBernstein ist eine weltweit führende Investment-Management-Gesellschaft, die institutionellen Anlegern, Privatpersonen und vermögenden Privatkunden in den wichtigsten Märkten der Welt diversifizierte Anlagedienstleistungen anbietet. Zum 31. August verwaltete AB Assets under Management in Höhe von 844 Mrd. US-Dollar.