Die neue Rolle geopolitischer Risiken bei Anleiheinvestments
Solange die Entwicklung letztlich in Richtung einer gesteuerten Deeskalation weist, könnte dieser verstärkte Zusammenhang zwischen geopolitischen Risiken und der Volatilität am Anleihemarkt nicht nur eine Risikoquelle, sondern auch eine Quelle für Anlagechancen sein.
Die wichtigsten Aussagen auf einen Blick:
Geopolitische Risiken sind zu einem wichtigeren Treiber der Volatilität an den Anleihemärkten geworden. In den vergangenen zwei Jahren hat sich ihr Zusammenhang deutlich verstärkt.
Neu ist nicht die Anzahl oder das Ausmaß geopolitischer Schocks, sondern ihre Beschaffenheit. Die jüngsten Schocks unterscheiden sich grundlegend von den früheren, „typischen“, denn
- Sie erhöhten die Unsicherheit über die Inflation in den USA und damit über die künftige Zinspolitik der Fed.
- Sie hatten ihren Ursprung in den USA.
Während geopolitische Schocks traditionell eher zu einem Rückgang der Laufzeitprämie und der Renditen von US-Staatsanleihen führten, haben die jüngsten Schocks beides in die Höhe getrieben. Daraus ergibt sich ein neuartiger und verstärkter Effekt auf die Anleiherenditen. Dies erklärt aus Sicht der Experten, warum die langfristigen Anleiherenditen vergleichsweise hoch bleiben, obwohl die Märkte mit niedrigeren Leitzinsen und einer geringeren Zinsvolatilität rechnen.
Vorhersehbare Volatilität
Wir beschreiben das aktuelle Umfeld mit dem Begriff „vorhersehbare Volatilität“. Geopolitische Spannungen können wiederholt Marktschwankungen auslösen. Der Weg ist volatil, das Ziel einer Deeskalation bleibt jedoch weitgehend erkennbar.
Für Anleger ist Volatilität zunehmend nicht nur ein Risiko, sondern auch eine Chance. Durch Schlagzeilen ausgelöste Abverkäufe und Kursanstiege können attraktive Gelegenheiten eröffnen, besonders in einem Zinsumfeld, das sich insgesamt innerhalb einer bestimmten Bandbreite bewegt. Geopolitische Risiken sind nicht mehr lediglich eine Bedrohung, sondern werden zunehmend handelbar.