Naomi Fink und Takuya Horikoshi, Amova AM

Droht das Ende des Yen-Carry-Trade?

Die Schwankungen bei japanischen Staatsanleihen (JGB) mit sehr langer Laufzeit haben gezeigt, wie empfindlich die Märkte auf die Politik und die fiskalische Glaubwürdigkeit Japans reagieren. Dass die Notenbank BOJ diese Kurskapriolen zulässt und gleichzeitig ihre politische Unabhängigkeit bewahrt, macht die Lage nicht einfacher. Carry-Trades stehen zwar nicht vor ihrer abrupten Auflösung, machen die Entwicklungen in Japan aber zu einer globalen Marktvariable, die es zu beobachten gilt.

Naomi Fink, Amova AM

Die jüngste Erschütterung der weniger liquiden Sektoren des JGB-Marktes zeigt keine systemische Krise. Die Signale sind jedoch weltweit von Bedeutung.

Steht Japan vor dem fiskalischen Bruch?

Die Märkte sagen nicht, dass Japan seine Schulden nicht bezahlen kann – das Verhältnis von Schulden zu Steuereinnahmen hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Das Augenmerk der Märkte richtet sich derzeit darauf, ob nach den Wahlen ein stabiler Finanzplan vorgelegt wird. Jede Regierung sollte sich bewusst sein, dass sich die Finanzierungsbedingungen Japans leicht verschlechtern könnten, wenn der Anstieg des Realzinses nicht unter Kontrolle gehalten wird.

Unabhängigkeit der BOJ ist intakt

Die Möglichkeit, dass Japan vermehrt auf Staatsausgaben setzt, erhöhte die Wahrscheinlichkeit von Inflationsraten über dem Ziel der BOJ. Das zögernde Vorgehen der BOJ bedeutet jedoch nicht, dass die Staatsausgaben ihr Handeln bestimmen. Eine Zentralbank, die den Finanzierungsbedarf der Regierung deckt, hätte den jüngsten Anstieg der Renditen (und damit der Kreditkosten) nicht zugelassen. Darüber hinaus ist die BOJ bereit, die Geldpolitik zu straffen, wenn sie größere Inflationsrisiken sieht. Die Unabhängigkeit der Zentralbank ist nicht verloren gegangen, sie toleriert lediglich vorübergehend Volatilität.

Der Yen-Carry-Trade und seine Auswirkungen auf die globalen Märkte

Die Warnsignale der JGBs wurden vom Devisenmarkt wahrgenommen; der Yen wurde aggressiv verkauft. Da die BOJ ihre Geldpolitik stärker straffen könnte, um diese Abwertung einzudämmen, richteten die Märkte ihren Fokus auf eine mögliche Veränderung der Carry-Trade-Dynamik. Der billige Yen versorgte Anleger mit kostengünstigen Finanzmitteln, die sie in höher verzinsliche Anlagen investieren konnten. Zinserhöhungen würden diese günstige Finanzierungsbasis schrumpfen, mit entsprechenden Auswirkungen auf risikoreiche Anlagen.

Wenn die Marktvolatilität steigt oder die Finanzierung weniger vorhersehbar wird, kann sich die Wirtschaftlichkeit von Carry schnell ändern. Renditedifferenzen sind dann keine verlässlichen Indikatoren mehr für das Währungsverhalten.

Lawinengefahr

Der Dollar könnte nachgeben, wenn Anleger eine höhere Risikoprämie verlangen. Der Yen als Finanzierungswährung hingegen hat hierfür weitaus weniger Spielraum. Kombiniert man einen schwächeren Dollar mit einer aggressiver straffenden BOJ, sind die Voraussetzungen für eine Auflösung des Carry Trade gegeben. Eine plötzliche Auflösung könnte Stress auf Aktien, Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Bonds übertragen, insbesondere wenn sie höhere Finanzierungskosten für Unternehmen bedeutet. Zum jetzigen Zeitpunkt steht eine solche Auflösung nicht unmittelbar bevor. Aber einmal in Gang gesetzt, kann sich diese Entwicklung schnell zu einer Lawine entwickeln.

Naomi Fink

Naomi Fink ist Global Strategist bei Amova Asset Management. Amova AM ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200 Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 260,3 Milliarden US-Dollar (konsolidert). Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.

Takuya Horikoshi

Takuya Horikoshi ist Senior Fund Manager im Domestic Bond Fund Management Team von Amova Asset Management. Amova Asset Management ist ein globaler Asset Manager mit Sitz in Japan. Unsere Geschichte begann 1959 mit dem Ziel, Privatanleger und institutionelle Investoren weltweit dabei zu unterstützen, ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Unsere über 200* Anlageexpertinnen und -experten managen eine breite Palette von Strategien mit einem verwalteten Vermögen von 270,8 Milliarden US-Dollar**. Wir gestalten gemeinsam mit unseren Stakeholdern eine bessere Zukunft durch fortschrittliche Investmentlösungen. Amova Asset Management ist stolzes Mitglied der Sumitomo Mitsui Trust Group. Nikko Asset Management wurde mit Wirkung zum 1. September 2025 in Amova Asset Management umbenannt.