Die Bewertungen erscheinen attraktiv – wenn sich der Ölpreise normalisiert
Selbst ohne weitere Eskalation gilt: Je länger der Status quo mit eingeschränkten oder ausbleibenden Transporten von fossilen Energieträgern durch die Straße von Hormus anhält, desto schwieriger wird eine rasche Erholung der Energiemärkte – insbesondere angesichts begrenzter Kapazitäten bei Förderung, Verflüssigung und Regasifizierung (bei Erdgas), Transport und Raffinierung.
Kurz gesagt: Die Bewertungen erscheinen attraktiv, sofern sich die Ölpreise normalisieren. Dieses Signal schwächt sich jedoch ab oder kehrt sich sogar um, falls der Preis für Rohöl auf dem aktuellen Niveau verharrt oder weiter steigt.
Der Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin insgesamt stabil. Es gibt noch keine eindeutigen Rezessionssignale, auch wenn sich einige Frühindikatoren abgeschwächt haben und die BIP-Prognosen von früheren Höchstständen zurückgekommen sind.
Inflation bleibt die zentrale Herausforderung. Bereits vor dem Konflikt lag sie über dem Zielwert und die steigenden Ölpreise erhöhen das Risiko eines erneuten Inflationsschubs. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin US-Realzinsen und Inflationsschutz gegenüber einer klaren Long-Duration-Position. Die Marktpreise zeigen bislang nur eine begrenzte Bereitschaft, tatsächliche Fed-Zinserhöhungen einzupreisen. Dies dürfte das kurze Ende der Kurve kurzfristig in einer Bandbreite halten.
Insgesamt bleiben wir gegenüber nominaler US-Duration neutral, gegenüber US-Realzinsen positiv und hinsichtlich des Risikos einer Versteilerung der Zinskurve taktisch wachsam, sollte die Laufzeitprämie am langen Ende weiter steigen.
Euro-Zinsmärkte: Wiederaufbau einer konstruktiven Duration-Position bei gleichzeitiger Vorsicht gegenüber Peripherie-Spreads
Nach einer vorübergehenden neutralen Positionierung nach den Angriffen auf den Iran bauen wir wieder eine Übergewichtung in der Euro-Duration auf. Bewertungsmodelle deuten darauf hin, dass deutsche Renditen im Vergleich zu den in unseren Szenarien unterstellten makroökonomischen und Ölpreisannahmen attraktiv erscheinen – selbst in einem „higher-for-longer“-Energiepreisumfeld. Der jüngste Ausverkauf scheint unser Basisszenario zu übersteigen.
Die Korrektur bei langlaufenden Anleihen war stark genug, um bei einer Entspannung ein erhebliches Erholungspotenzial zu bieten. Gleichzeitig sehen wir auf diesem Niveau geringere Abwärtsrisiken als in den USA. Ein negatives Energieszenario dürfte in Europa eher zu einer Nachfrageschwäche führen.
Während sich der Konjunkturzyklus leicht abgeschwächt hat, sind die Inflationsrisiken gestiegen. Diese Kombination spricht für Duration im längeren Laufzeitbereich, erfordert jedoch Vorsicht am kurzen Ende. Dort könnten die Märkte die Reaktion der Europäischen Zentralbank noch neu bewerten.
Gleichzeitig bleiben wir bei Peripherie-Spreads vorsichtig. Unsere Short-Position in Italien, die wir Anfang März aufgebaut hatten, haben wir geschlossen. Wir sehen jedoch derzeit keinen überzeugenden Grund, das Spread-Risiko nach der jüngsten Einengung deutlich zu erhöhen. Im Vergleich zu den Zinsmärkten haben sich Risikoanlagen gut gehalten. Insbesondere italienische Spreads erscheinen uns im aktuellen makroökonomischen Umfeld als eng bewertet.
Australien & UK: klarere Duration-Überzeugung für Australien – UK vorsichtiger bewertet
Wir bleiben konstruktiv für den australischen Zinsmarkt eingestellt und betrachten Australien weiterhin als eine unserer klareren Überzeugungen im Bereich Duration. Obwohl die Reserve Bank of Australia einen relativ restriktiven Ton beibehält und die Inflation über dem Ziel liegt, ist dies aus unserer Sicht weitgehend eingepreist.
Demgegenüber erscheinen die zugrunde liegenden Wachstumsdynamiken anfälliger und die Märkte wirken hinsichtlich des geldpolitischen Pfads weiterhin zu ambitioniert. Dies eröffnet Potenzial für fallende Renditen, wenn Investoren das Gleichgewicht zwischen anhaltender Inflation und schwächerem Wachstum neu bewerten. Zudem bietet Australien derzeit eine „sauberere“ Duration-Positionierung als andere entwickelte Märkte, die stärker von geopolitischer und politischer Unsicherheit geprägt sind.
