Naomi Fink, Amova AM

Eskalation im Iran, Unglaube an den Märkten

Die Eskalation im Nahen Osten: Die Märkte beruhigen sich vorerst, doch niemand sollte das Potenzial für Volatilität ignorieren.

Naomi Fink, AmovaAM

Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die Vergeltungsschläge Teherans im gesamten Nahen Osten lösten einen Ausverkauf an den asiatischen Börsen aus. Die US-Aktienfutures sind deutlich gefallen, die VIX-Futures und die Ölpreise sind gestiegen. Der traditionelle sichere Hafen Gold hat sich auf ein Rekordhoch erholt.

Nur ein begrenzter Konflikt?

Sowohl die Aktien- als auch die Anleihemärkte scheinen jedoch einen begrenzten Konflikt einzupreisen. Angesichts des unmittelbaren Ausmaßes des Konflikts und der Ungewissheit über den Ausgang ist dies überraschend.

So war beispielsweise der Anstieg der generischen VIX-Futures für den nächsten Monat bisher im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit nicht ungewöhnlich; höhere Niveaus wurden zuletzt im November 2025 beobachtet. Unterdessen werden Terminkontrakte über dem Kassakurs gehandelt, was eher für Zeiten mit begrenzter Volatilität charakteristisch ist. Dies könnte sich jedoch ändern und ist als Stimmungsindikator zu beobachten.

Mehr Risiken für japanische Aktien

Für japanische Aktien scheint der Angriff der USA und Israels auf den Iran nicht der einzige Risikofaktor zu sein, der die Stimmung belastet. Die Schwäche der Finanzwerte wurde von den Medien nur teilweise auf den Anstieg des geopolitischen Risikos zurückgeführt. Sie spiegelt auch die sich wandelnden Erwartungen hinsichtlich des Zinserhöhungskurses der Bank of Japan, die wachsende Sorge um die Gesundheit der Kreditmärkte und die Unsicherheit über die Glaubwürdigkeit der heimischen Fiskalpolitik wider.

Bemerkenswert ist, dass der Yen, ein traditioneller sicherer Hafen, von den Angriffen weitgehend unberührt bleibt. Dies deutet darauf hin, dass entweder die Risikoaversion noch nicht so stark zugenommen hat, dass es zu einer breit angelegten Auflösung der mit Yen finanzierten „Carry Trades” kommt, oder dass die Zeiten des Geldhortens in Japan vorbei sind und dass geopolitische Spannungen mit ihren potenziell inflationären Auswirkungen und ihrem Druck auf die Realzinsen den Wert des Yen untergraben könnten, wenn es keine weiteren Zinserhöhungen gibt. Der Yen ist weiterhin unterbewertet.

Höhere Inflation langfristig möglich

Langfristig bleibt das Verhältnis von Unsicherheit und Preisen ein wichtiger Faktor für Risikoanlagen, Dollar und Yen. Es gibt Hinweise darauf, dass ein Anstieg verschiedener Arten politischer Unsicherheit mit einer gewissen Verzögerung tendenziell zu einer höheren Inflation führt.

Es ist daher möglich, dass die Märkte diese Veränderung noch nicht vollständig eingepreist haben, auch wenn die Banken bisher verhalten reagiert haben. Es wäre unklug, das Potenzial für weitere Volatilität außer Acht zu lassen.

Naomi Fink

Naomi Fink ist Global Strategist bei Amova Asset Management. Amova AM ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200 Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 260,3 Milliarden US-Dollar (konsolidert). Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.