Fed-Sitzung: Hämische Kritik aus Europa wäre scheinheilig
Die Fed hat wie erwartet die Leitzinsen nicht geändert. Alles andere wäre wirklich eine Überraschung gewesen und würde auch geldpolitisch wenig Sinn ergeben. Das Drama spielt sich daher auch eher hinter verschlossenen Türen ab. Trump verfolgt hartnäckig das Ziel, die Unabhängigkeit der Fed zu untergraben. Wenn dies gelingt, wird die Fed in den kommenden Jahren eine unangemessen lockere Geldpolitik betreiben – mit entsprechendem Einfluss auf die Inflation und auf die Entwicklung des US-Dollars. Möglicherweise ist die jüngste Dollarschwäche schon ein Vorgeschmack darauf, auch wenn wir derzeit eher davon ausgehen, dass hier eine mögliche geplante Stützung des japanischen Yen eine Rolle spielt.
Verdienter Respekt für Jerome Powell
Mit Kritik an der von Trump gewünschten Geldpolitik sollten wir uns in Europa trotzdem zurücknehmen. Während der Zeit der Finanzkrise, aber auch in den Jahren danach hat die EZB definitiv auch nicht in Reinform so agiert, wie eine unabhängige Notenbank agieren sollte. Zu oft hatte man den Eindruck, dass das primäre Ziel eigentlich darin besteht, dass sich Staaten auch in angespannten Zeiten entspannt refinanzieren können. Hämische Kritik aus Europa ist daher zu einem gewissen Grad scheinheilig. Gerade daher sollte heute jeder dem noch-Fed-Chef Jerome Powell großen Respekt zollen. Der Fed-Chef ist einem fast unmenschlichen Druck aus dem Weißen Haus ausgesetzt und bleibt trotzdem seinen Prinzipien treu. Mehr kann man nicht erwarten.