Wir haben unsere Long-Position in britischen Staatsanleihen in den meisten Portfolios reduziert. Mittelfristig gehen wir zwar weiterhin davon aus, dass die Bank of England das zuvor eingepreiste Ausmaß an Straffung nicht bestätigen wird. Kurzfristige Volatilität und fiskalische Unsicherheiten machen die Position jedoch derzeit weniger attraktiv.
Das lange Ende der Zinskurve bleibt anfällig für Sorgen über Defizitfinanzierung, politische Unsicherheiten und steigende Laufzeitprämien. In diesem Umfeld bevorzugen wir eine selektive Long-Duration-Positionen in britischen Staatsanleihen gegenüber einer breit angelegten.
Schwellenländer: konstruktiver bei Währungen, selektiv bei anderen Anlageklassen
Trotz höherer Ölpreise, steigender Renditen der Kernländer und anhaltender geopolitischer Unsicherheit haben sich Schwellenländeranlagen bemerkenswert widerstandsfähig gezeigt. Die Spreads bei Hartwährungsanleihen haben sich nur moderat ausgeweitet. Der Großteil der negativen Performance resultierte aus den gestiegenen US-Renditen und nicht aus einer deutlichen Neubewertung des Kreditrisikos.
Diese Widerstandsfähigkeit ist ein Grund für unsere zunehmend konstruktive Sicht auf Schwellenländerwährungen. Unsere Positionierung war vor dem Schock gering, die Erholung nach dem Waffenstillstand stark und die Realzinsdifferenzen bleiben in ausgewählten Märkten attraktiv. Wir bevorzugen weiterhin Lateinamerika, insbesondere Brasilien und Mexiko, da dort Carry – vor allem im Verhältnis zur Volatilität – attraktiv ist und externe Faktoren unterstützend wirken.
Bei Hartwährungsanleihen und lokalen Zinsmärkten bleiben wir hingegen selektiver. Die Spreads bieten noch keine klaren Kaufgelegenheiten und die höheren Energie- und Lebensmittelpreise belasten weiterhin viele lokale Märkte. Unsere Präferenz liegt daher eher bei Währungen als bei breiter Duration oder Kreditrisiko.
Währungen: negativerer Ausblick für den US-Dollar
Wir werden dem US-Dollar gegenüber vorsichtiger. Zwar erhielt dieser während des Iran-Konflikts Unterstützung als sicherer Hafen. Mittelfristig erwarten wir jedoch Gegenwind und gehen davon aus, dass der Markt zunehmend bereit ist, wieder auf ein schwächeres US-Dollar-Szenario zu setzen.
Innerhalb der G10 bleiben wir konstruktiv gegenüber dem Yen und verstärken unsere positive Einstellung gegenüber dem australischen Dollar. Gleichzeitig bleiben wir gegenüber dem britischen Pfund negativ eingestellt und beobachten den Schweizer Franken genau. Dort nähert sich unsere Short-Position ihrem Gewinnziel.
Aus Positionierungssicht hat sich der Euro verbessert. Wir sehen jedoch attraktivere Chancen in ausgewählten prozyklischen und rohstoffbezogenen Währungen.
Unternehmensanleihen: Vorsicht bei Spreads – Fokus auf Qualität statt Beta
Wir bleiben in Investment-Grade-Anleihen sowohl in Europa als auch in den USA leicht untergewichtet, reduzieren jedoch die Stärke dieser Untergewichtung gegenüber dem Monatsanfang. Die Spreads haben sich – insbesondere in den USA – als robust erwiesen. Das ist vor allem auf unterstützende technische Faktoren zurückzuführen. Dennoch erscheinen uns die Bewertungen derzeit nicht attraktiv genug für eine offensivere Positionierung.
Im High-Yield-Segment bleiben wir deutlicher untergewichtet. Die Fundamentaldaten verschlechtern sich, die Bewertungen sind weiterhin hoch und die technischen Faktoren schwächen sich durch ein steigendes Angebot und nachlassende Kapitalzuflüsse ab. Zudem beobachten wir eine zunehmende Sektorstreuung, da einige Branchen unter strukturellem Druck durch verändertes Konsumverhalten oder technologische Umbrüche stehen.
Bei der Umsetzung konzentrieren wir uns weiterhin auf defensive Sektoren und solide Bilanzen. In dieser Phase des Zyklus bevorzugen wir qualitativ hochwertige Emittenten. Wir würden eine deutliche Spread-Ausweitung nutzen, um selektiv Positionen aufzubauen, statt auf aktuell engen Niveaus aggressiv zuzukaufen.
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