Stimmen zum Zinsentscheid der EZB

EZB legt eine Pause ein - wie lange?

Nachdem die Europäische Zentralbank die Zinsen im März um 25 Basispunkte erhöht hatte, legte sie dieses Mal eine Pause ein. Der Einlagenzins liegt damit weiterhin bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,40 Prozent, und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.

Zentrale der EZB in Frankfurt / Bild: EZB

Klaus Bauknecht: Über jeden Zweifel erhaben?

Die EZB hat ihre Leitzinssätze wie erwartet nicht angepasst. Derzeit besteht dafür auch kein unmittelbarer Handlungsdruck. Ein anhaltend hoher Ölpreis dürfte daran wenig ändern, da dieser die Konjunktur belastet und damit Zweitrundeneffekte dämpft. Das Risiko einer deutlich restriktiveren Geldpolitik mit mehreren weiteren Zinserhöhungen erscheint daher begrenzt. 

Gleichwohl muss die EZB angesichts der hohen Inflationsraten der vergangenen Jahre die Glaubwürdigkeit ihres Inflationsziels stärken. Die symmetrische Ausgestaltung des Inflationsziels könnte zwar eine womöglich überzogene restriktive Reaktion der Notenbank rechtfertigen, die IKB erwartet jedoch lediglich eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September. Entscheidend wird sein, dass sich die Zinskurve nicht weiter versteilt. Sonst wäre die EZB genötigt, das lange Ende durch Zinsanhebungen einzufangen

Dr. Klaus Bauknecht ist Chefvolkswirt bei der IKB Deutsche Industriebank AG

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Florian Heider: Die EZB lässt sich nicht drängeln

Angesichts der Sommerpause und der anhaltenden Unsicherheit hat sich die EZB heute nicht zu einer vorschnellen Entscheidung drängen lassen, sondern hält an ihrem abwartenden, datenabhängigen Kurs fest. Doch auch wenn sich die Inflation im Juni abgeschwächt hat, ist das Inflationsziel noch nicht erreicht.

Der verbleibende Preisdruck wird derzeit vor allem durch gestiegene Energiepreise infolge der Konflikte im Nahen Osten verursacht. Es handelt es sich um einen externen Kostenschock, dessen Folgen sich erst mit den kommenden Daten verlässlich beurteilen lassen. Dann wird sich zeigen, ob die höheren Energiepreise auf andere Preise und Löhne übergreifen und damit einen breiteren Inflationsdruck auslösen.

Aus heutiger Sicht spricht vieles für eine Zinserhöhung im Herbst. Die Finanzmärkte rechnen bereits weitgehend mit einem solchen Schritt. Mit den neuen Inflations- und Konjunkturdaten nach der Sommerpause wird die EZB besser beurteilen können, ob der aktuelle Kostendruck eine weitere geldpolitische Straffung erforderlich macht

Prof. Dr. Florian Heider ist Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE

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Edward Hutchings: Anhebung im September

Obwohl die heutige Entscheidung der EZB, die Zinsen unverändert bei 2,25 Prozent zu belassen, so erwartet wurde, ist klar, dass die Anleger im September mit einer Anhebung um 0,25 Prozent rechnen. Dadurch würde der Einlagensatz auf 2,50 Prozent steigen – ein Niveau, das seit Anfang letzten Jahres nicht mehr erreicht wurde. Die Inflationserwartungen bleiben erhöht, und sollte dies anhalten, könnte durchaus eine noch restriktivere Geldpolitik erforderlich sein. 

Ich würde erwarten, dass die EZB bei der Bekämpfung etwaiger unerwünschter Zweitrundeneffekte weiterhin proaktiv vorgeht. Es besteht jedoch kein Zweifel daran, dass sich bei europäischen Anleihen zunehmend Wertpotenzial ergibt. Da insgesamt nahezu +0,65 Basispunkte eingepreist sind, erscheinen Übergewichtungen zunehmend attraktiv, auch wenn kurzfristig weiterhin eine gewisse Vorsicht geboten sein dürfte.

Insgesamt ist die unmittelbare Priorität der EZB klar: Sie muss dem inflationären Umfeld begegnen. Insofern liegt der Markt mit der Annahme richtig, dass weitere Zinserhöhungen folgen werden. Doch da bereits eine Zinserhöhung erfolgt ist und mehr als zwei weitere Zinsschritte eingepreist sind, stellt sich die Frage, ob der Markt mit seinen Erwartungen inzwischen zu weit gegangen ist. Es sieht zunehmend danach aus.

Edward Hutchings ist Head of Rates bei Aviva Investors