Ulrich Kirstein, Börse München

Der Krieg und seine Folgen bestimmen die Märkte

Die Kurse an den deutschen Aktienmärkten sind in der vergangenen Woche weiter massiv unter Druck gestanden. Ausschlaggebend war dafür vor allem die Entwicklung des Iran-Krieges, kombiniert mit steigenden Ölpreisen und der Furch vor einer Stagflation.

Rückblick: Vorsichtige Erholungsversuche wurden konterkariert

Hinzu kamen die zwar erwarteten, aber letztlich ernüchternd ausgefallenen Aussagen und Hinweise der US-Notenbank Fed, der EZB und weiterer führender Zentralbanken zum Thema Inflation und Zinsen, die letztlich mögliche Zinshoffnungen, die vor dem Iran-Krieg ihre Berechtigung gehabt hatten, weitgehend in Luft aufgelöst haben. Vorsichtige Erholungsversuche am Markt wurden dadurch sehr schnell wieder abgebrochen und ins Gegenteil gekehrt.

Alle Indizes im roten Bereich

So rutschte der Deutsche Aktienindex (Dax) in der vergangenen Woche um insgesamt 4,6 Prozent auf 22.380,19 Punkte ab. Der MDax verlor 3,2 Prozent auf 27.796,28 Zähler und der TecDax 3,9 Prozent auf 3.420,18 Punkte. Beim m:access All Share errechnete sich mit einem Freitag-Schlussstand von 1.113,45 Punkten ein Wochenminus von 2,2 Prozent.

Übernahmeangebot an Commerzbank

Im Mittelpunkt des Interesses standen unter den Dax-Werten vor allem Commerzbank. Nachdem die UniCredit ein Übernahmeangebot für die Frankfurter Großbank veröffentlicht hatte, schoss der Kurs zunächst um über 15 Prozent in die Höhe, eher er wieder nachgab und letztlich lediglich noch ein Wochenplus von etwas über 2 Prozent aufwies. Damit zählten die Papiere aber immer noch zu den wenigen Gewinnern im Dax. Am anderen Ende der Skala befanden sich Vonovia. Die Aktien des Immobilienunternehmens fielen nach Bekanntgabe der jüngsten Quartalszahlen sowie verhaltener Analysten-Kommentare um 10,8 Prozent. Wenig besser erging es Scout24 mit einem Wochenminus von 9,6 Prozent. Unter den Werten der zweiten Reihe erwischte es unter anderem K+S besonders stark. Nachdem die Papiere des Konzerns in der Vorwoche noch aufgrund von den Ängsten vor einem weltweiten Mangel an Kunstdünger um über 17 Prozent in die Höhe geschossen waren, ging es in den vergangenen Tagen noch drastischer zurück. Am Ende stand für K+S ein Wochenminus von 18,5 Prozent zu Buche.

Das Übernahmeangebot der Unicredit an die Commerzbank dominierte das Geschehen im Dax und sorgte zumindest kurzfristig für Kursgewinne / Bild: Commerzbank

Anleihen: Ein perfekter Sturm

Beim Blick auf den Anleihemarkt sprachen etliche Marktbeobachter in der vergangenen Woche von einem perfekten Sturm. Dort sorgten Stagflationsängste gepaart mit einem möglichen Kurswechsel der Zentralbanken hin zu höheren Zinsen für deutlich fallende Kurse. Dabei hielten sich die deutschen Anleihemärkte im Vergleich zu anderen europäischen Rentenmärkten allerdings vergleichsweise gut. Trotzdem kletterte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich um 5 Hundertstel auf 3,02 Prozent. Zeitweise hatte sie mit 3,035 Prozent sogar den höchsten Wert seit knapp 15 Jahren erreicht. Die Umlaufrendite erhöhte sich um 7 Basispunkte auf 2,96 Prozent.

