Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

Exportwachstum: Aufhellender Ausblick für „Made in Germany“?

Eine nachlassende Sensitivität der deutschen Exportgüter auf die globale Nachfrage sowie ein preislicher Wettbewerbsverlust haben der deutschen Exportwirtschaft vor allem seit der Corona-Pandemie zugesetzt. Dennoch kann für das laufende und kommende Jahr von einer positiven Exportdynamik ausgegangen werden. Die IKB geht von einem deutschen Exportwachstum von rund 2 Prozent in diesem und im kommenden Jahr aus.

Dr. Klaus Bauknecht, IKB Deutsche Industriebank AG

Unsicher bleibt jedoch, zu welchem Maße sich die abnehmende Sensitivität der globalen Nachfrage erholen wird und so eine höhere Exportdynamik in Relation zum globalen Wachstum sicherstellen würde. Hier spielen lokale Faktoren wie die Investitionsattraktivität des Standorts Deutschland, aber auch globale Aspekte wie der wachsende Wettbewerb aus  China eine Rolle. Es ist also mehr als eine globale Konjunkturerholung notwendig.

Konjunkturerholung gibt Auftrieb, … 

Der Rückgang der deutschen Exporte scheint sich im Jahr 2026 stabilisiert zu haben. So konnten die Ausfuhren im ersten Quartal mit über 3 Prozent zum Vorquartal wieder zulegen, nachdem sie in den drei vorangegangenen Jahren jeweils rückläufig waren. Die Exportentwicklung wird sowohl von konjunkturellen als auch strukturellen Faktoren beeinflusst. Genannt werden insbesondere das schwache globale Wachstum, höhere Zollmauern, zunehmende Wettbewerbsverluste des Standorts vor allem seit 2022 und die wachsende Konkurrenz aus China. Auch die Bundesbank kommt in einer aktuellen Studie (Welchen Beitrag leistete die schlechtere preisliche Wettbewerbsfähigkeit zur jüngsten deutschen Exportschwäche? | Publikationen der Bundesbank) zu dem Schluss, dass die Exportschwäche Deutschlands nicht allein auf Preisfaktoren (preislicher Wettbewerb) oder konjunkturellen Gegenwind zurückzuführen ist. Auch strukturelle Faktoren, die der Angebotsseite der deutschen Wirtschaft zuzuordnen sind, spielen eine Rolle. 

Die erwartete globale Konjunkturerholung vor allem im Jahr 2027 könnten dem deutschen Export grundsätzlich Auftrieb geben und die strukturellen Herausforderungen etwas entschärfen. So wird von einem positiven Wachstum der deutschen Exporte 2026 und vor allem 2027 ausgegangen. Doch was ist der konkrete Ausblick, und mit wieviel Gegenwind ist zu rechnen? 

… doch strukturelle Faktoren sorgen für Gegenwind  

Eine Schätzung des deutschen Exportwachstums in Abhängigkeit des globalen Nachfragewachstums und der Veränderungen des realen effektiven Wechselkurses bestätigt einen dominanten Einfluss struktureller Faktoren – vor allem seit 2022. So ist die Nachfrageelastizität der deutschen Exporte vor allem seit 2022 zurückgegangen. Ein Prozentpunkt globales Wachstum führt also zu einem geringeren Anstieg der deutschen Exporte als noch vor 2022. Die Elastizität ist gemäß IKB Schätzungen von 2,3 auf nur noch 1,3 gesunken. Während die deutsche Wirtschaft früher ein Welt BIP-Wachstum von knapp 2 Prozent benötigte, um Exporte stabil zu halten, ist hierfür nun ein globales Wachstum von über 3 Prozent erforderlich. Nicht nur ein schwaches globales Wachstum, sondern auch eine schwächere Reaktion darauf hat also das deutsche Exportbild belastet. 

Warum profitiert die deutsche Volkswirtschaft nicht mehr in dem Maße wie in früheren Jahren von der globalen Nachfrage? Konkret sind zunehmende Auslandsverlagerungen von Produktionskapazitäten sicherlich ein Grund, aber auch der stärkere chinesische Wettbewerb. Der Wettbewerbsdruck hat sich insbesondere für die deutsche Exportwirtschaft verschärft, da China durch seine Wachstumsstrategie verstärkt in höhere Wertschöpfungsstufen drängt, verschärft. Es mag auch an einer veränderten globalen Wachstumsdynamik liegen, die vor allem seit 2025 in den USA verstärkt von Investitionen in KI getrieben wird und weniger von klassischen Investitionen in Ausrüstungen und Maschinen. So spielen Dienstleistungen eine immer wichtigere Rolle. Der Produktmix der deutschen Exportwirtschaft scheint dagegen weniger gefragt zu sein. So ist Deutschlands Anteil an den globalen Exporten seit 2022 besonders stark zurückgegangen. 

Wechselkurs hat Exportwachstum in jüngster Zeit belastet 

Der reale effektive Wechselkurs als Maßstab des preislichen Wettbewerbs hat gemäß IKB-Schätzungen eine Elastizität von -0,5. Eine Abwertung des realen effektiven Wechselkurses von 1 Prozent sorgt also für ein Exportwachstum von rund 0,5 Prozent. Bundesbank-Schätzungen deuten auf einen Koeffizienten zwischen -0,2 und -0,4 hin. Andere Schätzungen kommen sogar auf einen Koeffizienten des REEX (realer effektiver Wechselkurs) zwischen -0,6 und -0,7. All diese Analysen zeigen, welcher Hebel sich aus einem preislichen Wettbewerbsvorteil für die deutschen Exporte ergeben könnte. 

