Roberta Caselli, Global X

Elektrifizierung und Energiesicherheit treiben Lithium-Nachfrage

Der Lithiummarkt preist möglicherweise neben dem herkömmlichen Wachstumspotenzial durch Elektrofahrzeuge zunehmend auch Risiken für die Energiesicherheit ein, da die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten und die gestiegenen Ölpreise die strategische Bedeutung der Elektrifizierung und der Batteriespeicherung untermauern.

Roberta Caselli, Global X

Da China seine Investitionen in Ladesysteme für Elektrofahrzeuge und die Strominfrastruktur weiter ausbaut, sind die Preise für Lithiumcarbonat in China seit Jahresbeginn um rund 50 Prozent gestiegen. Sie nähern sich damit ihrem höchsten Stand seit 2023, gestützt durch eine starke Nachfrage, schwindende Lagerbestände und ein begrenztes Angebot.

In Europa scheint der jüngste Energiepreisschock die Verbreitung von Elektrofahrzeugen beschleunigt zu haben, wobei die Zulassungen von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen im März 2026 in den wichtigsten EU-Märkten um 51 Prozent gestiegen sind. Im ersten Quartal wurden EU-weit mehr als 500.000 Elektrofahrzeuge zugelassen. Dies verdeutlicht, wie die Sorge um Energieabhängigkeit und Kraftstoffkosten die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien und der gesamten Wertschöpfungskette der Elektrifizierung zunehmend ankurbeln könnte.

Speichersysteme fragen Lithium nach

Parallel dazu entwickeln sich Speichersysteme zu einer wichtigen zusätzlichen Nachfragequelle für Lithium. Die Zahl der kommerziellen Batteriespeicheranlagen in Europa hat sich im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Die Nachfrage seitens großer Speicheranlagen und Rechenzentren könnte zu einem immer bedeutenderen Treiber für den Lithiumverbrauch werden, insbesondere da Batterien als kritische Infrastruktur für die Energiesicherheit und die Integration erneuerbarer Energien betrachtet werden.

Auf der Angebotsseite könnte der Markt weiter anfällig für eine Verknappung bleiben Berichten zufolge führen die steigenden Schwefelsäurekosten im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu höheren Kosten bei der Lithiumgewinnung, während Minenschließungen in China und Exportbeschränkungen in Simbabwe die Lieferketten zusätzlich unter Druck setzen könnten.

Gefahr vor Lithiumengpässen

Vor diesem Hintergrund besteht die Gefahr, dass es im Laufe dieses Jahrzehnts zu strukturellen Lithiumengpässen kommt, sollten die Investitionen in neue Förderkapazitäten nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten können, die durch die Elektrifizierung, die Sicherung der Netzstabilität und die Priorisierung der Energiesicherheit angetrieben wird.

Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und Handelsbeschränkungen legen Regierungen immer mehr Wert auf die heimische Versorgung mit kritischen Mineralien, die in den Bereichen Energie, Verteidigung und KI-Infrastruktur zum Einsatz kommen. Dieser Trend könnte neue Chancen für Bergbauunternehmen eröffnen. Die Lithiumversorgung hat sich seit 2020 deutlich ausgeweitet; Branchenprognosen deuten jedoch darauf hin, dass langfristig möglicherweise noch erhebliche Neuinvestitionen erforderlich sein werden, um das künftige Nachfragewachstum zu decken.

Roberta Caselli

Roberta Caselli ist Commodities Research Analyst bei Global X, 2008 in New York gegründet und seit 2020 auch in Europa tätig. Global X konzentriert sich auf innovative ETFs mit dem Fokus auf Technologie und IT, wie zum Beispiel Cloud-Computing, Metaverse oder Internet of Things. An der Börse München sind knapp 40 ETFs von Global X handelbar.