USA: Krieg und Stagflationssorgen

Auch an den US-Börsen dominierten der Iran-Krieg, Stagflationssorgen und die wahrscheinlich restriktivere Geldpolitik der Notenbanken das Geschehen. Allerdings hielten sich die Aktienkurse besser als in Deutschland. So fiel der Dow-Jones-Index im Wochenvergleich um 2,1 Prozent auf 45.577,47 Zähler. Der marktbreitere S&P-500-Index gab um 1,9 Prozent auf 6.506,48 Punkte nach. Und der technologielastige Nasdaq-100 rutschte um 1,8 Prozent auf 23.898,15 Zähler ab. 

Ausblick: Sorgen über Sorgen

Auch in der neuen Woche dürften die altbekannten Themen das Geschehen an den deutschen und an den internationalen Aktien- und Anleihemärkten dominieren: Der Iran-Krieg, die Entwicklung des Ölpreises und die Sorgen vor einer Stagflation werden nach allgemeiner Auffassung alle anderen Faktoren wieder überstrahlen und damit maßgeblich die Kursentwicklung beeinflussen. Mit Sorge betrachten die Börsianer hier z. B. die die Drohung von US-Präsident Donald Trump, Kraftwerke im Iran bombardieren zu lassen, falls dieser die Straße von Hormus nicht kurzfristig wieder freigibt.

Konjunkturindikatoren im Blick

Gleichzeitig dauert der Krieg zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite nun schon lange genug, damit er auch in neue Konjunkturdaten- und -Indizes eingeflossen sein dürfte. Entsprechend wird sich der Blick der Aktionäre zumindest etwas stärker als zuletzt auch wieder auf wichtige Konjunkturindikatoren richten. An diesem Montag werden hier z. B. Daten zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone veröffentlicht. Am Mittwoch folgt der Ifo-Konjunkturindex, und am Donnerstag gibt die GfK ihre neuesten Zahlen zum Verbrauchervertrauen in Deutschland bekannt.

Berichtssaison mit Ausreißern

Für Ausreißer in die eine oder andere Richtung dürfte darüber hinaus die nach wie vor laufende Bilanzberichtssaison führen. So veröffentlicht beispielsweise am Montag Salzgitter seine neuesten Geschäftszahlen. Am Dienstag folgen MTU Aero Engines und am Mittwoch Fresenius  und die Commerzbank  mit ihrem Geschäftsbericht. Am Donnerstag ist der Kalender dann besonders gefüllt. Hier legen z. B. Heidelberg Materials, die Porsche Automobil Holding, die BayWa, Delivery Hero und ProSiebenSat1 ihre Zahlen vor.

Ausgewählte wichtige Termine der Woche

  • Montag, 23.03: Verbrauchervertrauen in der Eurozone; Monatsbericht der Bundesbank.
  • Dienstag, 24.03: HCOB EMI Index für Deutschland und die Eurozone; Entwicklung der Einzelhandelsumsätze in den USA; Entwicklung der US-Lohnstückkosten; Arbeitsproduktivität außerhalb der Landwirtschaft in den USA; S&P Global EMI des verarbeitenden Gewerbes in den USA.
  • Mittwoch, 25.03: ifo-Geschäftsklimaindex.
  • Donnerstag, 26.03: GfK Verbrauchervertrauen; Entwicklung der Geldmenge M3 in der Eurozone; Entwicklung der Privatkredite in der Eurozone; Erstanträge für Arbeitslosenunterstützung in den USA; Auftragseingänge für langlebige Verbrauchsgüter in den USA.
  • Freitag, 27.03: Uni Michigan: Verbrauchervertrauen; Uni Michigan: Inflationserwartungen der Verbraucher in den USA. 

Ulrich Kirstein

Ulrich Kirstein ist Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit der Börse München. Er ist seit 2010 bei der Börse beschäftigt, zuvor war der studierte Betriebswirt und Kunsthistoriker u.a. Redakteur und Chef vom Dienst einer überregionalen Wirtschaftszeitung sowie Ausstellungskurator in München. Er ist außerdem Co-Autor von Börse für Dummies, Aktien für Dummies und Börsenpsychologie simplified.