Energieschock stärkt die Argumente für Infrastrukturinvestitionen
In der Folge erfuhren die Aktienmärkte eine Korrektur, die Renditekurven von Staatsanleihen verlagerten sich nach oben, der Goldpreis gab nach und der US-Dollar profitierte als sicherer Hafen. Der Angebotsschock am Ölmarkt führte zu einem starken Anstieg der Energiepreise. Dies dürfte das Wachstum dämpfen und die Gesamtinflation erhöhen. In diesem Umfeld profitieren defensive und inflationsgeschützte Sektoren wie Infrastruktur.
Die zentralen wirtschaftlichen Risiken ergeben sich aus den Energiepreisen und dem Energieangebot. Diese machen sich sowohl für Verbraucher als auch für Unternehmen in Form einer höheren Inflation unmittelbar bemerkbar. Ein kurzer, aber heftiger Schock könnte von den Zentralbanken und politischen Entscheidungsträgern als einmaliges Ereignis gewertet werden, sodass der Zinspfad unverändert bliebe. Eine anhaltende Störung hingegen könnte sich über Lieferketteneffekte auf die globale Wirtschaft auswirken. Dann käme es zu erhöhten Transportkosten und in der Folge zu höheren Verbraucherpreisen, ausgelöst durch Zweitrundeneffekte. Dies könnte die Geldpolitik hinsichtlich Zinserhöhungen beeinflussen, wie es an den Märkten zunächst befürchtet wurde.
Dämpfend auf diese anfänglichen Sorgen wirkt die Tatsache, dass der US-Einsatz im Iran als kurz und entschlossen angelegt ist. Er soll das bestehende Regime beseitigen und die wachsende nukleare Bedrohung durch den Iran beenden. Beide Ziele wurden bislang teilweise erreicht. US-Präsident Donald Trump hat jedoch signalisiert, dass der Konflikt länger andauern könnte und so lange fortgesetzt wird, bis die Ziele vollständig erreicht sind.
Übergeordnete makroökonomische Faktoren
Über die unmittelbaren Auswirkungen des Nahostkonflikts hinaus wird das aktuelle Umfeld von einem breiteren Spektrum struktureller makroökonomischer Faktoren geprägt. In der derzeitigen Situation sehen wir sowohl positive als auch negative makroökonomische Risiken, darunter einige geopolitischer Natur.
Auf der positiven Seite sehen wir das Potenzial für nachhaltig höhere Produktivitätszuwächse von bis zu zwei Prozent in den USA. Fed-Chef Jerome Powell hat die makroökonomische Bedeutung steigender Produktivität hervorgehoben. Diese ermöglicht es der Wirtschaft, schneller zu wachsen, ohne entsprechend starken Inflationsdruck zu erzeugen. Das schafft ein positives Umfeld für Aktien und erklärt teilweise das derzeit zu beobachtende Wachstumsmomentum in den USA. Zudem sehen wir Spielraum für moderat niedrigere nominale Leitzinsen, was zusätzliches Aufwärtspotenzial für die Märkte mit sich bringt.
Makroökonomische Risiken
In den Medien und unter Marktkommentatoren wird derzeit viel über Abwärtsrisiken diskutiert. Inmitten dieses Rauschens sehen wir die folgenden wesentlichen makroökonomischen Risiken für die Märkte: eine Entkopplung der langfristigen Inflationserwartungen von den Zielwerten der Zentralbanken, ein struktureller Anstieg der in den globalen Langfristzinsen enthaltenen Laufzeitprämien, anhaltende Haushaltsdefizite sowie hohe staatliche Verschuldung. Ein weiteres Risiko sind steigende Renditen langfristiger japanischer Staatsanleihen, die potenziell eine globale Anleihemarktkorrektur auslösen könnten. Ebenso riskant sind zunehmende geopolitische Spannungen, die zu einer Ausweitung von Konflikten führen könnten.
Wir sind der Ansicht, dass sich die tatsächlichen Auswirkungen geopolitischer Risiken nur schwer quantifizieren lassen. Die wesentlichen Risiken sehen wir in möglichen militärischen Interventionen der USA, beispielsweise in Grönland oder Venezuela, oder Chinas, beispielsweise in Taiwan oder anderen Teilen des Pazifiks – vergleichbar mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine.
Auch wenn diese weiterhin erhebliche makroökonomische Risiken darstellen, berücksichtigen wir bei unserer Allokation aus der Perspektive der Gewinnnachhaltigkeit und des Gewinnwachstums dieses sich fortlaufend verändernde Risikoprofil in den von uns bevorzugten Ertragschancen.
Infrastruktur als defensiver Anker
Dieses Umfeld begünstigt nach wie vor die defensiven und inflationsgeschützten Eigenschaften der Anlageklasse Infrastruktur. Unsere Beteiligungen an der US-amerikanischen LNG-Exportinfrastruktur profitieren von den sich verschärfenden Störungen im globalen LNG-Angebot. Dies unterstreicht den strategischen Wert diversifizierter Energielieferketten. Die übergeordneten, mehrjährigen Trends, die diese Anlageklasse antreiben – Elektrifizierung, Modernisierung der Stromnetze, steigende Nachfrage nach Rechenzentren und Energiesicherheit – sind weiterhin intakt und haben möglicherweise sogar an Dringlichkeit gewonnen.
Auch wenn sich die Anlageklasse im Quartalsverlauf stark entwickelt hat und die Bewertungen teilweise gestiegen sind, sehen wir nach wie vor attraktive Chancen auf Sektor- und Einzeltitelebene. Hier sind Risiken aus unserer Sicht übermäßig in die Bewertungen eingepreist.
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