So hat auch die Abwertung des EUR/USD bzw. des REEX in Folge der Finanzkrise dem deutschen Export spürbaren Auftrieb gegeben. Die Aufwertung des REEX zwischen 2023 und 2025 von über 5 Prozent hat wiederum Exporte mit rund 2,5 Prozent belastet.  

Exportausblick für 2026 und 2027 – dennoch positiv  

Wird ein globales Wachstum von 3 Prozent im Jahr 2026 und 3,2 Prozent im Jahr 2027 sowie ein konstanter  Wechselkurs bzw. preislicher Wettbewerb unterstellt, würde das Modell eine Stabilisierung der Exporte anzeigen – jedoch kein spürbares Wachstum. Die Berücksichtigung von Zöllen würde zu dem auf eine Verschlechterung des preislichen Wettbewerbs hindeuten. Wird die seit 2022 niedrigere Elastizität der globalen Nachfrage ignoriert, würde sich ein Wachstum von 2,5 Prozent im Jahr 2026  und fast 3 Prozent im Jahr 2027 ergeben.

Exporte in den ersten Monaten von 2026 zeigen eine Dynamik, die solch eine Prognose stützen würde. Wie stark die strukturellen Herausforderungen die weitere  Dynamik jedoch belasten werden, bleibt abzuwarten.

Nichtdestotrotz deuten Daten und Modellschätzungen vor allem im Vergleich zu den Vorjahren auf eine positive Exportentwicklung für dieses und das kommende Jahr hin. Die IKB erwartet ein Wachstum von oder über 2 Prozent in diesem und im kommenden Jahr. Hierfür braucht es allerdings eine etwas höhere Reaktion der Exporte auf das globale Wachstum, als dies in den letzten Jahren der Fall war. Dies erscheint angesichts jüngster Exportzahlen und eines verbesserten Investitionsausblicks in Deutschland gerechtfertigt. Die Abbildung unten zeigt die Modellschätzungen sowie Prognosen.

Exporte einzelner Branchen – wie heterogen ist die Entwicklung? 

Laut Bundesbank erklären die preislichen Wettbewerbsindikatoren nur einen begrenzten Teil der jüngsten deutschen Exportschwäche. Zusätzlich konnte die schwächere Nachfrage der Handelspartner fast 25 Prozent der Abweichung des durchschnittlichen Exportwachstums 2022 bis 2025 vom Vor-Corona-Trend erklären. Die Bundesbank kommt zu der Schlussfolgerung, dass strukturelle Faktoren eine bedeutende Rolle gespielt haben. Diese sind laut Bundesbank „sektorale Kostenbelastungen, die durch gesamtwirtschaftliche Indikatoren nur unvollständig erfasst werden, ebenso wie der Produktmix der deutschen Exporte und heimische Standortbedingungen“. 

Die Exporte der Branchen Chemie, Automotive und Maschinenbau weisen neben branchenspeziellen Belastungen wie technologische Disruptionen oder hohe Energiekosten eine ausgeprägte Konjunkturabhängigkeit auf. Anders als die Elektro-, Pharma- oder Metallindustrie haben gerade diese Branchen in den letzten Jahren ihren Anteil an den deutschen Gesamtexporten verloren. Diese drei Branchen machen insgesamt fast 40 Prozent der deutschen Exporte aus, ihre Schwäche war somit ein bedeutender Treiber für die allgemeine deutsche Exportschwäche.  

Die Gründe hierfür wurden bereits genannt. Zum einen wächst die Weltwirtschaft und die USA insbesondere verstärkt durch KI-Investitionen. Der Bedarf an den hierfür notwendigen Vorleistungs- und Investitionsgütern wird nur begrenzt vom deutschen Produkt-Mix adressiert. So sind es nicht allein die Zölle, die das Exportwachstum in die USA unter Druck setzen. Zudem belastet auch die chinesische Offensive in die höhere Wertschöpfung vor allem in klassische Industrien wie Automobil und Maschinenbau die deutsche Exportwirtschaft. Doch über all dem steht auch ein preislicher Wettbewerbsverlust durch u.a. hohe Lohnkosten sowie fehlende Investitionen am Standort Deutschland. 

Klaus Bauknecht

Dr. Klaus Bauknecht ist als Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank AG verantwortlich für die volkswirtschaftlichen Analysen, Prognosen und Einschätzungen der Bank. Er schreibt zu aktuellen und übergeordneten Konjunktur-, Volkswirtschafts- und Marktthemen. Zudem kommentiert er regelmäßig konjunkturelle Entwicklungen in renommierten Wirtschaftsmedien und ist mit seinen pointierten Präsentationen häufiger Gast bei Verbänden und Unternehmen.  Zuvor arbeitete Klaus Bauknecht in verschiedenen leitenden Positionen anderer Banken und im südafrikanischen Finanzministerium.

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